Aktuelles

Solo&Co

Ein echtes Himmelfahrtskommando

von Walter Lutz | 13. Mai 2026 | Kostbares

Himmelfahrt war wie Karfreitag für die Jünger eine tiefe Verlusterfahrung – Jesus war auf einmal nicht mehr da! Aber im Unterschied zum Tod am Kreuz, wo alle Hoffnung dahin schien, war der Abschied an Himmelfahrt anders. Wie uns Lukas in Apg. 1,1-14 berichtet, hatte Jesus Ihnen ja eine irgendwie mysteriöse Kraft in Aussicht gestellt, die auf sie kommen würde. Sie würde weit darüber hinausgehen, was sie bei Johannes dem Täufer erlebt hatten. Und der hatte ja schließlich die größte geistliche Erweckung in Israels gesamter Geschichte bewirkt. Diese Kraft sollte es ihnen ermöglichen, Zeugen für ihn zu sein – ausgehend von Jerusalem bis an die Enden der Erde! Was sollte das nur sein?

Sie waren doch nur elf normale Leute, ein jeder mit seinen Ecken und Kanten. Und dann Jesu Zeugen sein bis ans Ende der Welt? Völlig unmöglich… Und sie hatten ja so oft erlebt, wie weit sie selbst entfernt waren von dem, wie Jesus war. Johannes schrieb von ihm: „Er lebte unter uns, und wir sahen seine Macht und Hoheit, die göttliche Hoheit, die ihm der Vater gegeben hat, ihm, seinem einzigen Sohn. Gottes ganze Güte und Treue ist uns in ihm begegnet.“ (Joh. 1,14 GNB).

Wie wenig entsprachen sie diesem Vorbild, auch nach drei Jahren Training noch! Jesus wusste das. Und genau deswegen befahl er ihnen, sich nicht aus Jerusalem zu entfernen und auf diese Verheißung des Vaters zu warten. Sie sollten warten, dass Gott handelt und damit kostbare Verheißungen im Alten Testament erfüllen würde: „Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hes. 36,26 LUT). Gott selbst würde sie tiefgreifend verändern – nicht sie selbst!

Was sollten die Jünger also tun? Sie sollten warten – nicht selbst anfangen, Jesu Zeugen zu sein! Ohne den Heiligen Geist (von dem sie wohl keinerlei Vorstellung hatten) wäre all dies von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Ohne seine Transformation ihrer Herzen, ohne seine übernatürlichen Zeichen und Wunder, ohne seine prophetische Führung wären sie alle sehr schnell im Gefängnis gelandet. Und vielleicht auch noch als Aufrührer am Kreuz – ein „Himmelfahrtskommando“ im falschen Sinn. Es brauchte das übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes, um aus dieser kleinen Gruppe ängstlicher Jünger wahre Zeugen für Jesus zu machen, die sein Evangelium vollmächtig in die ganze Welt brachten.

Aber was heißt das nun alles für uns? Wundern wir uns vielleicht, wie wenig auch wir Jesus im Alltag widerspiegeln? Leiden wir vielleicht darunter, nicht wirklich „Salz und Licht“ der Welt zu sein, wie Jesus es uns sagt? Zumindest mir selbst geht es oft so. Liegt es vielleicht daran, dass wir seine Zeugen sein wollen, ohne immer wieder auf den Heiligen Geist, sein Reden und seine Bevollmächtigung zu warten? Paulus schreibt, dass das Leben im Heiligen Geist zum Kern unserer Identität gehört: „Ja, es ist so: Alle, die dem Geist Gottes erlauben, sie zu leiten, sind die Söhne und Töchter Gottes.“ (Röm. 8,14 DBU). Genau hier liegt also das Geheimnis jeder geistlichen Vollmacht. Was Jesus den Jüngern in Apg. 1 befahl, war wirklich ein geistliches „Himmelfahrtskommando“. Es kostete die Jünger ihr selbstbestimmtes Leben und führte sie auch in manch schwierige Zeiten. Genau wie uns auch heute. Aber gleichzeitig verheißt es Segen: „Und ich will einen ewigen Bund mit ihnen schließen, dass ich nicht ablassen will, ihnen Gutes zu tun, und will ihnen Furcht vor mir ins Herz geben, dass sie nicht von mir weichen.“ (Jer. 32,40 LUT). Warten wir also auf den Heiligen Geist – immer wieder neu...

Bernd Winkelsträter