Neu im Vorstand: Rahel Thomas

Kategorie: Community


Rahel, Jahrgang 1975, ist neu in der Funktion, aber nicht bei EmwAg. 2007, bei der ersten Tagung auf dem Dünenhof, hat die Idee von EmwAg – Es muss was Anderes geben als Ehe und Familie – sie so stark inspiriert, dass sich ihr ganz neue Perspektiven eröffneten. Eigentlich  hatte ihr ursprünglicher Lebensplan durchaus  Ehe und Familie vorgesehen. Doch als Rahel mit Anfang 30 merkte, dass sich in dieser Hinsicht nichts ergab, machte sie sich mit der Spurgruppe von EmwAg auf die Suche, wie das Andere denn aussehen könnte. Sie hielt Ausschau nach anderen klassischen Singles, um sich mit ihnen in einer WG zusammenzutun. Trotz einiger Interessenten fand man nicht wirklich zusammen.

Aber bei Gott gibt es immer noch etwas ganz Anderes …! Rahel war mit einem Ehepaar aus ihrer Baptistengemeinde befreundet, das damals vier Kinder hatte. Bei einem gemeinsamen Schweden-Urlaub klopfte sie an, ob sich die Eheleute eine Lebensgemeinschaft mit ihr vorstellen könnten; ihre Freundschaft hatte sich über die Jahre immer weiter vertieft. Ein Werkstatt-Wochenende „Gemeinschaftliches Leben“ mit dem Ehepaar Widmer-Huber half, offene Fragen zu klären. Sie steckten den Rahmen ab: einen Nachmittag und Abend pro Woche, ein sonntägliches Mittagessen im Monat und einen Urlaub im Jahr wollten sie fortan gemeinsam verbringen und auch sonst das Leben miteinander teilen – soweit das auf die Entfernung (20 km) möglich war. Bald kristallisierte sich der Wunsch heraus, auch räumlich näher zusammenzu­rücken. Seit mehr als acht Jahren lebt Rahel mit der Familie nun in „Puschennähe“  – Wand an Wand in zwei Reihen­häu­sern.

Es gibt erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche

In den zehn Jahren schwankten Intensität und Nähe der Lebensgemeinschaft wie in jeder Beziehung, das gewachsene Vertrauen trägt, wenn’s mal knirscht und hakt. Wie sie als Single und die Familie miteinander das richtige Maß an Nähe dosieren sollten, war ihr gerade am Anfang eine große Frage. Ihr Bedürfnis nach Gemeinschaft erschien ihr so viel größer als das der Familie, die doch „an sich komplett“ sei. Dass auch sie als Single der Familie zum Segen werden könnte, musste sie erst langsam lernen. Mit dem 5. Kind sind alle noch mehr zusammengewachsen, essen täglich gemeinsam zu Abend und erfahren so intensiv voneinander. So ist in gewisser Weise auch Rahels Wunsch nach Kindern wahr geworden. Die Kids von nebenan essen und schlafen gelegentlich auch mal bei ihr im Haus, zwei Teenager wohnten sogar  mal ein Jahr ganz bei ihr.

Die neue Aufgabe im Vorstand von EmwAg  ist für sie noch eine Art Überraschungstüte. Es muss sich erst noch zeigen, findet sie, wie sie da ihre Gaben und Talente konkret einbringen kann – für den Verein genauso wie fürs Netzwerk. Mit der Vision von gemeinsamem Leben auch für Singles ist Solo&Co am Puls der Zeit, meint  Rahel. Das Bedürfnis nach gemeinschaftlichen Lebensformen sei eher noch am Wachsen, auch im Blick auf Ältere oder im Blick auf die Inklusion von Benachteiligten. Sie möchte Singles gern ermutigen, den Blick zu weiten dafür, welche Vielfalt an gemeinschaftlichen Lebensformen möglich ist und erste Schritte zu mehr Miteinander zu wagen. Das Netzwerk biete da schon ganz bunte und vielfältige Möglichkeiten für unterschiedliche Bedürfnisse, die bereichern könnten. „Ich wundere mich manchmal, warum manche befürchten, sie könnten sich durch das Netzwerk von Solo&Co vermeintlich um die Chance auf Ehe und Familie bringen.“ Es sei doch genau umgekehrt: Das Rücksicht-Nehmen und Sich-Einstellen auf andere Menschen in gemeinschaftlichen Lebensformen sei die beste Vorbereitung für die Ehe.

Auch wenn es nach wie vor Tage gibt, an denen sie sich einen Partner oder eine eigene Familie wünscht, fühlt Rahel sich mit ihrer Lebensgemeinschaft beschenkt. Sie zitiert Bonhoeffer: Es gibt erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche. Gerade hat die Lebens-gemeinschaft ihr zehnjähriges Bestehen mit einem großen Fest gefeiert. Es war allen wichtig, sich vor Kollegen und Nachbarn, Familienangehörigen und Freunden zu ihrer Zugehörigkeit in einem ungewöhnlichen Lebensmodell zu bekennen.

Für alle Singles mit der Sehnsucht nach mehr Miteinander ist Rahels Lebensgemeinschaft ein Leuchtturm im Meer der Bedenken.