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Solo&Co

Ein gutes Jahr später…

von Walter Lutz | 19. Juni 2023 | Allgemein

Äußerlich habe ich mich eingerichtet. Wohnung, Auto, Versicherung, Rente. Alles hat funktioniert und ich bin sehr dankbar für die Hilfestellung und Beratung meiner Geschwister. Und ich bin dankbar, hier zu sein, keine drückende Verantwortung mehr zu haben, einfach da sein zu können, Zeit für mich zu haben. Anderseits vergeht kein Tag, an dem ich nicht auf die Facebookseite meiner spanischsprachigen Kontakte und der Schule schaue.

Lausche ich Gesprächen in meinem Umfeld, so werfe ich ab und zu ein: „In Peru würde man das nun so und so sehen…“ – was eigentlich die meisten hier nicht interessiert. Denn ich bin ja jetzt in Deutschland. Öfters werde ich gefragt: „Und was hast du vor, was wirst du jetzt tun?“ Am liebsten würde ich manchmal darauf antworten: „Muss ich denn immer etwas tun? Ich möchte nur da sein, zur Ruhe, nach Hause kommen, die Zeit mit meinem Vater genießen und ohne große Vorplanung tun, was mir Freude macht.“

Als Alleinstehende kann ich mir das leisten und ich genieße die Zeit, die ich mit mir habe. Ja, und wo bleibt dann das „Co“? Schon von Peru aus und jetzt auch in Deutschland nehme ich am Internet-Meeting von „Solo&Co weltweit“ teil. Der Austausch mit euch tut gut. Da gibt es Menschen, die in anderen Kulturen leben und lebten. Die verstehen, warum man manches Mal so ganz anders denkt und reagiert.

Wir sind zur Gemeinschaft geschaffen, zum Ebenbild Gottes, so wie Gott schon in der Dreieinigkeit Gemeinschaft in sich ist. Ich genieße das „Solo-Sein“, aber ich brauche auch die anderen.

Gut getan hat die Reflexionswoche für Rückkehrer, die ich besuchen konnte. Unter uns Missionaren und zusammen mit dem Team und meinem Herrn Jesus konnte ich über Freud und Leid der vergangenen Jahre nachdenken und austauschen. Das Bild einer Brücke, auf der ich stehe, blieb in meinen Gedanken hängen. Noch blicke ich immer wieder zurück, taste mich aber auch langsam vorwärts, vor mir sehe ich ein weites weißes Feld mit einigen Punkten, die ich ansteuern könnte. 

Noch bin ich nicht bereit, viele Verpflichtungen zu übernehmen, aber ich kann langsam wieder an Veranstaltungen teilnehmen und auf Mitmenschen zugehen – und dabei merke ich: nur solo, das geht nicht gut. Ich brauche auch die anderen und sie brauchen mich. Ich empfinde mich wie eine Pflanze, die sich nach dem Winterschlaf langsam wieder öffnet. Ich kann nicht in der Vergangenheit kleben bleiben.

Aus diesem Grund nahm ich vor kurzem an Solo&Co ON TOUR in Freiburg teil. Es war das erste Mal, dass ich ein Präsenztreffen von Solo&Co erlebte. Noch nie fand ich es so einfach, ins Gespräch mit anderen Teilnehmern zu kommen. Ich empfand, dass es nicht solche Gruppen- oder Pärchenbildungen gab, die man sich nicht getraute anzusprechen. Auch die lockere Atmosphäre trug dazu bei. Mir wurde bewusst, dass ich in Peru sehr stark in das „AES Syndrom“ (Arbeit, Essen, Schlafen) gefallen war.

Hier in Deutschland habe ich nun die Arbeit durch das Alleinsein ersetzt. Ich denke, ich habe diese Zeit gebraucht, um mich wieder zurecht zu finden und bin nun langsam bereit für die Kontakte mit andern. Da hat mir das Event geholfen, neue Möglichkeiten zu erkennen. Ein weiterer Gedanke von dem Freiburger ON TOUR-Tag: „Wir Solisten sind etwas Besonderes, jeder anders, mit anderen Begabungen. Wir sind da, um uns untereinander zu bereichern.“

Ich bin gespannt, wie Gott mich weiterführt.

Annemarie Höfflin, Bötzingen