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Gaben, Fähigkeiten und Möglichkeiten im Einklang

Brigitte Krause (79) lebt in Rostock, hat als Physiotherapeutin in Ludwigslust, südlich von Schwerin, gearbeitet und dann eine Berufung erlebt in die gemeindepädagogische Arbeit. Als Rentnerin ist sie durchgestartet.

Brigitte Krause (79) war im Leitungsamt des Diakoniewerks in Ostberlin und hat bei der ökumenischen Kirchenarbeit in Bautzen gearbeitet. 1994 kam Brigitte nach Rostock als Gemeindepädagogin. Seit 2009 ist sie Rentnerin und punktuell noch in der ev.-Luth. Kirchengemeinde Toitenwinkel und im „Verein Fischkutter Jugend- und Begegnungsstätte e.V.“  tätig.

„Der Verein ist aus der ev. Kirchengemeinde Toitenwinkel heraus entstanden und ist der sozial-missionarische Arm der Gemeinde. Er richtet sich in seiner Arbeit an die Menschen im Stadtteil“, erzählt sie. „Wir arbeiten mit Kindern, Jugendlichen und Familien. Dabei ist es uns wichtig, als gute Vorbilder zu agieren, ihnen christliche, soziale und praktische Grundlagen für ihr weiteres Leben mitzugeben.“ An allen Schultagen schafft der Verein Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung sowie lebenspraktische Erfahrungen, z.B. in der Holzwerkstatt, Töpferwerkstatt, beim Bogenschießen und Klettern. Außerdem gibt es Unterstützung bei den Hausaufgaben, verschiedene Ferien-Aktivitäten wie die Kinderabenteuertage in den Winterferien oder das Kidscamp im Sommer.

Wie hast du dein Älterwerden gestaltet?

Ich hab geschaut, wo meine Gaben, Fähigkeiten und Möglichkeiten liegen. Über die Gemeindearbeit hinaus konnte ich mich in unserem Stadtteil einbringen. Einmal in der Woche singe ich im Seniorenheim mit den Bewohnern Volkslieder und begleite sie am Klavier. Mir ist es wichtig, den Alltag konstruktiv zu gestalten, Rituale zu schaffen und dabei eine Kultur der Dankbarkeit einzuüben. Sprich: nicht klagen, was nicht mehr geht, sondern sich freuen über Dinge, die noch funktionieren.

Was ist wichtig für die Zeit im Ruhestand?

Ich pflege soziale Kontakte auch über den Kreis der Gemeinde hinaus. Auch Besuche bei Menschen oder reisen gehört für mich dazu. Dann freue ich mich, ehemalige „Mädchen“ zu treffen, die ich noch aus der Zeit des Kindergottesdienstes kenne. Fit hält mich auch, dabei mitzuhelfen, dass Gemeinde als Ort für Hoffnung und Ermutigung erlebt wird. Und ich spiele immer mal wieder die Orgel im Gottesdienst.

Was hilft dir, fröhlich älter zu werden?

Ich bleibe im Austausch mit Menschen und habe einen guten Freundeskreis. Weil ich aktiv Gastfreundschaft lebe und Besuche mache, schützt das vor Vereinsamung. Und ich lebe gezielt versöhnlich und räume Dinge schnell aus, damit Bitterkeit und Enttäuschung sich nicht festsetzen. In meiner kleinen Wohnung achte ich darauf, dass sich z.B. nicht zu viele Bücher ansammeln; kommt ein neues rein, muss ein altes raus (klappt nicht immer!).

Was hat dich in zu Beginn der Lebensphase 65 plus besonders beschäftigt?

Eine wichtige Frage war: Ist es als Rentnerin gut, in der Gemeinde zu bleiben, wo ich gearbeitet habe? Heute kann ich sage: Ja, das ist möglich, wenn auch nicht immer einfach, und wird von Fall zu Fall auch unterschiedlich zu entscheiden sein.

Welchen Tipp gibst du alleinstehenden Menschen für das Älterwerden?

Baue Kontakte auf und pflege sie. Warte nicht ab, dass jemand kommt, sondern geh hin. Tue das Mögliche, statt über das Nichtmehrkönnen zu stöhnen. Wenn Gesundheit und Geld knapper werden, hake große Wünsche und Träume ab zugunsten erreichbarer Ziele. Achte darauf, körperlich wie geistig in Bewegung zu bleiben. Und: lesen, informieren, diskutieren, interessiert bleiben. Mir hilft‘s.