Gott hat viele Facetten | Ulrike

Ulrike Odefey, 1. Vorsitzende von EmwAg e.V., schreibt über das, was Gott für sie und für uns ist, sein kann …

Heute habe ich einen sehr tiefgehenden Vortrag über Freundschaft gehört. Um drei Punkte ging es vor allem: Hast du Freunde? Freundschaft mit mir selbst. Freundschaft mit Gott. Gott will mein Freund sein – Begegnung von Herz zu Herz. Das hat mich tief bewegt, auch wenn mir der Gedanke nicht neu ist.

Gestern war die Losung: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jes. 66, 13) Gott will wie eine Mutter für uns sein. Gerade in der letzten Zeit erlebe ich, dass das Thema „Mutter“ für viele, die schon lange ihr Elternhaus verlassen haben, ein ganz zentrales ist.

Vor einigen Jahren gab es auf einer großen Konferenz ein prophetisches Wort, bei dem ich den Eindruck hatte, es ist für mich. Es beginnt: „Höre, meine Tochter, komme zu mir, ich habe Sehnsucht nach dir.“ Gott als mein Vater. Ein Gedanke, der in der Bibel oft vorkommt. Das von Christen auf der ganzen Welt oft gesprochene Gebet beginnt mit: „Vater unser“.

Im Hohen Lied geht uns um den Geliebten und die Geliebte, ein Bild für Israel und seinen Gott und vielleicht auch für die Gemeinde und ihren Gott und mich und meinen Gott. Ich gehöre meinem Geliebten, und sein Verlangen gilt mir. (Hohelied 7, 11) In Jesaja 54, 5 heißt es: Denn dein Schöpfer ist dein Ehemann, es ist Jahwe, der allmächtige Gott, dein Befreier.

Während ich das so innerlich für mich aufzähle – Gott als mein Freund, meine Mutter, mein Vater, mein Geliebter – kommt mir der Gedanke, dass möglicherweise alle diese Beziehungsebenen, die wir auf dieser Welt ganz konkret zwischenmenschlich erleben, die für uns lebenswichtig sind und deren Fehlen großen Einfluss auf unsere Entwicklung und unser seelisches Wohlbefinden hat, Abbilder und Facetten der Beziehung sind, die Gott mit uns haben möchte. Das, was wir in diesen Beziehungen stückweise in diesem Leben erleben, zeigt uns ansatzweise, wie die eigentliche Beziehung unseres Lebens, nämlich die zu unserem Gott, sein kann. Er möchte in umfassender, heiler, guter Weise unser Freund, unser Vater, unsere Mutter, unser Geliebter und vermutlich noch darüber hinaus der sein, der die tiefe Sehnsucht, die er in uns hineingelegt hat, stillen und erfüllen kann.

Damit sage ich nicht, dass wir keine zwischenmenschlichen Beziehungen mehr brauchen, weil wir ja alles in Gott haben. Wir sind für Beziehungen und Gemeinschaft geschaffen und vermutlich wird Gott das Loch in uns, dass nur durch andere Menschen gefüllt werden kann, auf dieser Erde nicht ausfüllen.

Und ich bin mir nicht so sicher, wie es mit der Sehnsucht nach eigenen Kindern steht, denn eine Bibelstelle, in der Gott als unser Kind vorgestellt wird, fällt mir nicht ein. Obwohl er selbst als hilfloses Neugeborenes in diese Welt kommt … und dann kann man sich überlegen, ob Jes. 54, 1–8 für uns als Singlefrauen oder andere Frauen, die keine eigenen Kinder haben, eine Bedeutung hat.

Jedenfalls bewegt es mich gerade, dass Gott das alles in einem und noch viel mehr für mich ist: Mutter, Vater, Freund, Geliebter – das ist ziemlich viel und trifft tiefe Sehnsüchte.