Über eine Grenze im Leben | Astrid

Kategorie: Compass


Wir Menschen mögen keine Grenzen. Damit meine ich jetzt nicht die Grenzen zwischen Ländern, die Zeit kosten oder Formalitäten erfordern. Ich meine die Grenze, die sich unübersteigbar mitten in unserem Leben erhebt. Plötzlich geht es nicht mehr weiter.

Wir schaffen etwas nicht allein, unsere Kraft reicht nicht aus. Wir erhalten eine schwere Diagnose und stehen wie vor einer Wand. Wir sind mit dem Tod konfrontiert, ein lieber Mensch stirbt – viel zu jung … Oder wie in den vergangenen Monaten: eine Krankheit erobert die Welt und bedroht Menschen mit dem Tod.

Unfähigkeit. Ohnmacht. Abschied. Tod.

Das alles macht Angst. In diesen Monaten erleben wir es deutlicher als sonst. Wie gehen wir damit um? Drehen wir uns weg und schauen schnell woanders hin? Leugnen, Verdrängen, Bagatellisieren, Ablenken, Schuld zuweisen, mit harten Bandagen bekämpfen – alles verständliche Wege, wenn wir mit dem Tod konfrontiert sind. Aber sind sie auch hilfreich?

Wir haben ein Problem mit dem Sterben, weil es uns mit unserer tiefsten Ohnmacht konfrontiert. In mir klingt der Anfang eines alten Liedes von Martin Luther: „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen …“ Was für ein Realismus. Allerdings: Damals war das auch noch ganz anders sichtbar und beinahe alltäglich. Der Tod war ganz anders Teil des Lebens.

Heute ist es fast wie eine allgemeine Übereinkunft: Übers Sterben spricht man nicht. Es geschieht ‚nur‘. Und am liebsten hätten es die meisten plötzlich und im Schlaf. Wir müssen reden, finde ich, über das Sterben. Und gerade wir als Christen.

Während das Christentum früher im Verdacht stand, die Menschen auf das Jenseits zu vertrösten, habe ich heute manchmal den Eindruck, wir vertrösten uns aufs Diesseits. Als wäre Gott dafür zuständig, dass wir in unserem irdischen Leben alles hätten, was wir zu unserem Glück brauchen. Als wäre der Tod ein Punkt. Schluss. Ende.

Da ist nicht mehr viel übrig von dem, was den christlichen Glauben zutiefst ausmacht. Paulus jedenfalls ist überzeugt: Wenn der Glaube an Christus nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die elendesten Menschen auf der Welt. (1. Kor.15,19 NLB)

Es geht also um mehr und um anderes: Es geht um die Ewigkeit! Als meine Mutter im letzten Jahr ins Pflegeheim umzog, fand ich in ihrem Bücherschrank ein kleines Büchlein von Hartmut Maier-Gerber: Sterben – der Höhepunkt des Lebens. In den vergangenen Wochen lese ich ihr täglich daraus einen kleinen Bibeltext und ein Gebet vor. Ich habe das Empfinden, das hilft uns beiden, die unbekannte Zukunft in den Blick zu nehmen. Der Tod ist ein Doppelpunkt: Wir schreiten hindurch und hinüber in Unbekanntes.

Wer eine Reise in ein fremdes Land macht, wird sich vorher informieren und sich auf die Reise vorbereiten. Da werden Reiseführer besorgt, im Internet gesurft, hilfreiche Dinge eingekauft, mögliche Probleme bedacht. Viele erstellen sich Checklisten, um nichts zu vergessen für die große Reise.

Sterben ist viel mehr als eine Urlaubsreise! Bereiten wir uns darauf auch vor?

Was sagt die Bibel dazu? Was ist anderen Menschen wichtig geworden, die schon mal dem Tod sehr nahe waren? Wie kann ich mich vorbereiten? Was ist ganz praktisch hilfreich und gut? [Darauf wollen wir im Newsletter noch einmal zurückkommen.] Welche Perspektive habe ich auf das, was nach dem Tod kommt? Welche Ketten und Fesseln werden von mir fallen? Wie geschieht das Wunder der Verwandlung?

Gerade für uns Singles ist es so wichtig, dies Thema nicht zu verdrängen, sondern sehr bewusst in den Blick zu nehmen. Mit wem könntest du darüber sprechen?

Johannes Hartl vom Gebetshaus Augsburg hat sich in einem Videobeitrag auf YouTube eingehend mit den letzten Fragen beschäftigt: Leben mit dem Tod.

Foto: Markus Spiske on Unsplash