Als Single-Frau in Ostasien | Sabine*

Kategorie: Community


„Wie als bist Du?“ – Diese Frage gehört in dem Kulturkreis, in dem ich gerade lebe*, zum Erstgespräch. Man muss schließlich wissen, ob ich eine ältere oder eine jüngere Schwester bin – bezogen auf den Gesprächspartner. Wenn ich meine rosigen 43 Jahre verrate, kommt meist die nächste Frage nach den Kindern. Meine Antwort löst ehrliche Erschütterung aus: „Was, wie kann man so alt sein und noch nicht verheiratet?!“ Ob mich die Eltern nicht zur „Ehe zwingen“? Hier gibt es dafür sogar einen Begriff. Schließlich gehört heiraten und Kinder, möglichst einen Sohn bekommen zur Verpflichtung jedes Kindes seinen Eltern gegenüber. Mit meiner Botschaft – auch als Single lebe ich erfüllt –  stoße ich meist auf Unverständnis. Frauen meines Alters sind im Allgemeinen familiär und beruflich einge­spannt. Deshalb habe ich noch keine gleichaltrigen Freundinnen, obwohl ich ziemlich extrovertiert bin.

Ich komme aus dem Ländle, dem Großraum Stuttgart, und folge dem Ruf des Herrn. Mein Gastland heißt lediglich Ausländer mit Fach-Expertise willkommen. Seit Mai 2018 bin ich hier im Sprachstudium. In der Zwischenzeit habe ich zwei jüngere einheimische Freunde gefunden und habe auch ein sehr nettes Team vor Ort.

Mir war vor der Ausreise klar, dass ich als Single-Frau mit meinem Stand versöhnt sein muss, weil das Befremden darüber hier so groß ist. Ich bin froh und dankbar, dass mich im Großen und Ganzen die Reaktionen auf mein „ich bin nicht verheiratet“ nicht aus der Bahn werfen. Von Anfang an habe ich Kontakt zu anderen Frauen gesucht und mich dazu einer Gymnastik­gruppe auf einem öffentlichen Platz angeschlossen. Dort bin ich das Küken oder die „kleine Schwester”. Ich genieße die gesunde Mischung aus Bewegung an frischer Luft bei Sonnen­schein und dem einen oder anderen Schnack mit meinen „älteren Schwestern“.

Gerade diese Sportschwestern sind manchmal besorgt darum, dass ich im Alter vereinsame, wenn ich nicht heirate. Wenn sie mir ihre Hilfe anbieten, um einen einheimischen Mann zu finden, dann übersetze ich es für mich so: „Wir mögen dich und möchten, dass Du bei uns bleibst“. Deshalb fasse ich es mittlerweile als Kompliment auf. Auch habe ich gelernt, dass dieses für uns sehr persönliche Thema ein Thema ist, das hier ganz offen mit wildfremden Leuten verhandelt wird. Es gibt mir daher auch immer wieder die Möglichkeit zu verkünden: “Single-Sein ist genauso gut wie verheiratet zu sein.” Oder: “Ich bin kein halbes Ehepaar, sondern eine vollständige, gesunde Frau!”

Mein Bedürfnis nach Nähe und Vertrautheit stille ich mitunter in einer Mini-Frauengruppe. Wir lesen gemeinsam ein Buch und besprechen unsere Anliegen. Wenn Feiertage näher rücken, die ich nicht alleine begehen möchte, lade ich einfach andere Singles ein. Daraus sind Single-Treffs geworden, die dankbaren Anklang finden. Darüber demnächst mehr.

* Das Land können wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Auch der Name der Autorin wurde verändert. Red.