Solo aber nicht allein | 9

Sabine vom Quellhaus nimmt uns mit hinein in ihre Spannungen, Abwägungen und Entscheidungen. #soloabernichtallein

„Coronazeit – Einsamkeit“ – so könnte man reimen. Es ist für Singles eine besondere Herausforderung. Wir nehmen an vielen Stellen – und vermutlich auch in uns selbst – die Spannung wahr, in die wir durch die Situation, staatliche Verordnungen und persönliche Anforderungen gestellt sind. Da gibt es keine einfachen Lösungen … Sabine Plaschke erzählt von ihren Überlegungen.

Zugegeben, ich gehöre zu den Menschen, die sich nicht gern etwas vorschreiben lassen. Schon als Kind brauchte ich für eine Ansage eine Begründung, und tat mich schwer, mich damit zu arrangieren, wenn diese für mich nicht plausibel war. Dementsprechend war meine erste innere Reaktion am Wochenende 13.-15.03.: „Die spinnen doch, die ‚da oben‘, mir vorschreiben zu wollen, was ich tun und was ich lassen soll, wir sind doch nicht im Krieg.“

Im Krieg nicht, aber in Corona Zeiten, und auch da ist vieles anders. Ich musste mich damit auseinandersetzen, was es mit diesem Virus auf sich hat, dass wir mit unserem Verhalten tatsächlich den Verlauf, die Ausbreitung beeinflussen, und so allmählich konnte ich mich arrangieren mit den Beschränkungen, auch wenn es mir nicht mit allen gut geht.

Ich halte mich an die Abstandsregeln, bündele meinen Einkauf, suche mir Spazierwege, die nicht so begangen sind – was an meinem Wohnort nicht so schwer ist – trage natürlich einen Mund-Nasen-Schutz, wo das vorgeschrieben ist, habe meine Kontakte mehr auf digital umgestellt, privat wie beruflich. Und doch lasse ich mich nicht davon abhalten, immer mal wieder vorwiegend einzeln, Menschen zu treffen und sie einzuladen.

Ich wohne zurzeit mit einer weiteren Person in unserem Haus. Darüber hinaus sind Kathrin und ich eine Lebensgemeinschaft, auch wenn wir in getrennten Wohnungen leben. Wir haben bis zu drei andere Singlefrauen eingeladen zu gemeinsamem Gebet, Sonntagsbegrüßung und Abendessen. Die Diele im Quellhaus bietet so viel Platz, dass wir dort großzügigen Abstand halten können, auch wenn wir zu fünft dort sind.

Für unsere Gäste, alles Singles, waren das wichtige „Tankstellen“. Denn physische Kontakte sind eben doch nochmal anders als Video- und Audiokontakte.

Ich will hier ausdrücklich nicht zur Rebellion einladen, aber dazu, gut für sich zu sorgen und auszuloten, wie hoch Ansteckungsgefahren tatsächlich sind, und wem ich durch mein Verhalten schaden kann oder eben auch nicht. Denn darum geht es ja vor allem, dass die geschützt werden, die Schutz brauchen.

Eine Freundin von mir, die im pflegerischen Bereich arbeitet bei schwerst-mehrfach Behinderten hat zurzeit so gut wie alle privaten Kontakte eingestellt. Und das finde ich anerkennenswert. Eine Infektion bei ihren Patienten hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit einen tödlichen Verlauf. In meinem Umfeld gibt es diese Risikogruppe nicht.

Ich wünsche mir sehr, dass wir nicht alles über einen Kamm scheren, sondern jede/r für sich in Verantwortung für seine Mitmenschen und sich selbst abwägt und die Wege geht, die sich daraus ergeben und zum Guten beitragen.

Gerade in den Zeiten mit zunehmenden Lockerungen, wenn uns nicht mehr alles „von oben“ vorgeschrieben wird, kommt es darauf an, dass wir selbst verantwortlich mit der Situation umgehen und dabei vor allem die anderen im Blick haben.

Lasst uns weise sein, angstfrei, und einander zum Segen werden, gerade auch als Singles.