Wie gestaltet ihr euren Stammtisch?

Kategorie: Community


In Düsseldorf gibt‘s seit fünf Jahren ein ‚offenes Treffen‘ in einem Restaurant, das eine feste Struktur aufweist, die wir hier vorstellen möchten. Vielleicht könnten so auch offene Angebote andernorts von der Erfahrung profitieren?

Die Düsseldorfer Gruppe hat einen großen Einzugsbereich, was lange Anreisen bedeutet. Wer eine Stunde mit dem Auto oder dem ÖPNV zum Treffpunkt fahren muss, braucht mehr als unverbind­lichen Small Talk mit immer wechselndem Gegenüber, um kontinuierlich dranzubleiben. Deshalb haben die Düsseldorfer zwei Strukturelemente eingeführt.

Die Singles zwischen Ende 30 und Ende 60 treffen sich am Samstagabend, gegen 18.30 Uhr. Zunächst werden Getränke und Essen bestellt – mit der Maßgabe (wichtig!) an den Service, das Essen nicht vor 19.30 Uhr zu servieren. Denn das Miteinander wird durch eine Wie-geht’s-Runde eingeleitet. Jeder bekommt fünf Minuten, um von sich zu erzählen – reihum. Wie offenherzig jemand sein Thema ausbreitet, ist individuell. Die anderen sollen nicht bewerten, nur Verständnisfragen sind möglich. Auf diese Weise bekommen auch sonst schüchtern-zurückgezogene Singles ‚automatisch‘ das Wort und werden für die anderen mit ihrer Situation sichtbar. Und die Vielredner müssen auch mal zuhören. Die Wie-geht’s-Runde soll ca. 45 Minuten nicht überschreiten. Wenn mehr als zehn Leute da sind, werden zwei Gruppen gebildet, die sich parallel austauschen. Wenn mehrere Neue dabei sind, stellen sich alle kurz mit Namen und Wohnort vor. So können auch die Neuen schneller reinkommen. Die Erfahrung ist: Auf diese Weise kriegen alle oder doch möglichst viele die bewegenden Prozesse im Leben der anderen mit, ob berufliche Frustration, aufregende Stellensuche oder bereichernde Urlaubserfahrung. Daran kann im Verlauf des Abends angeknüpft werden.

Nach dem Essen folgt in aller Regel ein geistlicher Stegreif-Impuls von einem der Leitenden, der auch nicht länger als fünf Minuten dauert und im Vorfeld verabredet wurde. Ute suchte sich die erste Zeit einen guten Impuls zum Single-Leben aus dem Buch „Einzelstück“ von Tina Tschage heraus. Danach kann dies Thema vertieft werden oder einzelne führen ein schon vorher begonnenes weiter. Auch bei Events wie dem Besuch des Weihnachtsmarkts oder einer Wanderung wird dieser Stegreif-Impuls integriert. Damit bekommen das christliche Fundament und die Dimension des Glaubens einen festen Platz. Idealerweise sind im Impuls Single-Sein und geistliche Verortung miteinander verknüpft. Das zentriert die Gruppe auch inhaltlich. Wenn es einen Abschied zu würdigen gilt, jemand spontan von eigenen geistlichen Erlebnissen berichten mag, wenn Wichteln auf dem Programm steht, dann entfällt der Impuls. Das verlangt von der Leitung ein gewisses Erspüren und Eingehen darauf, was die Gruppe gerade braucht.

Eine gewisse Fluktuation ist trotz der festen Elemente geblieben. Das haben offene Angebote eben an sich. Insgesamt hat sich die ritualisierte Struktur aber bewährt, findet Ute, weil die regelmäßigen Teilnehmer besser Anteil aneinander nehmen (können), auch Begleitung und Nachfrage beim nächsten Treffen möglich werden. Je regelmäßiger Leute teilnehmen, umso eher können Verbundenheit und das Verständnis füreinander wachsen.

Es hat sich als hilfreich erwiesen, dass es eine Leitung gibt, die Anfang und Ende setzt, auf die Struktur-Eckpunkte achtet, den Impuls koordiniert und neue Interessenten vorab telefonisch auf die Erwartungen hin abklopft.

2020 trifft sich der Stammtisch alle zwei Monate. Für Datum und Ort bitte eine Mail an duesseldorf@soloundco.net .