Was lehrt mich das Corona-Virus? | Patricia

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Die Nachrichten sind voller Hiobsbotschaften: Das Virus rückt näher, private und berufliche Treffen werden abgesagt, die Katastrophenstimmung nimmt zu. Ich sitze schon eine ganze Woche in selbstverordneter Isolation, weil eine Sportfreundin seit zehn Tagen Halsschmerzen hat, aber sich nicht testen lassen will. „Da werde ich ja nur noch kränker“, meint sie. Und: Ein Ende ist nicht in Sicht.

Ich will hier nicht die medizinischen Infos wiederkäuen. Ich möchte ein paar Gedanken der letzten Tage mit euch teilen. Ich hab gemerkt, dass ich als Single besonders aufpassen muss, nicht in eine sich selbst verstärkende Negativ-Spirale von Befürchtungen und Horrorvorstellungen zu geraten. Was mir wichtig ist, um dem (medialen) Wahnsinn etwas entgegenzusetzen:

  • Ich richte mich stur und einzig nach behördlichen Ratschlägen und Hinweisen aus berufenem Mund wie dem Robert-Koch-Institut. Ich gehe Falschmeldungen im Internet und Panikverbreitern aus dem Weg. So sehr ich mir auch Sorgen mache: Nein, ich muss nicht in die Notaufnahme gehen, um mich prophylaktisch testen zu lassen, solange keine Symptome spürbar sind und ich keinem eindeutig diagnostizierten Fall begegnet bin. Die Kräfte des Gesundheitssystems müssen jetzt auf dringende Notfälle konzentriert werden.
  • Die Ziellinie heißt: Ruhe bewahren und vernünftig bleiben. Denn das Schlimme sind ja unsere Fantasien und Horrorvorstellungen. Die Angst vor einer Prüfung, einem Wettkampf, einer OP oder jetzt Corona ist viel bedrückender als das Geschehen selbst. Das habe ich immer wieder erlebt. Wenn das Ereignis eintritt, ist die konkrete Erfahrung meist nicht so schlimm, wie die Fantasie vorher. Warum? Weil die Wirklichkeit immer viel umfassender ist als es der innere Film je sein kann. Und dann ist schließlich auch noch Gottes Hilfe da.
  • Die Corona-Krise lehrt mich, mich vertrauensvoll in Gottes Hand zu geben. Im Lied heißt es so tröstlich: Gott hält die ganze Welt in der Hand. Und wenn Jesus prophezeit, dass in der letzten Zeit neben vielen anderen „Schrecken“ auch Seuchen über die Erde gehen werden (Lukas 21,11), dann sehe ich das im Kontext von Jesaja 26,9: Mit meiner Seele verlangte ich nach dir in der Nacht; ja, mit meinem Geist in meinem Innern suchte ich dich. Denn wenn deine Gerichte über die Erde gehen, lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. Gerade in diesen Zeiten der Ungewissheit übe ich, Ohnmacht auszuhalten, die 100-Prozent-Kontrolle fahren zu lassen, mich anzuvertrauen und zu fragen: Was will Gott in dieser Situation von mir?
  • Es ist wichtig, Not bei anderen wahrzunehmen und Unterstützung zu leisten, wenn es geht und ich es kann. Am Freitag habe ich der hochbetagten Nachbarin im Haus Hilfe beim Einkauf angeboten. Sie hat sie abgelehnt. Aber das ändert nichts daran, dass ich aufmerksam bleiben will, was Menschen um mich herum brauchen. In der Gemeinde und über die App nebenan.de biete ich Unterstützung an und kann auch notfalls selbst welche suchen … In meinem Kiez haben das mehrere jüngere Leute und Autobesitzer bereits getan. Das ist auch tröstlich: In der Not wächst auch das Rettende. Ängste und Sorgen müssen uns nicht zwingend lähmen, sie können uns auch nachdenken lassen, wie wir achtsam mit der Situation und miteinander umzugehen.
  • Was in der inneren wie äußeren Not wirklich hilft, ist Gemeinschaft. Angst trennt. Aber Gemeinschaft hebt Angst auf. Ich nehme mir für jeden Abend ein Telefonat mit einem Freund, Verwandten, Kollegen vor. Darauf freue ich mich immer schon am Tag. Ein Vorteil der Krise: Es ist einfacher als sonst, jemanden auch zuhause anzutreffen. Singles sind ja sonst viel unterwegs. Ich überlege gerade, wie man meine Lesegruppe oder einen Hauskreis digital per Teamviewer oder Zoom zusammenführen kann? Lasst uns das Gemeinschaftliche neu beleben und anders denken, uns gegenseitig konkret helfen, Sorgen teilen, gegenseitig Mut zusprechen und gemeinsam Bibel lesen. Das geht auch per Telefon oder Skype.
  • Ich genieße auch ein wenig, dass eine gewisse Stille über dem Land liegt. Vielleicht lässt sich auch auskosten, was unvermeidlich ist: der Wegfall von Terminen und Verabredungen, die Verlangsamung des öffentlichen Lebens. Eine Exerzitien-Zeit gewissermaßen.

PS:Jeden Tag finden auf Twitter zwei Andachten statt. In der Twaudes (Wortschöpfung aus Twitter und Laudes) und der Twomplet (Wortschöpfung aus Twitter und Complaet) kommt auf Twitter morgens um 7 Uhr und abends um 21 Uhr eine Gebetsgemeinschaft zusammen. Hier ist jede und jeder willkommen. Es gibt eine angeleitete Andacht und Raum für eigene Gebetsanliegen.

 

Bild: By Viruscorona2020 - Own work + L'épidémie au 02/02/2020 - Pr G Pialoux, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org/w/index.php