Warum wir beim Essen das Leben feiern | Astrid

Und wir dabei ein Zeichen setzen ...

Viele Singles essen fast immer allein, manchmal sogar im Stehen. Schnell, schnell muss es gehen. Das gemeinsame Essen ist die Ausnahme. Wieso laden wir andere zum Essen sein? Warum bringen wir Zeit und Mühe auf, um miteinander zu essen und zu feiern? Braucht Zeit, macht viel Arbeit … und hinterher muss man auch noch aufräumen …  Kennt ihr das Gefühl, dass noch Freude in der Luft hängt – auch nachdem die Gäste gegangen sind? Gespräche klingen nach, das Lachen, und wenn es dann auch noch geschmeckt hat ...

Tischgemeinschaft bringt Farbe ins Leben. Es tut uns gut, mal nicht allein zu essen. Es muss ja kein 4-Gänge-Menü sein. Gastfreundschaft und Tischgemeinschaft haben eine Jahrhunderte  währende Tradition, kulturübergreifend. Wer genau hinschaut, ahnt, dass uns hier etwas verlorengeht, wenn wir nur noch denken: hab keine Zeit für „sowas“.

Schon ganz früh in der Bibel (1. Mose 18,1ff) wird uns von einem bedeutenden Gastmahl erzählt. Drei Männer erscheinen bei Abraham, unangemeldet und geheimnisvoll. Es ist völlig selbstverständlich, dass er und seine Frau Sara ein Mahl bereiten aus dem, was sie im Haus haben: Eilig wird Fladen­brot gebacken und ein Kalb geschlachtet. Nach dem Essen haben die Männer eine wichtige Botschaft für Abraham und Sara: die Geburt Isaaks wird angekündigt.

Beim aufmerksamen Lesen lässt sich das tiefe Geheimnis dieser Begegnung entdecken. Am Anfang des Kapitels heißt es nämlich: Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß … Abraham erkennt in den Drei die Boten Gott selbst, verneigt sich ehrerbietend und als ihr Knecht, bietet eine Fußwaschung an.

Im Alten Testament ist immer wieder davon die Rede, dass das Essen zum Gottesdienst dazugehört bzw. wie Ereignisse in der Geschichte Gottes mit seinem Volk mit einem Essen gefeiert werden.

Das Passahfest hat hier seine Wurzeln (2. Mose 12). Israel ist im Aufbruch aus der Gefangenschaft in Ägypten. Auf genaue Anweisungen Gottes hin, nehmen sie ein umfassendes Mahl zu sich. Um die große Tat Gottes nicht zu vergessen, feiert Israel bis heute dieses Fest. Jesus feierte ein Erinnerungsmahl  mit seinen Jüngern und fordert dazu auf, dass sie es künftig zur Vergegenwärtigung der Erlösung miteinander feiern (1. Kor. 11,17ff).

Es ist interessant, die Bibel einmal unter dem Gesichtspunkt der gemeinsamen Mahlzeiten zu lesen. Auch Konflikte über die Rang- und Sitzordnung sowie die ökonomische und soziale Ungleichheit werden bedacht.

Für Juden war es völlig klar, dass sie nicht mit Heiden zusammen essen. Jesus ignorierte diese Festlegung. Er isst mit Zöllnern und Sündern (Mk. 2,16; Lk.15,2) und setzt damit ein deutliches Zeichen für das Reich Gottes. Die Tischgemeinschaft stiftet Zugehörigkeit und Verbundenheit miteinander.

Es ist also ein Wesenszeichen christlicher Gemeinde, dass sie sich zum Essen trifft. Das wird uns schon in der Apostelgeschichte berichtet. Es gehört zu unserem Glauben dazu.  (Apg. 2,46)

Und das hat noch einen tiefen Grund: Beim gemeinsamen Essen beginnt schon die Zukunft! (Lk. 13,29) Viele werden kommen von Osten und vom Westen, vom Norden und vom Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes (Lk. 22,29f). Oder: Ich will euch das Reich bescheiden … dass ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich.

Die Zukunft hat schon begonnen. Das ist Grund zum Feiern, zum gemeinsamen Essen – am 15. Februar 2020 und nicht nur dann.