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Eine Single-Frau und drei Pflegekinder

Als Single mit 40 ereilte Almut Lösch der Ruf, ein erstes Pflegekind aufzunehmen. Heute - mit „60plus - freut sie sich an zwei Pflegetöchtern, die mit ihren Kindern in der Nähe wohnen. 

Almut Lösch (82) lebt in Neuswarts bei Tann in der Rhön. Sie stammt aus Bremen und hat viele Jahre in Frankfurt als Sozialpädagogin in einer Schule für lernbehinderte Kinder gearbeitet. Als Single mit 40 ereilte sie der Ruf, ein erstes Pflegekind aufzunehmen. Sie hat zum Thema „60plus - Alleinerziehend als Berufung leben“ wirklich was beizutragen.

Welche Erfahrungen haben dein Leben in besonderer Weise geprägt?

Ich war immer eine Sportbegeisterte, habe beispielsweise zwischen 40 und 60 als DLRG-Kursleiterin gearbeitet. Und als engagierte Christin war ich aktiv in Gemeinde und im Marburger Kreis. In meiner Zeit als Lehrerin wurde ich mit der Frage konfrontiert, ob ich einen meiner Schüler, der im Heim lebte, in Dauerpflege nehmen sollte. Das habe ich mit Gott besprochen und er bestätigte mein „Ja“ später mit dem Bibelwort aus Jesaja 54 „Die Vereinsamte hat mehr Kinder als die Vermählte, denn der dich geschaffen hat, ist dein Gemahl“. So konnte ich diese Aufgabe bewusst als Berufung annehmen.

Später kamen noch zwei Mädchen in meine Pflege, mit denen ich in das geerbte leerstehende Haus (eine ehemalige Ziegelei abseits des Dorfes mit großem Garten) in die Rhön zog. Die Erziehung der Pflegekinder hat mich oft massiv herausgefordert, aber Gott mein Vater hat mich immer wieder durchgetragen und mein Herz mit Frieden erfüllt. Nach einem Jahr Beurlaubung vom Schuldienst bekam ich die Stelle einer Vorklassenleiterin in unserem Landkreis und hatte nun sozusagen zwei berufliche Aufgaben parallel.

Mit 59  Jahren musste ich an einem aggressiven bösartigen Krebstumor operiert werden. Ich überstand den Eingriff gut, musste mich aber mit 60 Jahren frühpensionieren lassen.

 

Wie sieht dein Leben heute aus?

Nachdem beide Mädels einen Partner hatten und ausgezogen waren, nahm ich für 6 Jahre in meiner Einliegerwohnung eine alte Dame auf und kümmerte mich – gemeinsam mit ihrer Tochter – um sie.

Inzwischen ist diese Wohnung frei für Gäste und ich freue mich über viele Besucher.

Langeweile hatte ich nach der Pensionierung nie. Diverse Aufgaben ergaben sich zusätzlich zur umfangreichen Gartenarbeit rund ums Haus: Mitarbeit beim Verein „Frühstückstreffen für Frauen“, Gestaltung von Gemeindenachmittagen in unserem Dorf. Auch war ich 12 Jahre tätig als Kirchenvorstand, gab Englischnachhilfe in der Nachbarschaft und Schwimmunterricht für Kinder, jugendliche Asylanten und Omas aus dem Dorf. Ich nahm mir aber auch Zeit für Reisen, Kirchentage und Besuche bei Verwandten und Freunden. 

 

Welchen Tipp gibst du alleinstehenden Menschen für das Älterwerden?

Niemand sollte sich verkriechen und jeder sollte frühzeitig Hobbys pflegen, sich Aufgaben suchen. Denn das bringt Kontakte zu anderen Menschen mit sich. Außerdem nicht warten, dass Leute auf einen zukommen, sondern aktiv Kontakte pflegen, Möglichkeiten suchen und nutzen. Jetzt, wo ich nicht mehr ganz so mobil bin, telefoniere ich viel. Jüngere können Computer oder Smartphone nutzen. Bei allen aber bleibt: Vertraue auf Gottes Führung und setzte auf seine Hilfe.