Es muss schon passen in einer WG ...

Kategorie: Coaching


Bei der WG in Cuxhaven passte eigentlich nichts. Monika hat nur 750 Euro Witwenrente. Gertrud und Josef, ehemalige Arbeitskollegen bei einer Bank, beziehen sehr gute Renten. Dieter, der Künstler, hat unregelmäßige Einkünfte. Sie haben die Fixkosten der WG zusammengerechnet und jeder bezahlt, seiner Rente entsprechend, den prozentigen Anteil.

Unterschiedlicher als die vier kann man nicht sein. Josef ist ein kleiner, schmächtiger, sehr gepflegter Typ mit ausgeprägten Putzfimmel, der schon mal vorarbeitet, wenn die Putzfrau kommt. Er muss sich mit Dieter arrangieren, der nach dem Duschen kurz an seinem T-Shirt riecht, um dann festzustellen, dass das alte Shirt noch geht. Dieter ist ein lässiger Schimanski-Verschnitt mit viel zu langen Haaren und einer großen Klappe, der den sensiblen Künstler nicht sofort erkennen lässt. Er akzeptierte den peniblen Josef und macht ansonsten sein Ding. Josef half beim Bau des Hühnerstalls mit, was vor Jahren noch ein Unding für ihn gewesen wäre.

Dieters Hund durfte nicht in die Küche, darauf bestand Josef. War für Dieter und seinen Hund ok. Dieter hat sich dann noch einen weiteren kleinen Hund zugelegt. Der wählte ausgerechnet Josef zu seinem Lieblingsmenschen. Der simple Grund: Josef macht immer ausgedehnte Spaziergänge und nimmt ihn mit. Der Hund robbte sich immer weiter aus dem Flur in die Küche zu Josef. Ob er jetzt auch bei Josef im Bett liegt, weiß keiner. Wenn er ein bisschen jault, öffnet Josef jedenfalls seine Zimmertür für den Kleinen.

Als wiederum Gertrud Dieter kennenlernte, einen langjährigen Freund ihres verstorbenen Mannes, wollte sie anfangs auf keinen Fall mit so einem Typen in eine WG ziehen: An dem Hippie, mit seinem verbeulten VW-Bus, seien wohl die letzten Jahre vorbeigerauscht, befand sie spitz. Der suche jetzt zahlungskräftige Mitbewohner, die ihm seinen Lebensabend angenehm gestalten. Und schon saß Dieter in ihrer Meinungsschublade fest. Er sah in ihr den Kontrollfreak und eine selbstgefällige Zimtzicke ohne Lebensfreude. Dass sie sich ineinander verlieben würden, schien unvorstellbar. Nun sind sie verheiratet.

Diese WG hat sich gefunden, ihre Mitstreiter zu Mitbewohnern gemacht und bei allen Veränderungen in Gang gesetzt. Soviel zu „es muss passen“. 

Anmerkung: Dieser Text stammt aus dem Blog von Juliane Scholz. Er wurde gekürzt und redaktionell bearbeitet. Julia Scholz hat ihre amüsanten Erfahrungen und ermutigenden Erkenntnisse aus der "fidelen Alten-WG in Laboe" auch in zwei Büchern veröffentlicht.