Singlesein in Peru

Kategorie: Community


Patricias Artikel zum Dinner for One&Co (und andere auch) habe ich ganz interessiert gelesen und finde die Anstöße und Ideen wirklich gut. Zugleich habe ich wieder festgestellt, dass es – auch und gerade für mich als Single – vielleicht doch einen großen Unterschied macht, ob ich in einer individualistischen (z.B. der deutschen) oder einer kollektivistischen (z.B. der peruanischen) Kultur lebe. Oder bin ich es, die da mitunter irgendwie ein bisschen anders tickt? ;-) Hier kommen noch ein paar meiner spontanen Gedanken und Reaktionen beim Lesen des Artikels:

> Kennst du das: Der Geburtstag naht und kein Plan, wie man/frau ihn feiern könnte? Und vor allem mit wem?

Ehrlich gesagt habe ich ein anderes Problem: Sehr viele (und zwar sowohl in Deutschland als auch in Peru) wollen gerne mit mir feiern. Mein Problem ist an meinem Festtag eher, wie ich das alles unter einen Hut bekomme – Kollektivismus eben! Außerdem ist vor zwei Jahren der Reformationstag und damit mein Geburtstag von der Regierung (!) Perus zum "Nationalen Tag der Ev. Kirche in Peru" erklärt worden. Das finde ich wunderbar und fühle mich auch sehr geehrt, aber seitdem findet an diesem Tag abends immer ein großer übergemeindlicher Gottesdienst in der Mehrzweckhalle unserer Gemeinde statt, für den über den Tag dann immer schon einiges vorbereitet werden muss. DAS spannt mir leider einige (vor allem männliche) Mitfeierer aus und belegt dann auch den Abend des 31. Dafür bekomme ich abends im Gottesdienst so viele Umarmungen und Gratulationen ... das reicht dann erstmal für die nächsten Monate.

> Man kann zuhause auf Tauchstation gehen und warten, dass der Abend vorübergeht – wie an Silvester. Ist ein guter Plan, wenn man auf dem Eremiten-Weg ist.

Hahaha – ganz kurz habe ich überlegt, ob ich mich nun "ertappt" fühle wegen meines diesmal wirklich allein verbrachten Silvesterabends. Und habe dann befunden: nein, das war eine sehr freiwillige und für mich stimmige Entscheidung, zumal ich den Heiligabend die Woche vorher sehr fröhlich und schön mit 24 Leuten in Großfamilie gefeiert hatte. Und als Eremitin tauge ich sowieso nicht, dafür bin ich zu extrovertiert – höchstens mal für meinen freien Montag.

> Denn welcher Single kriegt schon genug Aufmerksamkeit?

Ich. :-) Und das soll überhaupt nicht überheblich klingen, aber ich erlebe es so: In meinen deutschen Freundschaften, die nun schon 20 Jahre interkontinentale Entfernung überdauert und sich teilweise sogar vertieft haben, aber auch hier vor Ort. Letzte Woche war ich wegen Erkältung und Stimmlosigkeit ein Stück auf Sparflamme und ans Haus gebunden und bekam sehr liebevoll von fünf peruanischen Freundinnen Hühnersuppen, Einkaufsdienste, Besuche (aber da muss man reden ...), Fürbitte, Medikamente und Anteilnahme angeboten. Ich war wirklich gerührt und höre jetzt, wo ich wieder in die Normalität zurückgekehrt bin, immer wieder, wer mich da alles vermisst hätte. Und das war gerade mal eine Woche.

Ich vermute wirklich, dass das etwas typisch Peruanisches, bzw. eine Beziehungsstärke unserer Gemeinde hier ist. Und freue mich einfach, dass Gott mich diesbzgl. sehr gut und liebevoll versorgt.

> Ich lade also drei andere Singles zu einem Dinner for One&Co ein.... Nein, ganz offiziell. Mit einer gedruckten Einladungskarte. Auf der Rückseite habe ich Ort, Zeit und Menü notiert.

Hm, gedruckte Einladungskarten gibt‘s hier nur zu Hochzeiten, zum (riesig gefeierten) 15. Geburtstag einer Tochter oder zu einem Gemeindejubiläum. Das käme, glaube ich, sehr seltsam und für hiesige Verhältnisse, ziemlich steif an. Hier wird sehr kurzfristig und spontan entschieden, ob wir in einer halben Stunde gemeinsam zu fünft bei jemand etwas essen – und das Menü entscheidet sich dann aufgrund dessen, was an Lebensmitteln gerade verfügbar ist.

> Am Fuß der Karte steht: U.A.w.g. Damit will ich unverbindliche Antworten wie „Muss mal sehen, sag dir noch Bescheid“  das Wasser abgraben. ... Ich will mich freuen können...​​​​​​​

DAS ist in der Tat eine peruanische Schwäche (die allmählich auch in Deutschland um sich zu greifen scheint): Niemand will sich im Voraus festlegen, weil ja noch etwas Spannenderes oder Besseres auftauchen könnte. Wenn sie so behandelt werden, leiden auch die Peruaner darunter, aber: sie machen es selbst auch weiter so. Das ist die hiesige Unlogik. Ja, ich will mich auch (vor)freuen können, deshalb habe ich für mich die Lösung gefunden, dass ich mit 1-2 Freundinnen eine verbindliche Absprache treffe und wir gemeinsam auch die Sache vorbereiten. Wenn sie so "mit im Boot" sind, ist die Gefahr, dass sie kurz vorher wieder aussteigen, minimal. Und so weiß ich zumindest, DASS der geplante Anlass stattfinden wird. Ob wir dann am Ende wirklich nur zu dritt sind oder noch 5-15 andere dazu kommen - das bleibt dann als Überraschungsfaktor. ;-)