Festival: Erstes Treffen der Andersbegabten

Die Solisten mit Handicap nutzten die Möglichkeit zum Austausch und zum Pläneschmieden ...

Marcella Möllinger, Berlin, und Jessica Junker, Gütersloh, hatten auf dem Festival ein Treff der Solisten mit Handicap organisiert. Neun Alleinlebende, zwischen Mitte 20 und Mitte 60, erzählten zunächst von ihren Diagnosen. Sie reichten querbeet von Autoimmunerkrankung über Geburtsfehler und Gendefekte bis hin zu erworbenen sowie psychischen Erkrankungen. Die medizinische und eigene Versorgung stellt für Gehandicapte eine besondere Heraus­for­derung dar. Alles, womit Singles sowieso kämpfen, potenziert sich bei den Handicapped. Keine Partnerschaft kompensiert das. Marcella etwa fehlt für einschneidende Therapie-Entscheidungen ein Gegenüber, das sich reindenkt, kontinuierlich mitgeht, Alternativen abwägen hilft.

Marcella und Jessica hatten einen Fragebogen vorbereitet, um die Wünsche abzufragen. Wichtige Anliegen sind: Kontakt halten, Austausch ermöglichen, vielleicht auch eine geschützte Datenbank, die die sensiblen Gesundheitsdaten und Handicaps sicher speichert. Wenn zwei, drei definierte Personen darauf Zugriffsmöglichkeit hätten, könnten neue Solisten besser vernetzt werden. Die Vision ist ein Peer Pool im Netzwerk. Das sind ExpertInnen für bestimmte Krankheiten aus eigener Betroffenheit, die ihr Erfahrungswissen nutzen, um anderen bei der Bewältigung hilfreich zur Seite zu stehen. Unklar ist noch, wie das unter Datenschutz­gesichtspunkten realisiert werden kann? Erhofft werden weitere Treffen und Seminare bei Großveranstaltungen von Solo&Co, um den Austausch und die Verstetigung des Kontaktes voranzubringen. Eine Teilnehmerin wünschte sich Infos über Hilfsmittel. Das gemeinsame Bedürfnis ist: Anerkennung dafür zu finden, dass die eigene Kraft, Energie oder Belastbarkeit nicht die eines Gesunden ist. Wie können Menschen mit einer spezifischen Begrenzung besser in Aktivitäten integriert werden? Auch die Frage der Berufung war Thema. Mehrere Teilnehmerinnen beklagten die langen Wege in Kirchheim, die eine extra Belastung darstellten.

„Ich bin begeistert und motiviert nach Hause gefahren“, sagt Jessica im Nachhinein. „Weil alle so offen waren, was nicht selbstverständlich ist bei einem so sensiblen Thema. Weil die Hoffnung auf Weiterentwicklung ist. Und weil auch noch andere das Interesse haben, da mitzugehen. Es war der richtige Zeitpunkt, um etwas anzustoßen!“ Entlastend war auch die Erfahrung, dass noch andere mit Handicaps kämpfen, auch wenn die nicht sichtbar sind. „Ich hatte ein Kairos-Gefühl, die Zeit ist reif“, sagt Marcella. Die Rückmeldungen der Teilnehmen­den waren durchweg ermutigend. „Alle waren froh, als Singles mit Handicap gesehen und gehört zu werden. Das war ein wichtiges Zeichen.“

Es gibt eine Bücherliste im Download, sie soll auch noch weitergeführt werden! Für Fragen, Anregungen oder Hinweise sind Jessica und Marcella über die gemeinsame Mailadresse andersbegabte@gmail.com zu erreichen.