Was mach ich nur am Sonntag-Nachmittag? | Sabine*

Kategorie: Community


Voriges Jahr war ich noch zu Hause bei den Eltern, davor war ich an einem anderen Einsatzort. An Feiertagen hatte der Einsatz für andere, das Geben und darin Aufblühen Hochsaison ... Jetzt aber sieht es so aus, dass ich noch keinen festen “Dienst” habe und die anderen scheinen alle irgendwie eingespannt zu sein. Vielleicht wirke ich auch ‘stark’ und strahle nicht das Riesenbedürfnis aus,  eingeladen zu werden.

Vor dem letzten Osterfest rumorte  es ziemlich in mir: Ich will auch mal das Baby sein, das verhätschelt wird – und zwar mit Einladungen. Darüber sprach ich dann mit einer Frau aus meiner Heimat-Gemeinde. Sie sagte, sie kenne dieses Gefühl nur zu gut – auch als verheiratete Frau – und gab mir einen guten Impuls: Stell dir mal ein A4-Blatt im Querformat vor. In der Mitte ist eine dicke Mittellinie. Darüber ist die Gewinn-Seite, darunter ist die Verlust-Seite. Wir neigen dazu, uns entweder im Gewinn-Feld oder im Verlust-Feld zu sehen. Auf der Haben-Seite: Ich gebe, ich bin die Aktive, ich bekomme Anerkennung, ... Auf der Verlust-Seite steht: Niemand mag mich. Das Glück ist genau da, wo ich nicht bin. Ich bin alleine ... Nun gilt es aber, wie auf der Mittellinie zu leben: Also ein Leben in der Fülle im Hier und Jetzt zu finden, unabhängig davon, ob ich nun gebe, gebraucht werde, vor anderen strahle ... oder nicht. Sie sei auch noch dabei, räumte sie ein, zu lernen, das Hier und Jetzt zu genießen und dabei gelassen und bei sich zu bleiben. Sie wartet ab, was ER für sie vorbereitet hat, wenn sie nicht aktiv wird. “Mal gucken, was der Herr vorbereitet hat für mich oder eben auch nicht”, sagte sie. Noch ein Gedanke dazu: Die ersten Menschen im Paradies, die ja eigentlich alles hatten, ließen sich von der Schlange eine vermeintliche Leere, ein falsches Bedürfnis einreden und aßen von der verbotenen Frucht.

Ich persönlich möchte es für mich so umsetzen: Es gibt Sonntage, da lade ich andere ein. Davon habe ich hier schon erzählt. Es gibt aber auch Sonntage, da bin ich offen für Reflexionen mit guten Büchern auf meinem Sofa, für Stille und Einkehr oder aber ich plane einen Parkbesuch. Wenn es dann doch anders kommt, weil sich jemand mit mir verabreden will, dann freue ich mich. Wenn ich aber alleine bleibe, ist es meine bewusste Entscheidung, kein Unfall. Ich möchte einfach nicht in eine Opferrolle verfallen und auch aufhören mit “Baby-sein-Wollen”.

Vielleicht hat meine Situation als Single hier andere Vorzeichen als in Deutschland. Wir sind hier einige Ausländer, die einander brauchen. Es ist von daher vermutlich leichter, sich mit anderen zu verabreden. Ich habe auch den Eindruck, dass sich hier das Leben viel mehr im Park oder auf der Straße abspielt. Wenn ich mich wirklich einmal langweilen sollte, dann brauche ich nur in einen Park zu gehen mit einem Schachbrett oder mit Nachbars Hundchen... Es gesellen sich bald genug Leute um einen herum. Wäre ich gesangesbegabt, könnte ich Karaoke singen – im Park. Und wäre schnell nicht mehr allein.

* Das Land können wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Auch der Name der Autorin wurde verändert. Red.