Die beiden Neuen | Patricia

Kategorie: Community


Bei der Mitgliederversammlung des Trägervereins EmwAg e.V., die dem Netzwerktreffen vorausging, wurde Thomas Müller, 43, aus Schwarzheide zum Beisitzer im Vereins­vorstand gewählt. Er und Monika Junker, 47,  aus Bielefeld sind zudem ins Leitungsteam berufen worden. Patricia sprach in Kirchheim mit den beiden.

Monika war 2010 durch einen Büchertisch im Dünenhof auf Astrid Eichlers Buch „Es muss was Anderes geben“ auf das Netzwerk aufmerksam geworden und blieb dran. Auch Thomas las vor zehn Jahren erstmals von EmwAg, in „Aufatmen“ und Newsletter. Längere Zeit beobach­­tete er die Entwicklung nur, weil er dachte, dass „da nur ältere Frauen sind und weder Männer noch jüngere Leute“. Erst 2013 bei der ersten U40-Tagung in Bad Blanken­burg fand er heraus, dass es eine Reihe alleinstehender Leute unter 40 im Netzwerk gibt. Seitdem ist er langsam „hineinge­wach­sen“.

Was elektrisiert oder bindet euch an Solo&Co?

Monika: Gemeinde ist, finde ich, nicht wirklich reif für Singles. Sie tickt nach klassischem Modell, noch konservativer als die Gesellschaft insgesamt. Ich fühle mich in Gemeinde mit meinem Beziehungsstatus nicht wirklich verstanden und auch nicht unbedingt aufgehoben. Ich bin im Christlichen Zentrum Bielefeld, einer Freikirche, die vor 40 Jahren aus einer Pfingstgemeinde entstanden ist. Dort wie in anderen christlichen Gemeinden kreist vieles um Familie. Da hört man immer wieder: Ach, der oder die hat – noch – niemanden gefunden. Der ist doch so jung und attraktiv, warum der wohl keine Freundin hat? Deshalb finde ich Gemeinde nicht wirklich offen für alternative Gemeinschaftsformen. Jesus latschte doch mit ganz vielen Singles rum. Darum fühle ich mich im Netzwerk total wohl. Ich find’s klasse, mit anderen Singles über diese besondere Lebensform zu reden. Und find’s super, Anregungen dafür zu bekommen, wie gemeinschaftliches Leben außerhalb von Kloster und Kleinfamilie funktionieren kann. Ich bin da auf der Suche.

Thomas: Ich bin in der Landeskirche zuhause und auch im Kirchen­vorstand einer Gemeinde aktiv. Allerdings gibt es dort kaum junge Leute, als Single bin ich dort der einzige, der regelmäßig zu sehen ist. Ich genieße bei Solo&Co die Gemeinschaft mit Leuten, die einen anderen Glaubenshintergrund als ich haben. Ich bin in der Freizeit und im Urlaub gern unter Leuten, mag Beziehungen ausbauen und auch neue Leute bei Freizeiten oder Wochenenden kennenlernen. Deshalb organisiere ich seit vier Jahren Paddel-Wochenenden, war zweimal auf dem ökumenischen Pilgerweg mit anderen Singles unterwegs. Gemeinschaft haben, zusam­men etwas unternehmen, unterwegs zu sein in einer Gruppe, das macht mir Spaß.

Ihr habt jetzt Gestaltungsmöglichkeit im Netzwerk, welchen Akzent wollt ihr da setzen?

Monika: Ich hab nicht so die eine Begabung, ich bin da breiter aufgestellt. Ich weiß noch nicht so genau, wo ich im Leitungsteam gebraucht werde und wo da mein Platz ist.

Thomas: Meine Begabung liegt eher in praktischen Fragen. Ich kann bei der Organisation von Veranstaltungen die eine oder andere Idee geben. Und ich kann aus meiner Erfahrung heraus auch Sachen durchführen. Ich möchte Singles Mut machen, weil ich erkannt habe, wie wertvoll dieses Netzwerk ist. Gerade für Leute, die sonst rechts und links niemanden haben und auch nichts anderes kennen. Ich möchte das Netzwerk gern bekannter machen und andere dafür gewinnen, mitzumachen, vielleicht auch mitzuarbeiten.

Wenn Du gern outdoor mit Menschen unterwegs bist, ist die Spiritualität in der Natur dein Ding?

