Auf dem Weg zur single-freundlichen Kirche!?

Kategorie: Community


Im vergangenen Winter hatten wir dafür geworben, dass sich möglichst viele von uns an der Single-Studie des CVJM-Instituts empirica beteiligen und den Fragenbogen ausfüllen. Es geht uns darum, das Single-Sein aus dem „toten Winkel“ der Wahrnehmung herauszuholen. In Kirche und Gemeinde fühlen sich viele von uns wenig wahrgenommen, weil die Lebensform dem protestantischen Ehe- und Familien-Ideal nicht recht entspricht. Die Studie soll mithelfen, aus der anekdotisch-subjektiven Beweisführung  – Ich habe erlebt, dass – herauszukommen, die Situation objektiv zu belegen und Veränderung anzustoßen.

Mittlerweile hat das Forscherteam um Tobias Künkler die Antworten aus der Online-Befra­gung und die längeren Einzelgespräche mit ausgewählten christlichen Singles ausgewertet. Mitte Juli werden die Ergebnisse dem Experten-Beirat vorgestellt, zu dem auch Astrid Eichler gehört. Dort sollen die Zahlen eingeordnet und auf mögliche Konsequenzen hin abgeklopft werden. Die Verlagsgruppe SCM wird die Erkenntnisse im nächsten Jahr in einem Buch herausbringen. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und bleiben weiter dran …

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Wie Gemeinden single-freundlicher werden können, ist eine Frage, die langsam in der evangelischen Kirche ankommt – wenn auch in unterschiedlichem Maße. Bei einem Hearing im Kirchenamt der EKD im Herbst letzten Jahres zum „Single-Sein in Theologie, Kirche und Gesellschaft“  lagen die Einschätzungen der Referenten weit auseinander: Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes und Cheftheologe der EKD, befand, nirgendwo könne man problemloser als Single auftauchen als im Gottesdienst. Und forderte Anerkennung dafür, wie sich die Kirche aufs Singlesein einstelle. Wissenschaftler Tobias Künkel rückte dies Selbstlob zurecht: In den subjektiven Aussagen der Singles komme es sehr durchgängig vor, dass sie sich an den Rand gedrängt und stigmatisiert fühlen – gerade im kirchlichen Kontext, wider­sprach er Gundlach energisch. Auch Regionalbischof Detlef Klahr aus Ostfriesland bestätigte den Befund durch sein eigenes Erleben als Single in den Gemeinden.

Der Gastgeber des Hearings, das Evangelische Zentrum Frauen und Männer der EKD, formu­lierte am Ende eine Vision: „Wir wollen eine Kirche, die sich den vielfältigen Lebensrealitä­ten dieser Menschen aktiv öffnet und sie bewusst als gleichwertige Glieder am Leib Christi wahrnimmt und willkommen heißt.“  Das bedeutet, (…)

• sich selbstkritisch mit der Frage auseinanderzusetzen, inwiefern Theologie und Kirche dazu beitragen, dass Singles an den Rand gedrängt oder gar diskriminiert werden, 

• die theologische und seelsorgerliche Sensibilität für die spezifische Situation von alleinstehenden Menschen nachhaltig zu fördern,

• im gemeindlichen Alltag Anknüpfungspunkte für alleinstehende Menschen zu schaffen und durch konkrete Angebote ihnen Heimat zu werden.

Alle Referate und eine Zusammenfassung des Hearings hier: www.singles.evangelisches-zentrum.de.

Veränderung beginnt bei der Leitung

Es gibt keine Veränderung ohne die Gemeindeleitungen. Im Januar leitete Astrid eine Fortbildung für Prediger des Puschendörfer Gemeinschaftsverbandes. Derzeit konzipiert sie ein zweitägiges Modul „Arbeit mit Singles“ für das BibelStudienKolleg in Ostfildern, das im Mai 2020 stattfindet. Auch in der bayerischen Landeskirche nehmen das Forum Frauen und die evangelische Männerarbeit die Singles in den Blick: Am 14. September 2019 wird Thomas vom Leitungsteam Solo&Co beim Amt für Gemeindedienst in der Experimentierwerkstatt „Single sein“ vorstellen.

Es kommt spürbar etwas in Bewegung, das ist ermutigend.

Das Bild zeigt Astrid beim EKD-Hearing. Quelle: www.singles.evangelisches-zentrum.de.