Auf erstaunliche Weise wunderbar geschaffen … | Patricia

Wunderbar geschaffen – auf Eva-Maria Admiral trifft das zu, auch wenn sie nicht immer davon überzeugt war. Kommt dir das bekannt vor?

Eva-Maria Admiral und Annette Friese haben in „Schön ohne aber“ 25 Lebensgeschichten gesammelt, die den Weg vom Körperhass über die -scham zur Körperliebe nachzeichnen. Mit dem Ich-bin-nicht-attraktiv-genug kämpfen übrigens nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer. Das hat gerade die Single-Studie der CVJM-Hochschule herausgefunden. Eva-Maria Admiral kennt man als langjährige Schauspielerin des Wiener Burgtheaters und heute aus Bühnen­programmen allein oder mit ihrem Mann, als ehrliche Autorin und kreative CD/DVD-Produzentin.

Was das Thema Körperhass mit ihrem eigenen Leben zu tun hat, enthüllt Eva-Maria Admiral gleich zu Anfang, wenn sie schreibt: „Als Kind merkte ich sehr früh, wie entscheidend es in dieser Welt ist, als Mädchen dünn und hübsch zu sein. In unserer Familie war es ganz wichtig, dass eine Frau niemals dick wurde oder mehr als Kleidergröße 36 trug. Wer das nicht schaffte, galt als undiszipliniert, unprofessionell und schwach. Meine Mutter wog auch in ihrer Schwangerschaft nie über 43 Kilo und ich kam drei Monate zu früh auf die Welt – völlig unterernährt, fast verhungert. Mit der Pubertät entwickelte sich der Kreislauf aus Essen, Nichtessen, Überessen, Hungern und Essen bis der Magen fast platzte.“ Ihre Heilung begann mit der Hinwendung zum Glauben. An ihrem langen und steinigen Weg, sich mit ihrem Körper zu befreunden, lässt sie den Leser auf berührende Weise teilhaben.

Was das mit uns Singles zu tun hat? Die Arenberger Dominikanerin Schwester Ursula Hertewich erzählt im Buch: „Schlagartig wurde mir klar, warum ich mich in manchen Lebens­situationen so verlassen fühlte! In dem Moment, in dem ich mich selbst nicht ertra­gen kann, lasse ich automatisch auch keinen anderen an mich heran – weder Gott noch Menschen.“ Sich schwer mit dem eigenen Äußeren zu tun und deshalb unbewusst Kontakte abzublocken, ob das nicht auch Alleinlebende kennen?

Nicht nur Admiral und Friese, sondern auch andere prominente Christenmenschen wie Judy Bailey, Christina Brudereck, Déborah Rosenkranz, Maria Prean-Bruni, Sefora Nelson erzählen, wie schwer es fallen kann, den eigenen Körper in seinem Sosein anzunehmen, zu mögen, gar zu lieben. Abwertende Bemerkungen im Elternhaus oder hänselnde Klassenkameraden, unglückliche erste Liebeser­fahrun­gen, aber auch Missbrauch können zum immerwährenden Vergleich mit anderen führen. Und weil der so oft zuungunsten des eigenen Körpers ausfällt, wird er abgelehnt, schamvoll verhüllt oder sogar geschädigt. Das bleibt nicht ohne Folgen auf die Partnersuche und das Leben. In den Geschichten von David Kadel und Thomas Joussen kann man nachlesen, dass das nicht nur ein Frauending ist ...

Nun könnte der Eindruck entstehen, das Buch sei der weinerliche, selbstmitleidige Klage­gesang hässlicher Entlein, die mit zu vielen Kilos kämpfen, dem ewigen Stottern oder einer Behinderung. Das Gegenteil ist der Fall: Das Buch ermutigt und beglückt auf jeder Seite. Die bunten und ehrlichen Lebenszeugnisse jüngerer wie älterer Menschen erzählen davon, wie auch Brüche im Leben, Narben, tiefe Verletzungen und Erkrankungen heilen können. Immer hat der Glaube seinen Anteil daran. Eva-Maria Admiral hat ein Schatzkästlein zusammengestellt aus richtigen Fragen und hilfreichen Anregungen, aus inspirierenden Bibelzitaten und liebevollen Tipps. Sie stellt Ergebnisse der Hirnforschung vor, die belegen, dass Veränderungen im Selbstbild durchaus möglich sind, auch wenn man längst erwachsen ist. Admirals Brief an ihr jüngeres Ich oder ihre Strategien gegen selbstschädigendes Verhalten [zum Download rechts oben eingestellt] zeigen, wie es tatsächlich zu schaffen ist, sich mit dem eigenen Körper anzufreunden. Der Berliner Fotograf Darius Ramazani gibt den Erzählerstimmen ein Gesicht. Seine schwarz-weißen Porträts zeigen keine hässlichen Entlein, sondern selbst­bewusste, fröhliche Schwäne.

Das Buch ist grafisch leicht und abwechslungsreich gestaltet, Zwischenüberschriften und farblich unterlegte Passagen ziehen beim Blättern ins Buch.

Wenn du Psalm 139,14 „Wunderbar gemacht“ im Schlaf aufsagen kannst und dennoch im Licht des Tages daran zweifelst, ist dies genau das richtige Buch für dich.

SCM Hänssler, 2020, Klappenbroschur, 224 Seiten, 19,99 Euro

Foto: Darius Ramazani