Einsamkeit oder Alleinsein?

Sich einsam fühlen unter vielen Menschen oder allein sein und doch nicht einsam? Eine Bestandsaufnahme.

Wir können uns einsam fühlen unter vielen Menschen. Und wir können allein sein, und uns in keiner Weise einsam fühlen, sondern es genießen.

„Einsamkeit ist zunächst einmal nichts, was sich an der schieren Anzahl von Sozialkontakten ermessen lässt. Einsamkeit ist subjektiv“, so die Psychologin Susanne Bücker an der Ruhr-Universität Bochum (1). „Es ist diese Empfindung, ohne Verbindung zu einem anderen Menschen zu sein, kaum jemanden zu kennen, der einen versteht, der einen wirklich kennt, an den man sich wenden kann, der mit einem Zeit verbringt oder dessen Nähe man schätzt.“ (1)

Einsamkeit können wir in der gesamten Lebensspanne erleben: bei Ausgrenzung in Kindergarten oder Schule (oder Sonntagsschule), als Mobbing am Arbeitsplatz, wenn einen in der Gemeinde niemand anspricht, im hohen Alter, nach Verlust des Partners, bei Sprachlosigkeit in der Ehe, nach einem Umzug, bei Armut, bei Arbeitslosigkeit, bei hoher beruflicher Belastung, bei viel Medienkonsum …

10…20 % der Menschen in Deutschland leiden unter chronischer Einsamkeit. Hierbei sind besonders junge Erwachsene und sehr alte Menschen betroffen. Details finden sich in einer Stellungnahme für den Deutschen Bundestag. Recherchen zufolge soll jeder 10. Besucher einer Arztpraxis nicht krank, sondern einsam sein.

Einsamkeit löst Scham aus

Einsamkeit ist vergleichbar mit Schmerz, und Experimente zeigen, dass in Situationen, in denen Menschen ausgegrenzt werden, im Gehirn die gleiche Region angeregt wird wie bei körperlichem Schmerz. (2) Einsamkeitsgefühle haben also möglicherweise genauso eine Signalfunktion, dass etwas nicht stimmt, wie körperlicher Schmerz.

Einsamkeit ist Stress, möglicherweise, weil es eine Situation ist, über die ich meine, keine Kontrolle zu haben. Der Stress engt den Denkhorizont ein.

Einsamkeit kann ansteckend sein. „Einsame Menschen werden von anderen seltener als Freunde benannt und benennen auch selbst seltener andere als Freunde. Das bedeutet, dass Einsamkeit sowohl eine Ursache als auch eine Folge von sozialer Isolation ist.“ (3)

Einsamkeit kann Krankheiten fördern (es gibt Hinweise auf vermehrtes Auftreten von erhöhtem Cholesterinspiegel und Diabetes, Herz-Kreislauf-Problemen und Übergewicht). Einsame gehen öfter zum Arzt, bewegen sich weniger, nehmen mehr Schmerzmittel und Antidepressiva ein und sind doppelt so oft Raucher wie Nicht-Einsame. Das Risiko für eine Depression ist doppelt so hoch wie bei anderen, und auch das für Angsterkrankungen und Suizidgedanken ist erhöht. (4)

Es gibt einsame Menschen, die ein verändertes Verhalten zeigen: Sie sind wachsam, taxieren andere Menschen misstrauischer und können die non-verbalen Signale anderer Menschen schwerer interpretieren.

Einsame Männer zeigen ihre Einsamkeit weniger als Frauen, leiden aber deutlich häufiger und können schlechter damit umgehen, wenn die Partnerin fehlt. (5)

Hm, insgesamt eine ernüchternde Bilanz! Und wichtig, dass wir uns damit beschäftigen, darüber reden, damit Einsamkeit nicht ein Scham-Thema bleibt – gerade für uns bei Solo&Co! Viele von uns haben ein erhöhtes Einsamkeits-Risiko. Und andererseits ist ja eins unserer großen Themen „Gemeinschaft“.

