Unser Fundament: Gemeinschaft | Astrid

Kategorie: Compass


Nach dem biblischen Kern  unserer Werte und der Grundlinie unseres Dreiecks: Liebe betrachten wir heute den rechten Schenkel unseres Fundamentes: GEMEINSCHAFT. Dort steht: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei (1. Mose 2,18a Lu).

Im 1. Kapitel der Schöpfungsgeschichte heißt es nach jedem Tag: Und es war gut. Nach der Erschaffung des Menschen heißt es sogar: Es war sehr gut. Und jetzt, mitten im Paradies in Kapitel 2 vom 1. Buch Mose steht dann plötzlich: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.

Ist uns bewusst, wie schwer das wiegt?

In unserem Leitungsteam haben wir uns vor einiger Zeit mit einem Referat von Dr. Ulrike Bittner zum Wesen von Männern und Frauen beschäftigt (nachzulesen in AUFATMEN 1/2017: Aufeinander angewiesen). Das hat uns neue Aspekte aufgezeigt. Wir hören bei dem Wort „allein“ vermutlich etwas, was Mitleid auslöst, Einsamkeit. Wir kennen das schwere Gefühl, das damit verbunden ist.

Für den jüdischen Menschen klingt noch anderes mit: Es ist nicht gut, dass der Mensch autark ist. Das heißt, es ist nicht gut, wenn wir alles selbst haben, allein können, wenn wir niemand anderes brauchen. Das könnte uns mächtig gegen den Strich gehen, oder? Wir als postmoderne Menschen gehen davon aus, dass das doch gerade anzustreben ist, alles selbst in der Hand zu haben, auf niemand und nichts mehr angewiesen zu sein.

Adam bekommt Eva zur Seite gestellt. Der männliche und der weibliche Mensch sind aufeinander angewiesen. „Die Ehe – eine geniale Idee Gottes“ – so habe ich es in meinem Buch „Es muss was Anderes geben“ beschrieben. Ja, so ist es. Die Ehe als engste Form menschlicher Gemeinschaft steckt voller Geheimnisse Gottes. Wir können in der Bibel viel dazu entdecken.

Doch als Single bleibt uns doch gar nichts anderes übrig als allein klar zu kommen, oder? Nein, auch wenn ein Mensch, aus welchen Gründen auch immer, unverheiratet ist, gilt immer noch: „Es ist nicht gut, wenn der Mensch autark ist“. Unser Wesen ist nicht für Autarkie geschaffen, sondern dafür, dass wir einander brauchen, aufeinander angewiesen sind, einander beschenken. Das macht uns in den Augen Gottes aus. Das gibt uns Würde.

Wir haben es 2010 in unserem Grundlagenpapier so formuliert: „Wir glauben, dass Gottes Bestimmung für unser Leben Gemeinschaft ist. Er selbst ist in seinem Wesen Gemeinschaft und hat uns für Gemeinschaft geschaffen. Wir sehnen uns danach, in diese Bestimmung hineinzukommen und unser Leben mit anderen zu teilen. Um Gemeinschaft zu erfahren, in der Leben und Kraft freigesetzt wird, gehen wir mit anderen verbindliche Vereinbarungen ein. Wir kehren um von einem nach Unabhängigkeit strebenden Individualismus zur Gemein­schaft als die von Gott gewollte Lebensform. Wir überwinden unsere Angst vor Verletzungen und wagen es, mit anderen unser Leben zu teilen.“

Gemeinschaft ist also nicht eine „nette Zugabe“, damit es uns besser geht, sondern in den Gedanken Gottes unsere Wesensbestimmung. Wir wollen Räume schaffen, dass wir da hineinwachsen. Das braucht Umkehr, ja eine „Umwertung“. Und wir brauchen Heilung, nämlich dort, wo wir durch andere Menschen, mit denen wir Gemeinschaft hatten, verletzt wurden.

Es lohnt sich, diesen Weg zu gehen, damit wir uns wieder einlassen können auf die Lebensform, die zutiefst unserem Wesen entspricht, Gemeinschaft – wie auch immer das dann konkret aussehen mag.