Festival: Nach Trennung das Leben neu umarmen

Die therapeutisch wie seelsorgerlich geschulte Ruthild Westdickenberg gab in einer moderierten Austauschrunde Hinweise, wie's gelingen kann ...

Es ging darum, nach Trennung und Scheidung das Leben neu zu umarmen. Insgesamt mehr als 20 Singles fanden sich ein, alle über 40 und oft schon lange geschieden, nur ein kleiner Teil steckte noch frisch in einer Trennung. Auch ein Trüppchen Männer war dabei. Das Austauschbedürfnis war enorm, alle gaben Anteil an ihrer Trennungserfahrung oder Umbruch­situation.

Die Emotionen müssten bewältigt, die rechtlichen wie finanziellen Fragen geregelt sein, bevor man sich nach Neuem ausstrecken kann, riet Ruthild. Sie stellte das Polaritätenmodell von Christoph Thomann vor, der an Fritz Riemann anknüpft. Das Koordinatensystem aus Nähe und Distanz, Dauer und Wechsel hilft dabei zu verstehen, worin Konflikte gründen können. Zwar lebt jeder diese Dimensionen aus, aber in unterschiedlicher Ausprägung; manchmal verändert sich die Priorität auch im Laufe eines Lebens. Die Unterschiedlichkeit, die am Anfang einer Beziehung magnetisch anzieht, wird im Laufe der Zeit nicht mehr als wertvolle Ergänzung wahrgenommen, sondern führt zu Konflikt.

Die Verarbeitung von Schmerz und das Loslassenmüssen auch von Unrecht, erlittenem wie zugefüg­tem, kann ein langer Weg sein, auf dem man auch steckenbleiben kann. Allein kommt man da oft nicht weiter. Zur Begleitung und Unterstützung verwies Ruthild nachdrücklich auf die kirchlichen Beratungsstellen. Es hilft, wenn Wut und andere negative Gefühle einen Ort finden, an dem auch zur Reflexion angeleitet wird. Denn Freunde sind damit letztlich oft überfordert.

Teilnehmerin Monika Wild, Sottrum, wurde durch das Gespräch nochmal „extrem deutlich“, wie dringlich der Begleitungsbedarf ist. Die Gemeinden nähmen Trennungen zwar wahr, so ihr Eindruck, seien aber oft hilflos, wie den emotional Gebeutelten, deren Welt zusammen­gebrochen ist, zu helfen ist. Sie hat es schon länger auf dem Herzen, mehr als 20 Jahre nach der eigenen Scheidung, anderen Betroffenen beizustehen. Das Buch „Auch getrennte Wege gehen weiter“ von Mauritz und Schnepper böten dafür eine gute Hilfestellung. Ruthild hatte dieses und andere Bücher zum Anschauen ausgelegt, ihre kommentierte Literaturliste ist im Download. Auch Udo Herz, Stade, gefiel die Möglichkeit zum Austausch und zum Abgleich der Erfahrungen: „Es hat mich beruhigt, weil ich sah, es geht anderen sehr ähnlich.“

Immer mal wieder begegnet man der Haltung „Eine Geschiedene kommt mir nicht ins Haus“, sogar bei selbst Geschiedenen. Das erschwert die neuerliche Partnersuche, nach der sich alle Teilnehmenden sehnten. So nahm die Frage breiten Raum ein: Wie finde ich einen neuen Partner?, worauf achte ich beim anderen? An der Schwelle von der aktiven Berufstätigkeit zur Rente erfährt die Partnersuche bzw. Gestaltung des Alters nochmal neue Brisanz.