In jedem steckt ein Held | Patricia

Kategorie: Community


Diese Karte fanden die Mitglieder des Leitungsteams und die, die beruflich für Solo&Co arbeiten, in Kirchheim an ihrem Platz vor. In diesem Bild des Anfangs ist alles eingefangen, was diese Tage ausmachte: strahlendes Blühen trotz gelegentlich schwieriger Rahmenbedingungen, heldenhafter Einsatz und – Bewahrung.

Astrid Eichler fuhr trotz kurzfristig notwendig gewordener Fuß-OP und starker Gehbehinderung nach Kirchheim. Ulrike Odefey besorgte einen Rollstuhl und erneuerte jeden Abend den Verband. In der ersten Nacht setzte sich im Traum das satanische Dräuen fort, das schon die letzten Vorbereitungstage überschattet hatte. Am nächsten Morgen bat Astrid die Teamer, die kommenden Tage geistlich achtsam zu bleiben: Unsere Vollmacht ist im Namen des Herrn. Ulrike hatte in der Andacht an den Satansengel im 2. Korinther 12 erinnert: Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet.“

Große Aufregung

Die Druckerei hatte die rechtzeitig erstellten Teilnehmerhefte nicht rechtzeitig geliefert. Die mehr als 200 Teilnehmenden mussten jedenfalls die erste Zeit – ganz old school  – mit Infos an Stellwänden vorliebnehmen. Wer ein Bett im Ferienhaus gebucht hatte, stellte fest, dass es zu jedem Haus vier, sechs oder acht Bewohner gab, aber  nur ein oder zwei Schlüssel. Was bei Familien kein Problem ist, strapaziert die Geduld von Singles. Mancher musste sich bei Dunkelheit auf einen längeren Weg in sein Quartier machen als ihm recht war. Die Orga-Verantwortliche Diana hetzte hierhin und dahin, improvisierte hier und begütigte dort, gab geduldig Auskunft und wies die Richtung in die verstreuten Tagungsräume. Die Organisation des Netzwerktreffens war ihre persönliche Heldenreise, für die sie in Zukunft ganz gewiss mehr Unterstützung braucht, wie Astrid am Ende anmerkte.

Dem Netzwerktreffen ging ein Treffen des Trägerkreises voraus. Beim festlichen Eröffnungs-Abend am Tag der deutschen Einheit erinnerte Astrid zunächst an die historische Heldentat der Wieder­vereinigung. Und warb dafür, 2019 zur 30-Jahr-Feier auf allen Plätzen der Republik singend des Ereignisses zu gedenken.

Dann zeichnete sie Entwicklungsstufen und notwendig gewordene Veränderungen in der Organisations­struktur des Netzwerks nach –  in der Rubrik ‚Compass‘ hat sie das ausgeführt – und nahm sich das dienende Führen zum Vorbild. Der Trägerkreis wandelt sich künftig in ein Forum der Regionen. Was das konkret bedeutet, wollen wir in einem der nächsten Newsletter behandeln. Auch auf die Finanz­lage ging sie kurz ein, davon weiter unten mehr. Die anschließende Erzählung einiger ON-TOUR-Erlebnisse geriet launig: „Bei den Schwaben haben wir die größte Gnade erlebt.“ Auch da hatte es in der Vorbereitung schwer gehakt. Aber: ER macht es am Ende gut. Also wird die Tour auch 2019 weitergeführt, Erfurt, Konstanz und Leverkusen stehen schon fest, andere Städte sind noch in der Pipeline. Mehr Infos

Am nächsten Morgen fanden sich mehr als ein Dutzend Teilnehmende im Frühnebel zum „bewegten Gebet“ ein. Andrea Schieweck von  srs – Im Sport. Für Menschen. Mit Gott. – leitete das tempera­ment­­­voll an. Vor dem Frühstück verlangte das manchem, auch der Berichterstatterin,  mehr ab als die Kondition eigentlich zuließ.

Die Nischen am Nachmittag zeigten, welche ungeahnte Kraft und Kompetenz in manchen steckt. Andreas Hoffmann, der IT-Admin des Netzwerks, gab sich als Pilgerbegleiter zu erkennen und lud zu einer kleinen Pilgerwanderung ein. Heike Kruse machte mit dem Unterschied von Selbst- und Fremd­wahrnehmung vertraut. Frauke begab sich in ihrer Nische „unter die Gürtellinie“ und fragte, wie man als Single in einer sexualisierten Gesellschaft überleben kann. Auch große ernste Themen kamen aufs Tapet: Wenn Eltern älter werden und sterben und Heimat verloren geht – wie kann ein Single damit fertig werden? Viele Fragen, offener Austausch und auch Ratlosigkeit am Ende.