Wie gesagt, Einsamkeit ist ein Gefühl und nicht in erster Linie abhängig von der äußeren Situation. „Es gibt Menschen, die fühlen sich einfach schneller einsam als andere, unabhängig davon, wie viele enge soziale Kontakte sie tatsächlich pflegen.“ - so Marcus Mund vom Institut für Psychologie an der Friedrich- Schiller-Universität Jena. „Menschen, die emotional empfindsamer sind, sich mehr Sorgen machen, eher traurige und negative Gefühle erleben, fühlen sich öfter einsam.“ (6)

Was können wir also tun? Denn ohne dass wir aktiv werden, wird möglicherweise nichts Hilfreiches passieren…

Einige Gedanken (und nicht eine 10-Punkte-Liste, wie das Problem problemlos, umfassend, schnell und dauerhaft zu lösen ist. Das gelingt nämlich nicht – wir alle werden immer wieder Einsamkeit erleben!):

  • Mir klar machen und zugeben, dass ich mich einsam fühle! Mir meine Situation angucken.
  • Mich fragen: Wer bin ich? Was macht mir Freude, tut mir gut, genieße ich, wollte ich schon immer mal machen? Welche Wege gibt es, diese Dinge tatsächlich zu tun?
  • Mehr Zeit für Beziehungen schaffen: „Noch ein weiterer gesellschaftlicher Grund wird im Diskurs über Einsamkeit häufig erwähnt: zu wenig Zeit. Deshalb schlägt der Arzt und Journalist Jakob Simmank in seinem vor Kurzem erschienenen Buch Einsamkeit eine 32-Stunden-Woche vor. So hätten wir mehr Zeit und Kraft, um uns intensiven Kontakten zu widmen.“ (7)
  • Analoge Begegnungen suchen, nicht digitale. Kontakt nur digital kann das Gefühl von Einsamkeit verstärken.
  • Qualität, nicht Quantität: Es geht nicht in erster Linie um viele Kontakte, sondern um tiefe, erfüllende.
  • Verletzlichkeit: Bin ich bereit, mich zu öffnen, mein Herz zu zeigen, zu sagen, wie es mir geht? Z.B. zuzugeben, dass ich einsam bin? Für enge, vertraute Beziehungen ist es unerlässlich, Verletzlichkeit zu zeigen, wenn wir uns anderen Menschen zugehörig fühlen und Mitgefühl erfahren wollen. (8)
  • Genauso wichtig ist Offenheit für andere, Interesse an dem, was ihnen wichtig ist, was sie bewegt, wie sie „ticken“. Einfühlungsvermögen.
  • Und jetzt noch etwas sehr Tiefgehendes, das wir nicht einfach „machen“ können, aber das wachsen kann, was Jesus in uns wirken kann: Selbstvertrauen. Bei mir selbst zuhause sein und den anderen nicht brauchen zur Selbstbestätigung und als Stütze. „Ich glaube, dass innere Freiheit die Grundvoraussetzung von wirklich engem Kontakt ist. Erst wenn es gelingt, in sich selbst eine Heimat zu finden, kann eine tiefe Verbundenheit mit anderen entstehen.“ (9)
  • Alleinsein genießen! Zeit alleine kann eine Ressource sein, die ich als wohltuend und heilsam erlebe. In der ich zur Ruhe komme, sich die Gedanken und Gefühle sortieren und in der sich die Sinne schärfen und die Empfänglichkeit für Schönes größer wird. In der ich mich selbst und mein Leben besser wahrnehme. Und das Reden des Heiligen Geistes zu mir, wenn ich ihn suche! Jesus hat übrigens offensichtlich auch immer wieder das Alleinsein gesucht … und war dabei nicht allein!

Ulrike Odefey (1. Vorsitzende von EmwAg e.V)

 

Quellenangbaben:

  1. Psychologie Heute Juli 2020 S. 70 ff. Artikel „Kein Anschluss“ von Jana Hauschild
  2. Manfred Spitzer, Einsamkeit – die unerkannte Krankheit, S. 46 ff.
  3. Ebd. S. 90
  4. Psychologie Heute Juli 2020 S. 74 Artikel s.o.
  5. Irene Widmer-Huber, Zu viel allein ist ungesund, S. 47 ff.
  6. Psychologie Heute Juli 2020 S. 72 Artikel s.o.
  7. Psychologie Heute Januar 2021 S. 16 Artikel „Sich öffnen“ von Lisa Auffenberg und Anne Kratzer
  8. Ebd. S. 19
  9. Ebd. S 22

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