Solo aber nicht allein | 4

Kategorie: Community


Alle sprechen von Social Distancing – was für ein geschraubter Begriff und ungenau dazu. Er suggeriert geradezu das Gegenteil dessen, um das es den Epidemiologen geht. Wir sollen räumliche Nähe vermeiden, nicht aber doch das sozial-emotionale Band untereinander. Gerade für uns Alleinlebende ist dieser Unterschied doch (über)lebenswichtig. Die wichtigste Einsicht: Damit ich mich verbunden fühle, muss einfach was Anderes her: ein Kontakthalten auf räumliche Distanz. Dafür sind jetzt vor allem Fantasie und Initiative gefragt.

Warum nicht mit Eltern oder Geschwistern per Skype klönen, so dass man auch mal was zeigen kann, das derzeitige Strickprojekt oder den frisch gestrichenen Tisch zum Beispiel. Es ist mit mehreren auch viel entspannter mit Bild zu telefonieren, weil man sehen kann, wer gerade was sagen will. Das Lächeln um die Mundwinkel oder die sorgenvolle Mine kriegt man auch gleich mit. Am Ostersonntag hab ich mit fünf anderen Solisten zusammen das Osterfrühstück per Videokonferenz geteilt, nicht alle kannte ich vorher, aber herzerwärmend war’s trotzdem. Für den Video-Anruf muss man sich nur auf eines der gängigen Programme einigen wie Zoom, Skype, jitsi, oder Facetime. Laptop oder Tablet auf den Tisch stellen und los geht’s. Man kann auch miteinander Karten spielen auf Distanz oder beim Scrabble knobeln, in der Facebook-Gruppe haben sich bereits ein paar Spielkinder zusammengefunden. Warum nicht am Gemeindegottesdienst per Video-Schalte teilnehmen? Da ist oft über die Chat-Funktion auch Interaktion mit anderen Teilnehmern möglich. Die Schul- und Studienfreunde sind nun abends regelmäßig zuhause anzutreffen und ebenso ausgedörrt wie man selbst. Mit denen, die man sonst regelmäßig im Chor trifft, beim Sport oder Hauskreis, kann man auch digital Kontakt halten, damit sich da über die Zeit nicht eine große Leere breitmacht. Also: Raff dich auf. Es muss nur einer den Anfang machen und das „Treffen“ einrichten. Das ist keine Raketenwissenschaft. Es gibt viele Anleitungen im Netz. Und man darf auch mal jemanden fragen, ob er einem (telefonisch) dabei hilft, eine Zoom-Sitzung einzurichten.

Zugegeben: es fällt erstmal nicht so leicht, weil technische Hilfsmittel gebraucht werden und ein ‚Anlass’ kreiert werden muss. Auf dem Hausflur, in der Umkleide, nach dem Chor, beim Kirchenkaffee redet man spontan ein paar Takte, nun muss man sich verabreden. Da geht das Zufällige, Ungeplante und Beiläufige verloren. Auch ist ein digital vermittelter Kontakt nicht so wärmend wie ein realer. Aber besser als soziales Einfrieren aller Beziehungen auf den Tag X ist es allemal. Und vielleicht liegt auch ein Geschenk darin, weil sich eine halb eingeschlafene Verbindung neu vertieft. Oder weil die digitalen Hilfsmittel einen Kontakt ermöglichen, der sonst wegen der Entfernung zum anderen erst gar nicht in Angriff genommen worden wäre.

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