Segeln mit Solisten – ein Erfahrungsbericht

Auf Facebook waren schon viele schöne Bilder vom Segeln zu sehen. Hier erzählt nun Irena Knüpfer, im Hintergrund erkennbar, wie’s war.

Alles begann mit der Solo&Co-Silvesterfreizeit in Schmitten. Dort fand ich den Jahres-Flyer mit der Segelfreizeit in Kroatien. Das Ganze war für mich zu teuer und die Anreise nach Kroatien flößte mir gehörigen Respekt ein. Dennoch entschied ich mich dafür. Als der Urlaub genehmigt war, stieg meine Vorfreude – bis Corona kam. Für uns war lange unklar, ob wir diese Reise überhaupt machen würden und unter welchen Auflagen.

Dann kam plötzlich Anfang Juni die Nachricht von ID. Meyer, der Veranstalterin, dass die Segelfreizeit stattfinden kann. Nach allen Corona-Berichten war das fast unwirklich. Mit Hilfe eines guten Freundes buchte ich den Flug nach Split und organisierte die Fahrt von Dresden nach Berlin.

Und dann stand ich in Kroatien, vor dem Flughafen, und musste zum Starthafen Marina Kastella. Nach der erfolgreichen Abwehr der Taxifahrer und einem Gespräch mich mit Händen und Füßen mit einer älteren kroa­tischen Frau, fand ich den Bus zum Hafen. Die vielen, in den Himmel ragenden Segelmasten wiesen mir die Richtung. Am Steg warteten schon einige Mitseglerin­nen. Sie hatten hier bereits eine Urlaubswoche genießen können. Nun warteten wir auf den Skipper. Claudia und Anne Frauke waren verspätet, weil der Flieger technische Probleme hatte. Wir brauchten Geduld, bis wir mit Sack und Pack an Bord konnten.

Als erstes gingen wir gemeinsam die Einkaufsliste durch. Was brauchen neun Leute an Lebensmitteln, Wasservorräten und Klopapier ... ;) für die nächsten Tage? Nicole hatte Erfahrung. Wir mussten uns beeilen wegen dem Ladenschluss um 22 Uhr. Schließlich schoben wir drei sehr schwere und voll bepackte Einkaufswagen quer durch den Ort, das bleibt mir unvergesslich. Wir redeten und waren froh und müde und gespannt auf die Woche. Einige hatten den Segelschein schon gemacht und erzählten von ihren Erfahrungen bis nach Mitternacht. Für mich war alles neu. Die Einweisung durch den Skipper war sehr umfangreich. Wir mussten wissen, was bei „Mann über Bord“ zu tun ist, wie man den Fender benutzt, ankert und im Hafen anlegt. Auch die Nutzung von Toilette und Dusche an Bord ist echt spannend.

Leinen los – wohin? Windrichtung und Stärke des Windes gaben das vor. Mir wurde schlecht. Bei Starkwind und ordentlichem Tempo neigte sich das Boot sehr heftig, mir wurde immer elender. Ich kämpfte mit Brechreiz, hielt mich fest, die Augen suchten einen festen Punkt am Ufer. Durch das selbst steuern wurde ich abgelenkt. Die Fähnchen am Vorsegel zeigen die richtige Richtung zum Wind an. Die Sonne schien was sie konnte, das Wasser war dunkelblau, die Wellen schäumten am Bug und der Fahrtwind kühlte uns. Eine große Welle durchnässte uns komplett. Also umziehen unter Deck, schon kam die Übelkeit wieder. Mit geschlossenen Augen ging es besser. Wir segelten in eine ruhige Bucht mit türkisblauem Wasser und warfen den Anker aus. Wunderschön. Die Grillen sangen ohne Pause. Erst mal baden, das türkisblaue Wasser genießen, Abkühlung bei 28 Grad, tote Frau machen.

Wir kochten zusammen, es war oft eng zu dritt in der Kombüse. Wo sind die Wasserkanister? Ist der Knoblauch bei den Tomaten? Auch ein Herd kann schaukeln. Geschafft – es gab einen großen Topf mit Reis, Gemüse und Käse, dazu Melone. Alles musste an Deck gebracht werden. Es schmeckte uns wunderbar. Dann hörten wir den Lebensbericht einer Mitseglerin und staunten nicht zum letzten Mal, was jemand im Leben schon erlebt hat. Das Abendlied begleitete uns beim Sonnenuntergang und unter dem nächtlichen Sternenhimmel.

Die Sonne war viel früher wach als wir alle. Der nächste Morgen versprach neue Segelerfahrungen und wunderschöne Blicke auf die Berge und Inseln an der Küste. Bei Windflaute fuhren wir gemächlich dahin und hörten eine neue Lebensgeschichte. Sobald Wind aufkam, hieß es: Segel setzen. Unser Skipper hatte alles im Griff und machte seinen „acht Mädels“ die Ansagen. Wenn‘s doch mal nicht klappte mit dem Steuern der Co-Skipperinnen, konnten sie einen zweiten Versuch wagen. Meist gelang der. Erst wenn gar nichts ging, machte „Mann“ es selbst und sprang flugs zum Anker oder an die Leinen. Schnelles Handeln war auch beim Zick-Zack-Segeln gefragt, die Segel mussten jeweils so stehen, dass sie den vollen Wind einfangen konnten. Am Abend waren wir dann oft alle k.o. und freuten uns sehr über das Einlaufen in eine Marina (Hafen) zum Duschen und auf eine nicht schwankende Toilette.

Einige kleinere Verletzungen blieben nicht aus: es gab einen Wespenstich und einen gebrochenen Zeh, denn geöffnete Luken haben auf Deck ihre Tücken. Das Schlafen auf dem Meer im Dingi (Beiboot), das Schwimmen mit dem Fender (Gummipolster am Boot), die Delfine und die Gemeinschaft waren besondere Erfahrungen für mich.  

Die Segeltage waren sehr gut mit Aktivitäten, geistlichen Impulsen, Singen und persönlichen Geschichten gefüllt und allzu schnell vorüber. Schon hieß es Abschied nehmen vom schönen Kroatien, von vertraut gewordenen Menschen und vom Segeln. Bei allem spürten wir die Geborgenheit in Gottes Hand.


Foto: privat