Solo aber nicht allein | 1

Hier schlagen wir nun unser Corona Survival Camp auf, um Ermutigung, Ideen, Hilfen, Begebenheiten zu teilen. Ursula beginnt ... #soloabernichtallein

Ursula aus Chemnitz hat uns ihren Rundbrief geschickt, den sie nun Cur(l)few News nennt ...

Liebe Freunde,

hallo aus Chemnitz in Sachsen, wo – wie überall in Deutschland – seit Sonntag eine Kontaktsperre gilt und fast alle Läden zu sind. Natürlich bleibt auch mein Frisör geschlossen, weshalb ich nach Ostern wahrscheinlich so aussehen werde wie Pippi Langstrumpf in lockig! Das hat mich auf die Idee gebracht, meine Nachrichten vorläufig nicht langweilig „Rundbrief“ zu nennen, sondern Cur(l)few News. Wer das Wortspiel nicht versteht: Curfew ist das englische Wort für Ausgangssperre und Curls sind Locken – von denen ich ja bekanntlich viele habe!

Stand der Dinge

Ich bin ganz fröhlich und versuche, es auch weiter zu bleiben – solange es auch dauern wird. Zwar habe ich seit 13.3. meine Sprachschule vorübergehend geschlossen (mit der Betonung auf vorübergehend), aber die meisten meiner Schüler stehen zu mir und sind bereit, mit mir abzuwarten, wie und wann es weitergeht. Noch bin ich und sind sie alle gesund – und das ist doch ein Grund zur Freude und Dankbarkeit!

WARTEN: Das scheint das große Stichwort zu sein. Abwarten, erwarten …

In Psalm 37,7 heißt es: Sei stille dem Herrn und warte auf ihn. (In neuerem Deutsch: werde ruhig vor dem Herrn, erwarte gelassen sein Tun.)

Ruhe, Gelassenheit, Vertrauen darauf, dass Gott es recht machen wird, das ist nicht einfach in diesen Tagen. Aber bisher habe ich Frieden darüber, dass ich selbst an der Lage nichts ändern kann, und warte darauf, dass die Hilfe zur rechten Zeit kommt – wie schon so oft. Eine Woche, bevor ich schließen musste, hatte ich gerade einen neuen Kurs mit fünf Teilnehmern zusammen und zwei davon hatten sich in der letzten Minute gemeldet. Ob dieser Kurs nun noch zu Stande kommt, wer weiß? Auf alle Fälle hoffe ich, spätestens im Mai wieder unterrichten zu dürfen.

Noch habe ich finanzielle Reserven für einen Monat und warte nun darauf, dass die von der Regierung versprochene Soforthilfe für Solo-Selbständige nächste Woche beantragt werden kann. Sollte ich diesen Zuschuss erhalten, würde mir das nicht nur über die nächsten drei Monate, sondern wohl auch über das unterrichtsfreie Sommerloch hinweghelfen. Gut, dass ich es schon gewohnt bin, auf kleinem Fuß zu leben und die Miete für meinen Unterrichtsraum bescheiden ist! Gestern hatte ich schon ein sehr nettes Gespräch mit einer Dame vom Finanzamt, die mir anstandslos (und völlig formlos) die fällige Umsatzsteuer für das erste Quartal erst einmal bis Ende Mai gestundet hat. Auch meine Brüder und einige Freunde wollen mir ein finanzielles extra Bonbon zukommen lassen. Es gibt also keinen Grund zum Bangen oder Klagen.

Schöne Momente gab es in der vergangenen Woche auch.

Ich hatte das Bedürfnis, mich bei den Kassiererinnen von Netto zu bedanken, die sich im Moment so manches anhören müssen. Also schrieb ich vor meinem Einkauf eine Karte (Danke für Ihren Dienst in dieser Zeit. Ihr Job ist wertvoll. Bleiben Sie gesund!) und klebte noch eine Merci-Schokolade drauf. Als ich sie der Kassiererin gab, war sie total berührt, meinte: dass es das heute noch gibt! Und zeigte es gleich ihrer Kollegin. Schauer liefen ihr über den Rücken, sagte diese.

Bei DM wollte ich eigentlich nur Lotion kaufen und Klopapier, letzteres gab es natürlich nicht. In dem Regal für kleine Reiseartikel fand ich dann tatsächlich noch drei Päckchen Desinfektionstüchlein – nahm aber nur eines mit. An der Kasse staunte die Kassiererin: wo haben Sie denn das noch gefunden? Ich sagte es ihr und auch, dass es noch zwei weitere gibt, ich aber aus Solidarität nur eines genommen habe. Erneutes Staunen!

Mit meinen Nachbarn gegenüber (beide 70+) telefoniere ich regelmäßig oder wir rufen uns fröhlich über den Balkon zu. Da ihr Mann schon eine Lungen-OP hatte, gehe ich bewusst nicht zu ihnen rüber, um ihn nicht in Gefahr zu bringen. Sie haben mir schon so oft geholfen Mineralwasser zu kaufen (sie haben ein Auto), nun bin ich bereit, ihnen zu helfen.

Ich habe Freunde angerufen und sie mich. Mit manchen hatte ich schon länger nicht gesprochen. Es ist schön, alte oder vernachlässigte Kontakte wieder aufzufrischen und Zeit für Gespräche zu haben.

Na, seid Ihr inspiriert, wie Ihr in diesen Zeiten der Ängste und Ungewissheit ein wenig Freude und Zuversicht bringen könnt? Es sind nur Kleinigkeiten, aber sie machen oft den großen Unterschied. Und jede Freude, die wir Anderen machen, erfüllt auch uns! Ich hoffe, ich bekomme noch viele Ideen, wie ich meine (unfreiwillige) freie Zeit nutzen kann. Aber ich genieße auch die Stille bei Spaziergängen und freue mich an den schon erwachten Blumen und dem ersten Grün der Bäume.

Bleibt nur ein kleines Ärgernis: Das leidige Klopapier! Mein Vorrat hält noch drei Wochen und bisher habe ich sieben Versuche in drei verschiedenen Geschäften und an verschiedenen Wochentagen hinter mir. Vielleicht bekomme ich an Ostern statt Ostereiern eine Rolle ins Körbchen ...?

Also habt Geduld, nehmt’s mit Humor und bleibt gesund!

Eure  Ursula

+++

Fortsetzung folgt. Schickt uns, was euch in der Pandemie bewegt und weiterbringt: news@soloundco.net.

Bild: privat