Aktuelles

Solo&Co

Von freundlicher Distanziertheit zu Vertrautheit | Uta

von Walter Lutz | 25. Juli 2019 | Allgemein

Der Journalist Dominik Klenk, eng verbunden mit der Offensive Junger Christen, schreibt in seinem Vorwort: „Theologisch klug und biografisch authentisch führt das Buch seine Leser in eine heilige Unruhe.“ Damit deutet der Leiter des Fontis-Verlags schon an, dass das Buch „Vertrautheit wagen!“ eine Herausforderung ist. Ed Shaw ist nämlich Pastor der Emmanuel City Church in Bristol/England, fühlt sich zu Männern hingezogen und wünscht sich eine Veränderung hin zur Heterosexualität. Nachdem sich diese nicht entwickelt, entscheidet er sich, sexuell enthaltsam zu leben.

Ein zölibatäres Leben ist heute selbst für viele Christen nicht mehr nachvollziehbar. Shaw entfaltet deshalb in zwölf Kapiteln seine Sicht dieses „Plausibilitätsproblems“.  „Wir müssen das, was die Bibel klar verlangt, einfach wieder plausibel machen. Wir müssen uns erinnern …, dass Jesus Folgendes zu uns allen sagt: ‚Ich bringe Leben – und dies im Überfluss.‘ Johannes 10,10; HfA.“ Von diesem Satz ausgehend, widerlegt er neun Fehlannahmen, die sich auch bei Christen breit gemacht hätten: „Deine Identität ist deine Sexualität. … Wenn es dich glücklich macht, muss es richtig sein. … Der Zölibat tut dir nicht gut und muss vermieden werden …“  Konsequent am Wort Gottes orientiert, entwickelt Shaw wesentliche Aspekte zu Themen wie Identität aus der Beziehung mit Christus, Gemeinde Jesu als familiäre Gemeinschaft, Intimität in Freundschaften und das Single-Leben als Gabe.

Dabei spricht er offen(siv) an, dass die christlichen Gemeinden weithin hilflos sind in der Begegnung mit Alleinstehenden. „Wenn unsere Gemeinden genauso viel Zeit und Energie darauf verwenden würden, gute Freundschaften zu fördern und nicht nur gute Ehen, wäre das Leben für Menschen wie mich viel einfacher“, konstatiert der Autor in Kapitel sieben. Intimität sei nicht nur in einer sexuellen Beziehung erlebbar.

Das Buch besticht durch Tiefe und gleichzeitig Weite der Gedankenführung. Ed Shaw erlebt die Fülle des Lebens auch in seiner Liebe zu Gott und seinem Wort. Mitten in der Ernsthaftigkeit des Schreibens blitzt auch immer wieder sein Humor auf. Er beleuchtet die Thematik gründlich aus verschiedenen Blickwinkeln und überrascht Leser mit tiefgründigen Aussagen: „Meine Sexualität hat mir erlaubt, die unglaubliche Kraft der sexuellen Sprache zu verstehen und wertzuschätzen, die Gott dort [Hesekiel 16] und andernorts verwendet, um das leidenschaftliche Wesen seiner Liebe zu Menschen wie mir zu vermitteln. Meine Sexualität vermag nicht, mich in eine liebevolle Ehe zu führen, aber sie führt mich stetig in eine größere Wertschätzung der Liebe Gottes zu mir in Christus.“ Viele Kapitel enden mit weiterführenden Anwendungsfragen, die den Austausch mit anderen anregen können.

Das Buch kann Christen und Gemeinden helfen, über Tabuthemen ins Gespräch zu kommen. Der Untertitel „Und wie die Kirche sexuelle Vielfalt biblisch integrieren kann“ könnte ergänzt werden mit:  und ehelos lebende Menschen. Das Leben als Single erschöpft sich eben nicht im Warten! Ich empfehle die Lektüre wärmstens!

Astrid Eichler: Dem kann ich nur zustimmen! Auf Utas Empfehlung hin habe ich das Buch gelesen und bin begeistert von der Tiefe. Es geht hier um das Wesen des christlichen Glaubens. Wir bleiben so weit zurück hinter dem, wozu Jesus gekommen ist und was er vollbracht hat. Christsein ist nicht einfach eine „nette Variante“ des bisherigen Lebens. Es ist eine neue Existenz, nicht weniger. Und das hat Folgen – für das persönliche Leben und für unser Miteinander.  Also ehrlich: Das Buch lohnt sich, auch wenn es vielleicht ärgerlich machen könnte.

Vertrautheit wagen! Gemeindebau hautnah. Und wie die Kirche sexuelle Vielfalt biblisch integrieren kann. Fontis-Verlag, Basel 2018, 192 Seiten, 14 Euro. Leseprobe

Das Seminar-Angebot beim Festival bietet für jede(n) etwas.

Direkt aus Marburg kommen Ruth und Dietmar Pfennighaus sowie Svenja Riedel. Mit einer Kräuterwanderung, einem Seminar über Ätherische Öle, etwas aus der Systemischen Beratung und dem Wertvoll-Prinzip kann man wichtige Impulse aus der Arbeit des Gesundheitshauses mitnehmen.

Von der AsB (Arbeitsgemeinschaft seelsorgerliche Beratung) wird Andreas Stenzel ein Seminar zum Thema „Innere Heilung“ anbieten.

Von Hanna Kunze darf man lernen, wie Dating in der heutigen Zeit eigentlich geht.

Die junge Autorin Sina Hottenbacher stellt die Impulse ihres aktuellen Buches „Single life“ vor unter den Aspekten Umfeld, Gemeinde, Beziehungen, Dating, Wohnsituation, Vorsorge- und Finanzthemen.

Wer sich gerne mal mit dem Thema Perfektionismus auseinandersetzen möchte, kann an einem Seminar mit Elke Langenberg und Horst Elsner teilnehmen.

Wer sich gerne bewegt, findet im Workshop zum Thema „Bewegtes Gebet“ mit Sabine Ivens das Passende. Und mit Andreas Hoffmann kann gepilgert werden.

Die Gynäkologin Jael Schemel bietet ein Seminar zum Thema Wechseljahre an.

Wer es kreativ mag, darf im Projektchor mit Benjamin Gail mitsingen oder beim Kintsugi-Workshop mit Katja Zimmermann Neues entdecken.

Auch zu den Themen Gemeinschaft, zölibatär lebende Singles, Singles mit Behinderung oder Älterwerden als Single wird es Seminarangebote geben.

Und darüber hinaus gibt es natürlich ganz viel Gemeinschaft mit anderen Singles.

Wir würden uns sehr freuen, wenn du auch mit dabei bist. Bis zum 15. August kann man sich noch anmelden!

Marion Heigl, Geschäftsstelle

zum Festival-Angebot