Eros und Agape | Horst

Kategorie: Compass


Der Valentinstag rückt näher, die Liebes-Herzchen haben Hochkonjunktur. Müssen wir Singles da leer ausgehen? Eigentlich nicht, wenn jede und jeder seinem oder ihrem Lebensmenschen zeigt: schön, dass es dich gibt! Eigentlich nicht, wenn wir die Liebe in uns groß werden lassen, in die ER uns ein­hüllt. Nicht nur am 14. Februar, dem Tag der Liebe, und auch nicht nur am 15. Februar, wenn der ewige Kalender den Tag der Singles vermerkt. Horst Elsner, Pastor aus dem Siegerland, hat beim Solo&Co-Netzwerktreffen im Herbst zwei Erscheinungsweisen von Liebe einander gegenübergestellt: Eros und Agape. Lest selbst:

Eros

Die griechische Sprache hat mehrere Worte für unser Wort Liebe. Das uns bekannteste ist das Wort Eros. Das meint aber keineswegs nur die erotische oder geschlechtliche Liebe. Eros ist ganz allgemein der Wunsch, etwas zu haben, was man nicht hat. Das kann sich durchaus auch auf materielle Dinge beziehen (Besitztümer, rassige Pferde) oder auf geistige Ziele (Erkenntnis, Bildung, Wissen). Eros meint also die Liebe zum Partner, zum Besitz, zum Schönen in Kunst und Literatur, zum Vaterland, zum Freund, zur Mutter.

Eros hat drei Kennzeichen: Das Wesentliche am Eros ist, dass er immer auf einen bestimmten Wert gerichtet ist. "... man liebt etwas, weil es Wert hat, weil es wert ist, geliebt zu werden. Eros ist die Liebe, die im Geliebten ihren Grund hat", so Emil Brunner. Es geht beim Eros darum, dass ich etwas für mich Wertvolles finde und es haben möchte. Eros zielt also auf Aneignung hin, das ist ja nicht nur  negativ. Wenn ich das dann habe, was ich mir ersehne, dann bringt mich das weiter, dann wertet es mich auf. Ich werde klüger, reicher usw.

So lieben wir Menschen. Und das ist ja keinesfalls nur schlecht. Das Problem: Der Eros stirbt, wenn der Andere nicht mehr liebenswert ist. Oder gar anstrengend wird. Weil es die menschliche Art zu lieben ist, ist es das falsche Vorbild für Gottes Liebe. Und wenn wir unser Bild von dieser Eros-Liebe in Gott hineindenken, bekommen wir Probleme.

Agape

Das zweite wichtige Wort für Liebe ist im Griechischen das Wort Agape. Es kennzeichnet im Neuen Testament die Liebe, die Gott zu uns hat. Und es ist in seiner Bedeutung dem Eros genau entgegen­gesetzt.

Die Agape ist nicht darin begründet, dass das Geliebte einen Wert hat. Die Agape ist nicht in der  Liebens­würdigkeit des Geliebten begründet, sondern im Liebenden. Sie ist deshalb unabhängig davon, ob der Geliebte wirklich liebenswert ist. Agape kann deshalb auch dem gelten, der gar nicht liebens­wert ist. Die Agape möchte sich auch nicht etwas aneignen, sondern sie gibt. Die Agape möchte sich auch nicht durch diese Aneignung selbst weiterbringen und damit wertvoller werden. Ganz im Gegenteil: Sie will dem Geliebten Wert verleihen, ihn aufwerten. Es ist eine selbstvergessene Liebe.

Praktische Konsequenzen

Das heißt, dass Gott uns nicht deshalb liebt, weil wir liebenswert wären. Es ist ja das Problem vieler Christen, dass sie insgeheim davon überzeugt sind, dass sie vor Gott gar nicht liebens­wert sein können  und er sie deshalb wohl auch nicht wirklich lieben würde. Es kann wie eine große Befreiung wirken, wenn ich weiß: Ich brauche mich selbst vor Gott nicht angenehm zu machen. Alle Angst und Unsicher­heit, ob er mich auch jetzt nach diesem Fehler oder wegen meiner Fehlerhaftigkeit noch lieben könne, ist so zu Ende. „Gott ist Liebe“, heißt es im 1.Joh. 4,8.

Das heißt auch, dass Gott sich uns nicht aneignen möchte. Er möchte gern, dass wir ihm unser Leben geben, aber er will es sich nicht nehmen. Seine Liebe heißt nicht „nehmen“, sondern „geben“. Er gibt seinen Sohn. Manche Christen leben in der Sorge, dass Gott ihnen ihr Leben nehmen will.

Das heißt auch, dass Gott sich nicht selbst dadurch aufwerten will, indem er möglichst viele Menschen an sich bindet. Sondern er wertet uns auf, indem er uns liebt. Die Agape ist nicht wertaneignend, son­dern sie gibt dem Geliebten durch diese Liebe einen neuen Wert. Gott macht uns wertvoll, weil er uns liebt. Manche Christen fühlen sich wertlos oder minderwertig. Sie denken, dass sie nichts seien oder nichts können und dass sie so – auch vor  Gott – nichts wert seien. Ganz im Gegenteil: Weil er uns liebt, macht er uns wertvoll.

Ausführlicher kann man das finden bei Emil Brunner: Die christliche Lehre von Gott (Dogmatik I), S. 186 ff. Zürich 1972.

Am Valentinstag steht der oder die Alleinlebende nicht mit leeren Händen da. Irgendwie tröstlich oder?