Meine Sonntagsbegrüßung | Sabine

Kategorie: Compass


Wer schon auf einem Solo&Co-Wochenende war, kennt sie bereits: die  Sonntagsbegrüßung. Manche sagen auch: Herrentagsfeier. Ich hatte diese Liturgie 1992 in Leipzig beim CVJM kennen gelernt. Aber die Tradition ist viel älter. Für die Juden beginnt der Sabbat ja bereits am Freitagabend, so wie jeder Tag am Abend beginnt: Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag (1. Mose 1,5). Deshalb läuten die Glocken am Samstagnachmittag oder -abend „den Sonntag ein“. Daran anknüpfend ist die Feier der Sonntagsbegrüßung entstanden. Die Jesus-Bruderschaft Gnadenthal und andere evangelische Kommunitäten haben daran ihren Anteil.

Mich hat die Sonntagsbegrüßung  sporadisch begleitet. Seit 2011 habe ich in Bonn eine Wohnung mit einem großen Wohnzimmer. Damit wuchs in mir die Idee, dass ich bei mir zu Hause regelmäßig mit Freunden den Sonntag begrüßen möchte. Ende 2013 habe ich losgelegt. Wir haben die Liturgie an einer großen Tafel gefeiert. Das gehört für mich zur Herrentagsfeier dazu, dass eine schöne, ansprechende und festliche Atmosphäre herrscht. 

Ich halte mich an die Liturgie der Offensive Junger Christen (OJC) und lade zu 17.45 Uhr ein – Singles und Paare. Wir setzen uns um den gedeckten Tisch. Auf den Tellern liegt die ausgedruckte Liturgie für den Abend. Wir sprechen abwechselnd und gemeinsam den Text und singen Lieder. Die Gäste kommen aus unterschiedlichen Gemeinderichtungen und ab und zu ist auch mal jemand dabei, der mit Glauben nichts oder nur wenig am Hut hat. Dann merke ich gelegentlich, dass der Anfang vom Johannesprolog etwas befremden kann: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Er war am Anfang bei Gott ... Es ist schon ein Geheimnis, das wir da feiern, aber wie klein wäre unser Gott, wenn wir alles erklären könnten. Wir lassen die Belange der vergangenen Woche beiseite und legen sie bewusst in Gottes Hand. Er ist derjenige, der sich um all das kümmert, was unfertig ist und worauf wir keinen Einfluss haben.

Wir sprechen einander den Frieden Gottes zu. Da wir in der Regel eine Gruppe von acht bis zwölf Leuten sind, nehmen wir uns die Zeit, dass jeder jedem den Friedensgruß sagen kann. Wir teilen den Traubensaft miteinander und jeder erzählt, wo er und sie in der vergangenen Woche die Segnung Gottes erlebt hat. Dann brechen wir einander das Brot und reichen es uns gegenseitig weiter. 

Wir lesen jedes Mal die gleichen Texte. Ich bin erstaunt, wie unterschiedlich und an welchen Stellen mich diese Texte immer wieder ansprechen. Worte, über die ich schon hinweggelesen habe, werden plötzlich zur Kraftquelle und zur neuen Erkenntnis für mich. Gerade beim letzten Mal ging es nicht nur mir, sondern auch anderen so, so dass wir anschließend über unsere Eindrücke geredet haben. 

Nach der Liturgie essen wir gemeinsam zu Abend. Ich bereite in der Regel eine Suppe zu und andere bringen Brot, Nachtisch und Getränke mit. Es ist auch möglich, dass jeder etwas mitbringt und man dann gemeinsam teilt.  Diese Zeit des gemeinsamen Abendessens ist mir sehr wichtig. Ich möchte Gemeinschaft erleben – ohne auf eine Gegeneinladung zu warten. Meine Wohnung steht allen offen, und wir teilen gemeinsam Zeit und Essen. Mittlerweile ist der Verteiler auf über 30 Gäste angewachsen, von denen immer gut ein Drittel kommt. Die Tür ist offen auch für Neue und Freunde von Freunden.  

Über die Jahre haben sich auch Essenstraditionen ergeben: So gibt es im Januar immer Döppekoochen, ein rheinisches Nationalgericht, das hauptsächlich aus geriebenen Kartoffeln, Mettwürstchen und Speck besteht. Im Herbst koche ich Kürbissuppe und im Sommer wird gegrillt.

Nach dem Essen schrottwichteln oder spielen wir, aber meistens sitzen wir einfach zusammen und erzählen. Dabei begegnen sich Baptisten, CVJMer, Landeskirchler, Protestanten und Katholiken. Eine bunte Runde, aus der viele bereichert und gestärkt wieder nach Hause gehen. Das ist für mich eine gesegnete Zeit. Da Gott mich mit der Gabe zur Gastfreundschaft beschenkt hat und ich gelernte Hauswirtschafterin bin, strengt mich die Vorbereitung nicht an. Hinterher aufräumen und die Spülmaschine einräumen können auch meine Gäste. Manche von ihnen fühlen sich so zu Hause, dass ich nicht aufspringen muss, wenn etwas fehlt, sondern die anderen denken mit und sorgen für sich.

Es ist existenziell gerade für uns Singles, uns immer wieder bewusst auf Gemeinschaft einzulassen und den Kontakt zu anderen zu suchen und Leben zu teilen. Gott ist schon genial, dass er uns Menschen auf den anderen hin geschaffen hat und wir erst am DU zum ICH werden. Also herzliche Einladung, mit einzusteigen in die Gemeinschaft auf Zeit.