Wochenlang haben wir mit etlichen Gemeindefrauen die todkranke Elena rund um die Uhr am Krankenhausbett begleitet. Nun ist sie zu Jesus heimgegangen, und auf die Frage unseres Pastors, ob ich mit ihm und seiner Frau ins Krankenhaus fahren will, sage ich sofort zu. Das ist eins meiner Vorrechte als Ledige: Flexibilität, keine Familie versorgen zu müssen und über Tag Schlaf nachholen zu können…
Kurz darauf sind wir in dem kleinen Zelt vor dem Krankenhaus, wo die Verstorbene noch im Bett liegt, an sie gekuschelt ihre jüngste Tochter. Die Nachtruhe auf dem sonst so quirligen Gelände tut gut, und wir haben Zeit für einfaches Dasein, stille Umarmungen und Zuhören – bis dann der Leichenwagen sie abholt und zunächst zum Waschen und Umziehen nach Hause bringt. Uns drei Begleitern bleibt wenig Zeit für die Organisation der in Peru üblichen 2-3tägigen Totenwache, die diesmal bei uns im Gemeindehaus stattfindet.
Aber wir sind ein bewährtes Team, teilen uns Aufgaben auf, und als der Leichenwagen um 6.00 früh anrollt, ist alles bereit. Die Tür zur Straße bleibt weit offen, eine brennende Glühbirne zeigt den Trauerfall an, und bald erscheinen erste Trauergäste: für Gemeinschaft um den halboffenen Sarg herum, schweigend, halblaut redend, singend, unter Tränen, auch mal lachend und eben… gemeinsam! Das war mir als Deutsche damals bei meiner Ankunft in Peru sehr fremd: Trauernde sollte man doch besser in Ruhe lassen, oder?
Inzwischen schätze ich diese gemeinsame Abschiedsphase sehr! Und in den nächsten Tagen staunte ich wieder über unsere Gemeinde, wie viele ihre Pläne änderten, um zu begleiten, zu kochen, zu musizieren und anzupacken. Unser Sonntagsgottesdienst wurde kurzerhand zum Trauergottesdienst, und Elenas Aussegnung inmitten eines Blumenmeers empfand ich als liebe- und würdevollen Abschied.
Mancher in Deutschland staunte: SO viel kollektive Investition für ein Nicht-Familienmitglied?! Kurz darauf unternahmen in Deutschland freundliche Nachbarn mit unserem alleinstehenden 90 jährigen Onkel eine spontane einwöchige Wohnmobil-Tour. Auch hier: keine biologischen Familienbande, aber herzliche Investition in ein anderes Leben oder auch Sterben. Solche Erfahrungen – weltweit – lassen mich getrost meinem eigenen Älterwerden entgegensehen, auch als Single.
Birgit Ufermann