Für die Messe, bei der sich traditionell Regionen, Initiativen und Projekte präsentieren, hatten sich einige Solo&Co-Regionen viel einfallen lassen: Die Hessen tischten Ahle Worscht mit Äppelwoi auf, die Südbayern zeigten Tracht, Thomas stand mit Paddel am Van, die Sachsen lockten mit Quiz-Gewinn, die Schweizer mit Schoggi an ihren Stand. Das Gemeinschaftshaus Moosrain, die Lebensräume Visselhövede und die Offensive Junger Christen zeigten, dass und wie die Vision von gemeinschaftlichem Leben gelingen kann.

Dimensionen der Liebe

Am Samstag entfalteten Monika Junker und Horst Elsner die Dimensionen von „Liebe“, ausgehend von Mt 22, 37-39. Lässt sich Liebe anordnen? Gott rüstet uns aus für die Selbst- wie die Nächsten­liebe. Der Impuls mündet ein in Monikas Anregung: Frage dich, wer ist MIR Nächster? Und WEM kann ich Nächster werden?

Und wozu Gemeinschaft? Mark Hinrichs erzählte von seiner Mühe, den Alltags-Schlendrian im Zaum zu halten. Fulbert Steffensky hat das mal so gefasst: „Wenn ich allein bin, vernachlässige ich die Rituale, die den Tag gliedern. Ich esse, wann ich Lust habe. Ich gehe zu Bett und stehe auf, wann ich Lust habe.“ Wir brauchen andere, die uns von uns selbst befreien, sagt Mark. „Erst die Anwesenheit der anderen gibt meinem Leben Kontur, Struktur und Sinn.“ Deshalb sucht Mark Gemeinschaft mit anderen.

Frauke Bielefeldt schlug in ihrem Impuls den Bogen hin zum Netzwerk: Sie sucht und erlebt dort Orte für Lagerfeuer, an denen Licht, Wärme und Verbundenheit entstehen. Und verschweigt auch nicht, dass die ersehnte Verbundenheit auch davon abhängt, ob man Konflikte aushält und anspricht, sich ins Herz schauen lässt, eine Balance von Geben und Nehmen hält, Bereitschaft zur Anpassung aufbringt. In diesem Wechselspiel habe jeder was zu geben, selbst der Bettlägerige.

Was braucht es, um auf diesem Weg weiterzukommen? Römer 12,1-2 gibt die Anleitung, dies Wort ist zum Kern unseres Netzwerkes geworden: Lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene! (Einheitsübersetzung) Ulrike Odefey lud ein, der Mensch zu werden, den Gott sich gedacht hat als er uns schuf. Und das Stadium zwischen Raupe und Schmetterling auszuhalten, auch wenn’s mühsam ist und Schmerz bedeutet. Marion Warringtons Lied „Ich verändere dich“ ermutigte dazu.

Horst Elsner, Pastor der EFG Siegen-Weidenau, selbst verwitweter Single, stellt aus eigener schmerzhafter Erfahrung und seelsorgerlicher Kompetenz in einem Seminar eine Überlebens-Strategie in schwieriger Lebenssituation vor. Auf seine sechs Schritte gehen wir mal gesondert ein. In der Austausch-Runde verabredete sich spontan eine Reihe von Verwitweten für eine zusätzliche Nische. Sie haben einfach andere Erfahrungen und Bedürfnisse als klassische Singles.

Bühnen-Helden

Können und Mut zum öffentlichen Auftritt zeigten sich bei Tanz und Improvisation, im Spontan­orchester und auf der Musikbühne. Helden der Musik waren einerseits Albert Frey & Band mit einem mitreißenden Lobpreis-Konzert und auf andere Weise Irene Sperr, die unüberhörbar bayerische Lobpreisleiterin, Volksmusik-Narrische, Steirische-Verfallene und kabarettistisch begabte Musikerin. Welche Gaben! Welch ein Herz! Übrigens auch bei Monika Junker und Claudia Heise, die die Tages-Infos auf der Bühne kurzweilig anmoderierten.

Beim Abschlussgottesdienst verkündigte Astrid das Reich Gottes. Hier zum Nachhören. Und alle fanden sich zum gemeinsamen Abendmahl im ganz großen Kreis zusammen. Da wurde große Verbundenheit sichtbar und spürbar. Zum Abschluss segneten Horst Elsner und das Ehepaar Widmer-Huber Leitungsteam und Vorstand für die neuen Aufgaben.

Nie war ein Netzwerktreffen vielfältiger, bunter, inspirierender. Ein Geist – viele Gaben trotz mancher Widerstände. Gut, dass wir einander haben, möchte ich noch immer singen.