Thomas: Ich bin da noch auf dem Weg. In den letzten fünf Jahren ist da ganz viel geworden, aber das ist noch deutlich ausbaufähig. Ich würde gern mehr Männer ins Netzwerk ziehen und herausfinden, was diese wollen, was für sie interessant ist, damit es mehr Angebote für Männer gibt. Aber ich selbst fühle mich wohler, wenn auch Frauen bei Veranstaltungen dabei sind.

Was hat sich für dich in deinem Singlesein verändert, seit du mit Solo&Co unterwegs bist?

Thomas: Früher hab ich mich mehr oder weniger selbst bedauert, hab mich gefragt, wieso, weshalb, warum. Was will Gott mir damit sagen? Durch Solo&Co hab ich gelernt, wie man Singlesein auch leben kann. Dass man Gemeinschaft haben kann, auch ohne eine Ehefrau. Ich lebe lockere Beziehun­gen, die sich teilweise auch über hunderte von Kilometern und schon Jahre lang halten, ohne dass man sich ständig sehen muss. Es gibt eine innere Verbindung auch über die Entfernung hinweg. Sowas hätte ich mir vorher nie vorstellen können. Und ich hätte auch nicht gewusst, wie ich solche Leute kennenlernen könnte. Durch die neue Homepage ist sowas mehr denn je möglich.

Monika: Mir ist das Netzwerk an sich wichtig geworden. Netzwerk ist eher ein bisschen ein loserer Kontakt. Es gefällt mir, Leute an unterschiedlichen Orten zu kennen und mich mit ihnen verbunden zu fühlen – über Messenger, über Mail, über Anrufe …Das bedeutet mir viel. Je älter ich werde, wird es mir wichtiger, nicht nur lose Kontakte zu haben. Ich suche deshalb über das Netzwerk auch konkret Formen und Menschen, mit denen ich mein Leben verbindlicher teilen kann. Vor Ort oder andernorts. Wir haben im Netzwerk ja auch Leute, die 500 km umgezogen sind und ihren Lebensmittelpunkt verlagert haben, um der Gemeinschaft willen. Da bin ich noch auf der Suche und hoffe, das über Solo&Co auch zu finden.

Immer wieder hört man, die bei Solo&Co, die haben mit dem Thema Partnerschaft und Ehe abgeschlossen. Wie ist das bei euch?

Monika: Überhaupt nicht.

Thomas: Haben da nicht letztens welche geheiratet, kann das sein? [Lacht.] Man kann einen Partner haben. Und das CO im Namen steht ja auch in gewisser Weise dafür. Wenn die Frau noch kommt, die Gott für mich vorgesehen hat, würde ich auch noch heiraten.

Monika: Ich find’s total entspannend, dass Solo&Co nicht verkuppeln will. In meinem privaten Umfeld erlebe ich das immer wieder. Hier liegt der Schwerpunkt auf gemeinschaftlichem Leben in unterschiedlichen Formen. Das ist schon mal total super. Und dann finde ich es auch schön, wenn sich Leute finden. Ich gucke schon auch mal nach rechts und nach links, aber ich suche nicht aktiv Partner­schaft oder Ehe. Hier wird Gemeinschaft in einem viel weiteren Horizont gelebt.

Eröffnet das Alleinleben andere Begegnungschancen mit Gott?

Monika: Gott spielt bei mir als Single eine andere Rolle, weil ich zuhause nicht den Austauschpartner habe. Wenn ich mit einem Problem nach Hause komme, ist da erstmal niemand, der mir zuhört. Das wirft mich anders auf Gott zurück. ER ist da, und sonst erstmal niemand.

Thomas: Für das Zwiegespräch mit Gott ist mehr Zeit da. Man wendet sich öfter an ihn, als wenn man jemand anderes fragen könnte. Es wäre dennoch schön, wenn man sich mit jemandem austauschen könnte, wenn man Fragen hat, Antworten sucht.

Monika: Andererseits ist der Aufwand, um Gemeinschaft zu organisieren, viel größer als innerhalb einer Familie. Ich muss aktiv werden, ich muss mich auf den Weg machen. Dass ich mit dem Rad irgendwohin fahre … Die natürliche Gemeinschaft in Partnerschaft, Ehe und Familie habe ich nicht. Also geht mehr Zeit dafür drauf, mir sowas zu ‚organisieren‘.

Danke euch beiden für das Gespräch!

Bild: © Thomas Wiedemuth