Über Lust, Hingabe und Fruchtbarwerden

Astrid Eichlers Predigt beim Festival (in gekürzter Form) ...

Wir können nicht über die Lust am Leben reden, ohne auch über Sexualität zu sprechen.Es gibt Lusterfüllung in der Begegnung von Mann und Frau nicht ohne Hingabe. Wenn wir ein lustvolles Leben wollen, dann kommen wir auch als Singles an der Hingabe nicht vorbei. Was gibt es Schöneres als sich hinzugeben und dann zu erleben, daraus wird Frucht. Dann ist die Sexualität „nur“ ein Abbild dessen, was für unser Leben insgesamt gilt. Wie auch die Ehe „nur“ ein Abbild der Beziehung zwischen Gott und uns, zwischen Christus und der Gemeinde ist. Nur ein Abbild. Wir sind bestimmt, uns hinzugeben, nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe, um dann Frucht zu bringen.

Unser Gott ist ein lustvoller Gott

Unserem Gott geht es um die Lust an der Liebe und nicht am Opfer (Hos. 6,6) Wir haben einen lustvollen Gott! Wie viele verlieren ihren Glauben darüber, dass Lust und Christsein scheinbar so weit auseinanderliegen. Aber Lust ist nicht nur das Leichte, das Blühende bei Sonnen­schein. Die tiefste Sehnsucht unseres Herzens wird gestillt, wenn unsere Hingabe Frucht bringt.

In der Vorbereitung klang in mir plötzlich ein Bibelwort auf, Psalm 18: Herzlich lieb habe ich dich, Herr meine Stärke. Was wir da lesen: Mein Gott, mein Hort, auf den ich traue – das ist nicht das Gebet dessen, der auf der rosaroten Wolke sitzt. Das ist das Gebet eines Menschen, der bekennt: Es umfingen mich des Todes Bande und die Fluten des Verderbens erschreckten mich. Als mir angst war, rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott. Die Erde bebte und wankte … Es ist ein Mensch, der tiefe Not erlebt hat, der Feindschaft erlebt hat, der Angst um sein Leben hatte. Viele von uns kennen das Gefühl, das in der Mitte des Psalms ausgedrückt wird: Mir stand das Wasser bis zum Hals. Und dann geht‘s weiter: Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus großen Wassern. Er errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren. Sie überwältigten mich zur Zeit meines Unglücks, aber der Herr ward meine Zuversicht. Er führte mich hinaus ins Weite. Er riss mich heraus, denn er hatte Lust zu mir.

Gott hatte Lust zu mir. Ein lustvoller Gott, der Lust hat zu dir und der dich gern herausreißen möchte aus dem Rachen der Angst, aus dem Strudel, der dich in die Tiefe reißen will, wo das Schwere so schwer wiegt; wenn du denkst, ich werde hier umgebracht.

Gott hat Lust zu dir

Das entdecken wir oft in den schweren und schwersten Zeiten. Das habe ich als junge Pfarrerin in der Prignitz erlebt. Da stand mir das Wasser bis zum Hals, meine Gesundheit war angegriffen, und ich kämpfte mit dem Gefühl, dass mein Leben bedroht und mein Dienst sinnlos ist. Ich habe mit Gott gerungen und hatte lange den Eindruck, er hat Lust, mit mir durch diese Zeit zu gehen, damit in mir die Liebe wächst, damit meine Hingabe wächst, damit Frucht werden kann.

Und dann gab es 2006 dieses Buch: Es muss was Anderes geben. Dann fing es an mit einem ersten Treffen mit Singles, und es gab eine Spurgruppe und und und. Aber ich hatte keine Lust, mich auf das Singlethema zu fixieren. Der Rest ist Geschichte …

Ich war Pfarrerin im Knast. Das war meine Leidenschaft, und dann kommt Gott. Bei stillen Tagen in einem Kloster bei Berlin wollte ich wissen, was Er sich wünscht, worauf er Lust hat. Wieder haben wir miteinander gerungen. Und ich verstand, er hat Lust daran, dass Frucht wird. Er hat manchmal Lust an dir genau an der Stelle, wo du stehst und sagst: Ich hab keine Lust. Ich sag‘s euch: Wenn Gott auf etwas Lust hat, das ist nicht immer lustig, aber wichtiger ist doch, dass Frucht wird, oder?

Die tiefste Sehnsucht in unserem Herzen, die tiefste Sehnsucht im Herzen Gottes gilt unserem Fruchtbringen. Das gilt auch für die klassischen Singles, die noch nie verpartnert oder verhei­ratet waren, genauso wie für die, die keine Kinder haben. Fruchtbarkeit ist unsere Bestim­mung. Aber Fruchtbarwerden zeigt sich nicht allein an der leiblichen Frucht. Entdecken wir, was gibt es Anderes, damit unser Leben Frucht bringt?

Keine Frucht fällt vom Himmel. Da muss auch Erde sein und Saat und Zeit. Da, wo du stehst, wo du frustriert bist, keine Lust mehr hast, frag doch mal deinen Gott: Worauf hast du Lust?

In der Hingabe erfüllt sich unsere Lust zutiefst

Gott hat Lust an dir, und deshalb hat er Jesus geschickt. Deshalb ist er selbst gekommen, des­halb hat er sich hingegeben für dich. Und er möchte mit dir zusammen Frucht bringen. Dort, wo du bist.

Vielleicht in einem Altenheim. Ich bin zurzeit sehr, sehr oft bei meiner Mutter im Pflegeheim, weil ich spüre, dass Gott Lust hat, dass wir diese letzte, diese schwere Zeit auf diesem Weg zusammen verbringen. Also geh ich dahin, jeden Tag eine Stunde. Manchmal denke ich: Was könnte ich jetzt alles machen, wie mühsam ist es, wie viel Zeit kostet es? Und wenn ich dann das Leuchten auf ihrem Gesicht sehe, dann ist das die Frucht.

Unscheinbare Früchte

Denken wir doch nicht nur an Frucht, wenn 100 Leute sich bekehren. Du könntest Frucht sein im Leben deiner Eltern, deiner alten Mutter, zu der du vielleicht nie wirklich eine Beziehung hattest. Was wäre das für eine Frucht, wenn du heute nach Hause fährst! Gott hat Lust an Versöhnung. Vielleicht gibt es einen Menschen in deinem Leben, mit dem du nie wieder reden willst. Gott hat Lust, dass du diesem Menschen einen Brief schreibst. Dort, wo du als Lehrerin sagst: Ich hab keine Lust mehr auf diese Gören. Gott hat Lust, dass du für ein Kind einen Unterschied machst. Gott hat Lust und mit seiner Lust will er uns von hier losschicken.

Wir feiern das Abendmahl, um die Lust Gottes an uns zu schmecken, in die Hand zu nehmen, anzuschauen. Wenn du das Brot nimmst und Jesus sagt „Das ist mein Leib“ und den Wein oder Saft „Das ist mein Blut“, dann darfst du hören: Weil ich Lust an dir habe, habe ich mich hingegeben. Fruchtlosigkeit macht bitter. Wir sind berufen, Frucht zu bringen, damit unser Gott Freude hat in seiner Lust an uns.