Nein, überhaupt nicht kompliziert, lacht Persis. Die Drei kennen sich aus einer freien Gemeinde, gehören zur Berliner Solo&Co-Gruppe und sind alle in den Vierzigern. Erotisches Interesse aneinander gibt’s nicht, das war klar − in Persis‘ Augen eine Voraussetzung für ein gedeihliches Miteinander. Ist es denn anders mit Männern zu verreisen als mit Frauen? „Oh ja, mit Männern kommt man schneller in Bewegung.“ Nach Marokko hätte sie nicht ohne eine Begleitung fahren mögen, die andere Männer auf Abstand hält. Andererseits hat sie ein weibliches Gegenüber zum Austausch an manchen Abenden vermisst.
Und wie habt ihr euer Ziel gefunden? Die Männer wollten in ein arabisches Land, nicht zu weit weg sein und halbwegs modern – also Marokko. Alle wollten das Land auf eigene Faust entdecken und waren sich einig, dass sie nur mit Handgepäck unterwegs sein wollten. Nicht zu stressig sollte das Ganze werden und am Ende auch noch die Chance auf Erholung am Meer sein. Grob hatten sie die Stationen anhand der Landkarte vorgeplant und auch die meisten Übernachtungen in Hostels vorgebucht, den Rest entschieden sie mithilfe des Lonely-planet-Reiseführers und spontan.
Habt ihr denn vorher abgemacht, wer sich um was kümmert? Die Jungs übernahmen die Buchungen und dann vor Ort − dank Schulfranzösisch − auch die Lotsendienste. Persis kümmerte sich um die ‚interne Organisation‘ und das leibliche Wohl, als die Männer wegen eines Darminfektes flach lagen. Die Reisekosten wurden aus der gemeinsamen Kasse bezahlt, nichts detailliert auseinander gerechnet. Zu Abend gegessen wurde, wenn die Mehrheit hungrig war, und in einem Lokal, das weder Kaschemme noch Edelrestaurant war. Es ging leicht sich abzustimmen: Kein Eule-und-Lerche-Konflikt, keine Veganista gegen Fleischesser, kein Duracell-Energielevel gegen Faultier-Phlegma.
Eine Reise in der Gruppe trainiert, sich zurückzunehmen zugunsten der Gruppe, aber dennoch präsent zu bleiben und einen eigenen Standpunkt zu vertreten, wo das nötig ist, findet Persis. Und ja, manchmal entlastet es auch, anderen die Führung zu überlassen, wenn man im Alltag schon immer alles selbst entscheiden und organisieren muss. „Wenn man weiß, was der andere gut kann, sollte man ihn das machen lassen. Und wenn das Ergebnis anders ausfällt als gedacht, dann muss man eben loslassen von der eigenen Vorstellung.“ Man braucht vor allem Flexibilität und die Bereitschaft zur Improvisation, meint Persis.
2018 geht’s nachThailand und Laos. Wieder mal zu viert, was sich empfiehlt, nach Persis‘ langjähriger Erfahrung. Dann können sich zwei Grüppchen bilden, die auch mal was Unterschiedliches unternehmen. Dann wird eine Neue dabei sein. Persis ist zuversichtlich. Sie hat erfahren, dass Gott mitgestaltet auch an solchen Tagen, und mithilft, sich auf den anderen einzulassen. Ihr eindringlicher Appell: „Traut euch doch einfach mal, ein Wochenende oder bei einer Städtetour auszuprobieren, mit wem ihr harmoniert!“











