Christliche Singles

Wir haben das Buch gleich nach Erscheinen vorgestellt. Hier kommt Uta Bornscheins Leseerfahrung. Sie ist beglückt.

Seit Jesus ist die Fülle des Lebens nicht an Lebensstand oder Beziehungsstatus gebunden, sondern einzig an ihn. Hier öffnet sich eine Perspektive, die in Verkündigung und Seelsorge weithin noch nicht wirklich umgesetzt wird, schreibt Astrid Eichler, Pastorin und Geschäftsführerin des Single-Netzwerkes Solo&Co in ihrem Kommentar zu den Ergebnissen der empirica Singlestudie. Bereits im Vorwort von Ekkehart Vetter, dem 1. Vorsitzenden des Deutschen Evangelischen Allianz, findet sich eine bemerkenswerte Feststellung: Theologisch haben wir allen Grund, das Singlesein wertzuschätzen und Ehe und Familie nicht als die einzige und allein zu empfehlende Lebensform darzustellen. Da wird schon deutlich: Die Singlestudie beleuchtet ein bedeutendes Thema und schlägt zugleich einen neuen Ton an.

Die Singlestudie untersuchte, was es bedeutet, heute als ChristIn und Single zu leben, welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind und wie die Betroffenen diesen begegnen. 3235 christliche Singles im deutschsprachigen Raum beantworteten den Online-Fragebogen, 15 von ihnen wurden persönlich interviewt.

Tobias Künkler, Tobias Faix und Johanna Weddigen haben die Studienergebnisse für dieses Buch gründlich und umfassend aufbereitet. Sechs Kapitel beleuchten bedeutsame Aspekte der Thematik: Das Leben von Singles in Deutschland, Lebenszufriedenheit, Glaube und Gemeinde, Alltagsgestaltung, Sexualität, Partnerwunsch und Partnersuche. Zwischen den Kapiteln finden sich Porträts von einzelnen interviewten Singles. Das haucht den Zahlen und Statistiken Leben ein, gibt ihnen Farbe und Anschaulichkeit. Hervorzuheben ist, dass die Autoren weder in der Studie noch in der Ergebnispräsentation brisante Themen aussparten. Das macht die Studie besonders wertvoll und auch spannend. Die Erläuterungen der Studienergebnisse werden durchgängig durch zahlreiche aussagekräftige Grafiken veranschaulicht und mit Zitaten aus den Interviews ergänzt – auch das belebt. Durch die gründliche und nachvollziehbare Darstellung der Studienergebnisse hat das Buch durchaus wissenschaftlichen Charakter; es lässt sich dennoch mühelos lesen. Nach dem Fragebogen der Studie im Ganzen sucht der Leser leider vergeblich – schade.

Kapitel 7 entwirft eine Typologie christlicher Singles nach den Kriterien Alter, Geschlecht und Zufriedenheit. Die acht Typen werden jeweils kurz charakterisiert, u. a. mit soziodemografischen Daten und ihrem Sozial- und Glaubensleben.

Im Abschlusskapitel fassen die drei Autoren die wichtigsten Erkenntnisse und Konsequenzen aus der Studie zusammen. Sie tun dies nicht in festgezurrten Sätzen und miteinander abgestimmter Argumentation, sondern im lebhaften mündlichen Austausch zu einzelnen Thesen. Tobias Faix beginnt mit: Viele christliche Singles sind mit ihrem Leben grundsätzlich in vielen Bereichen zufrieden, leiden aber stark an ihrer Partnerlosigkeit. Hier hätte die Rezensentin gerne eine Frage eingeworfen: Leiden viele Singles eventuell weniger an ihrer Partnerlosigkeit als vielmehr am Mangel vertrauter Beziehungen? Ohnedies wäre sie gerne dabei gewesen bei diesem interessanten „Trialog“. Das Gespräch sprüht vor Lebendigkeit und vereint Wahrhaftigkeit mit Spontaneität. Es ist eine Perle und unbedingt lesenswert! Das Gespräch betont nochmal wichtige Aspekte und Themen: Warum fühlen sich viele Singles mit ihren Themen und Fragen im Gemeindeleben und in Predigten nicht wahr- und ernstgenommen? Wenn Gott doch eigentlich ein Fan von Gemeinschaft ist, warum lässt er so viele Singles zu? Es geht um Geschlechterunterschiede und Rollenbilder. Sehen Kirchen- und Gemeindeleitungen die geistliche Verantwortung für die Alleinlebenden? Welche Strukturveränderungen wären dann hilfreich? Das Abschlusskapitel arbeitet zentrale Aspekte heraus und ist bedeutsam für VerantwortungsträgerInnen in Gemeinden und Verbänden wie auch für die Singles selbst und die Verständigung beider Seiten miteinander.

Schließlich wird das Buch abgerundet durch Kommentare von Dr. Michael Diener, Präses des Gnadau­er Verbandes, und Lena Schneider, Psychologin und Initiatorin einer Singlearbeit in ihrer Gemein­de sowie Astrid Eichler von Solo&Co. In Eichlers Beitrag finden sich u.a. theologische Betrach­tungen zum Singlesein und Fragen an die Gemeindeleitungen.

Mein Fazit: Die Studie war „dran“, und das Buch dazu ist gelungen und grundlegend. Ansgar Hörsting, Präses Bund Freier evangelischer Gemeinden Deutschland, resümiert völlig richtig: Diese Studie ist wie eine riesige Lupe, durch die ich mir das Denken und Leben von wunderbaren Menschen mit ihren ganz eigenen Fragestellungen anschaue. Interessant, respektvoll und Horizont erweiternd. Jeder, der an Menschen interessiert ist, sollte das Buch lesen.

Tobias Künkler, Tobias Faix, Johanna Weddigen: Christliche Singles. Wie sie leben, glauben und lieben. Das Buch zur empirica Singlestudie.Verlag SCM R. Brockhaus 2020. 256 Seiten, 29,99 Euro.

Leseprobe