Auch eine Urlaubs-Gemeinschaft fordert heraus | Monika

Kategorie: Community


Für Mitte Juni hatte die Liebenzeller Mission gemeinsam mit Solo&Co eine Urlaubsreise für Singles nach Rhodos ausgeschrieben. Für die geistliche Gestaltung  war Baptistenpastorin Margret Meier verantwortlich, ich für den „Rest“.

Bei der Vorbereitung habe ich manchmal gedacht: Warum tue ich mir sowas schon wieder an? Mein wohlverdienter Erholungsurlaub geht in einen Arbeitseinsatz: Orga-Leitung einer großen Reisegruppe, zu der 42 überwiegend völlig fremde Leute gehören. Im Vorfeld das Reiseprogramm ausarbeiten und mit dem örtlichen Reisebüro abstimmen, Teilnehmerbriefe schreiben und verschicken, offene Fragen klären und beantworten, …

Und dann die Anreise, der Abflug war um 6 Uhr morgens ab Frankfurt. Das bedeutete eine durchwachte Nacht in Zügen und auf Bahnhöfen. Morgens um 3 Uhr trudelten die ersten Mitreisenden am Schalter ein, und ich wurde munterer: müde, aber durchaus sympathische Leute scharten sich um unser Solo&Co-Schild. Das erste Kennenlernen lief an!

Bei unserer Ankunft im Hotel war unsere Truppe einander fremder Reisender schon etwas gruppendynamisch unterwegs, die ersten Verabredungen, das Hotel oder den Strand zu erkunden, wurden getroffen. Unser Küken war 19 und die Oldies über 70. Von klassischen Singles über Geschiedene bis zu Verwitweten war alles vertreten. Bunt! Wie wird das werden?

Meine Hoffnung war, dass Gemeinschaft an sich einfach wohltut und unser Miteinander erholsam und ermutigend ist. Das zeigte sich auch. Wie schön war es zu sehen, dass viele über ihren eigenen Tellerrand hinweg schauten und andere in den Blick nahmen: Da sitzt doch jemand beim Abendessen alleine am Tisch, setze ich mich mal rüber. Wir gehen zum Strand – kommst Du mit?

Im Laufe der zehn Urlaubstage wurde unser Miteinander vertrauter. Auch durch die Impulse unserer Bibelarbeiten und die Gebetsgemeinschaften öffneten wir uns immer mehr voreinander und zeigten nicht nur unser Urlaubslächeln, sondern teilten nach und nach auch unsere Gedanken und Sorgen miteinander. Wie schön ist es, Vertrauen und Offenheit wachsen zu sehen, wo doch die meisten von uns alleine leben und auch ihren Alltag häufig alleine bewältigen müssen.

Ich habe mich zunehmend in der Gruppe entspannt und konnte mein manchmal überzogenes Verantwortungsgefühl einhegen. Ich begann das gemeinsame Lachen und Schwimmen im Mittelmeer zu genießen, konnte Herz-zu-Herz-Gespräche führen, einfach mit den anderen abhängen und chillen oder auch mal alleine die Ruhe genießen. Da viele in unserer Gruppe unglaublich aufmerksam waren, verlor meine Rolle als „Gastgeberin“ die von mir gefühlte Last, und ich konnte mich über das unkomplizierte und fröhliche Miteinander mehr und mehr freuen!

Für manche bedeutete der Urlaub vor allem Erholung und Ermutigung – und das ist gut so. Für andere ist die leise Sehnsucht geweckt worden, auch außerhalb des Urlaubs Gemeinschaft zu haben, den Alltag zu teilen, sich zu öffnen für eine tiefere Verbundenheit mit anderen … Handynummern wurden ausgetauscht und Kontaktblätter ausgefüllt. Manche fanden Menschen, an deren Leben sie auch weiterhin Anteil nehmen wollen oder werden solche nun suchen …

Es fühlt sich so richtig an, der zunehmenden Vereinsamung in der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen und zur Gemeinschaft zu ermutigen. Auch wenn es Kraft kostet, es lohnt auf jeden Fall! Gott sagt: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei! Und genau das haben wir erlebt, als wir miteinander unterwegs waren. Kleine Gesten, aufmunternde Worte, positive Rückmeldungen, das gemeinsame Essen und Lachen, Sorgen teilen, Tipps und Hilfen geben und annehmen,… das alles und noch mehr hat dazu geführt, dass auf jeden Fall ICH, aber doch noch viel mehr Leute aus unserer Gruppe erholt und gestärkt in ihren Alltag zurückgekehrt sind.

„Wohin fliegst Du nächstes Jahr?“, diese Frage kann ich noch nicht beantworten, aber dass ich Urlaubsgemeinschaft suche, weiß ich sehr wohl!