Die Berlin-Brandenburger unterwegs | Jutta Rambotzki

Eigentlich treffen sich die Berlin-Brandenburger dreimal im Jahr in Gemeinde-Räumen. Wegen Corona wurde daraus ein Ausflug ...

Wozu in Räumen sitzen und alles umräumen, um Corona zu dienen, wenn die Natur so viel schöner und inspirierender ist – gedacht, abgesprochen und spontan umgesetzt …

Bei bedecktem, grauem Himmel trafen wir uns zu zehnt am späten Vormittag an der Friedenskirche am Park Sanssouci. Karen stimmte uns mit einer Lesung aus Hans Flierl: Unterwegs und doch geborgen ein:

Leben bedeutet – unterwegs sein:
Jeder Schritt verändert meinen Standort.
In jedem Augenblick nehme ich neue Bilder auf.
Mit jedem Atemzug vergeht ein Teil meiner Zeit.

Auch wenn ich auf der Stelle trete, geht die Zeit weiter
und die Bilder verändern sich.
Weil mich so vieles bewegt, entgeht mir soviel.
Was auf mich einstürmt, über mich kommt und seine
Spuren hinterlässt -
es treibt mich weiter und wirft mich
zugleich zurück.

Die Vielfalt der Bilder verwirrt mich -  wie das Tempo,
in dem sie wechseln.
Dies alles macht mich unsicher auf meinem Weg.

In allem suche ich einen Zusammenhang, der meinem Weg
einen Sinn gibt, und ein Ziel, das mich erwartet.
Das Haus, in dem ich sicher war und geborgen, liegt hinter mir.

Ich bin unterwegs.

Doch was ist mein Ziel, wo liegt es, welcher Weg führt zu IHM?

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf spazierten wir durch den Park, 300 Hektar groß und auf den alten Fritz zurückgehend: Durch den Marlygarten, der einst als Küchengarten diente und heute reich bestückt ist mit blühendem Strauchwerk, Blumenbeeten und Statuen, vorbei an den Weinbergterrassen, den Neuen Kammern, dem Sizilianischen Garten mit den südländischen Gewächsen. Jeweils zu zweit und angeregt plaudernd, lustwandelten wir auf teils verschlungenen Wegen und pausierten im Halbrund an den Orangerie-Terrassen. In großer Vesper-Runde entwickelten sich lebhafte Gespräche.

Auf dem Rückweg kamen wir an den römischen Bädern vorbei und landeten in einem sehr schönen Rosengarten. Dort überraschte uns Katalina mit Postkarten von einem, mit ihr befreundeten Maler. Die drei Motive waren in der Corona-Anfangszeit entstanden. Verse aus Psalm 34 und die Bild-Motive inspirierten uns zu Gesprächen in Kleingruppen.

Hinter der Meierei entdeckten wir schließlich das Café Eden. Auch wenn das kaum mehr als eine Holzbude mit ein paar Bierbänken, Liegestühlen und einer Handvoll Tische auf der Wiese ist, bezaubert es durch seine Ursprünglichkeit und schöpferische Ausstrahlung mitten in der verwilderten Natur. Dort beendeten wir mit einer Kaffee-Runde unseren herrlichen Regionaltag. Schade und wunderbar zugleich – das sollten wir öfter machen.

Eine hübsche Idee und eine sehr reizvolle Umgebung sorgten für einen wunderschönen Gemeinschaftstag. Letztlich sind wir sind doch alle ein wohlduftender Rosenstock in Gottes wundervollem Garten.