Ein Gespräch übers Beten

Kategorie: Costbar


Das Beten ist für Silkes Leben wesentlich geworden. Patricia sprach mit ihr.

Was bedeutet dir das Beten, Silke?

Ich versuche, meinen Lebensalltag aus dem Gebet heraus zu leben und bei Gott Kraft zu schöpfen und aufzuatmen. Es ist gar nicht so einfach, genau auf das zu hören, was Gott in einer konkreten Situation von mir will.

Zu wem betest du?

Meist wende ich mich an Jesus, denn er ist mir am nächsten. Da fühle ich mich verstanden, er ist mein Gegenüber. Ich genieße die Zeiten seiner Gegenwart. Wenn’s um Erneuerung geht oder um Leitung, bitte ich auch den Heiligen Geist um Unterstützung.

Warum betest du, wenn Gott doch sowieso alles sieht?

Auch wenn Gott alles weiß und gegenwärtig ist, ist die Hinwendung zu ihm mein Vorrecht. Denn Jesus weiß immer mehr als ich selbst in einer Situation erkenne. Und ich habe immer wieder erlebt, dass Gott eingreift. Gerade habe ich mit anderen intensiv für eine Frau gebetet, deren Mutter ganz dringend einen guten Pflegeplatz brauchte. Da hat sich binnen einer Woche etwas ergeben. Gott greift ein. Wenn auch nicht immer oder nicht immer so, wie ich mir das vorstelle. Gott verwandelt mich, wenn ich vor ihm stehe. Und damit ändert sich auch etwas, selbst wenn sich die konkrete Situation nicht immer verändert. Es ist immer gut, den Blick von sich selbst und der jeweiligen Not wegzuwenden, still zu werden und eine neue Perspektive zu gewinnen.

Wie gehst du damit um, dass Gott auch mal nicht auf Gebete reagiert?

Der Herr ist der Souverän, der weiß, was gut ist. Manchmal muss man einfach dranbleiben, auch wenn’s lange dauert. Und darauf vertrauen, dass das Gebet mich verwandelt, auch wenn sich die Situation nicht ändert. Das kann man oft nicht gleich spüren, aber es lohnt sich immer, sich seiner liebenden Gegenwart auszusetzen.

Manchmal bin auch ich entmutigt, das gibt’s auch. Dann denke ich auch: Jetzt bist du die tolle Gebetsmail-Schreiberin und wann hast du jetzt das letzte Mal konkret gebetet? Es gibt auch Zeiten, in denen mich Gott wieder zu sich zurückholen muss, wo ich es selbst nicht schaffe. Auch ich hab nix in der Hand, Bilder und Eindrücke von Gott sind nicht verfügbar. Gottes Hineinreden in mein Leben ist ein Geschenk. Wenn mein Alltag zu voll ist, dann fällt’s mir schwer, auf Gott zu hören.

Und wie hältst du dann dagegen?

Es ist gut, hin und wieder eine neue Form auszuprobieren, die mich zum Beten motiviert und empfänglich macht. In diesem Jahr habe ich abends das Neue Testament Abschnitt für Abschnitt abgeschrieben und versucht, in diesem Text zu beten, zu lernen, Gott zu preisen, auf Hinweise zu einem persönlichen Anliegen zu achten. Das hab ich ausprobiert. Und obwohl mir das Beten am Herzen liegt, bleibe ich auch nicht immer dran. Da ist es gut, wenn andere mitbeten und einen auch mal wieder hineinziehen. Ich muss auch immer wieder drum kämpfen, das gehört einfach dazu.

Jeden Tag fünf Minuten Stille vor Gott, das ist, was ich jedem wünsche. Es hat bei mir auch mit kleinen Schritten angefangen. Und mit der Zeit hatte ich so viel Lust daran, dass die Zeiten immer länger geworden sind. Ich bin der festen Überzeugung, dass Gebet etwas verwandelt. Als erstes verwandelt es mein Herz. Verwandelte Herzen können auch Situationen verwandeln.

Wer noch Unterstützung bei der Einübung ins Gebet sucht: Johannes Hartl, Leider des Gebetshauses in Augsburg, hat zwei Bücher übers Beten geschrieben, die Silke beide sehr empfiehlt: In meinem Herzen Feuer. Meine aufregende Reise ins Gebet. Das zweite heißt: Einfach Gebet. Da gibt er auch konkrete Impulse, um Gebetszeiten zu gestalten.