Single-Frau in Asien: neue Lebenslektionen

„Einsamkeit – ein Fremdwort!“ – so hat sich Sabine* nach Asien aufgemacht. Als gesellige Person wohl kein Problem…

Solo&Co weltweit: Als Single-Frau in Ostasien - neue Lebenslektionen

„Einsamkeit – ein Fremdwort!“ – mit diesem Empfinden hat sich Sabine* nach Asien aufgemacht. Als gesellige Person in einer Kollektiv-Gesellschaft wohl kein Problem…

Sabine berichtet: „Vor diesem Einsatz hatte ich schon jahrelang in meiner Wahlheimat China gearbeitet. Damals war ich Sprachdozentin an einer kleinen Universität mit Wohnheimzimmer auf dem Campus. Ich war ständig umgeben gewesen von Studierenden, Kollegen und Kolleginnen, von Menschen aus allen Kontinenten. Um Freundschaften hatte ich nicht werben müssen, um Vertrautheiten nicht zu buhlen – sie waren einfach da gewesen, um im Laufe der Jahre intensiviert zu werden. „Einsamkeit“ war für mich eine vergessene Vokabel geworden.

Nun begann 2018 ein neuer Einsatz mit frischem Enthusiasmus. Der Ausreise gingen Wochen und Monaten voraus, in denen ich für Freundschaften zu Einheimischen im Gastland gebetet hatte. Ich kehrte zwar zurück, aber in eine noch unbekannte Großstadt als Sprachschülerin an einer kleinen Sprachschule. Dabei lebte ich in einem der typischen Wohnviertel in chinesischer Nachbarschaft und stürzte mich ab Tag eins in die Bekanntschaften: „Menschheit, ich komme!“

In der Zwischenzeit war ich aber ein Jahrzehnt älter und musste feststellen, dass ich fast überall Alleinstellungsmerkmale hatte: In den verschiedenen Teams war ich die einzige Single-Frau der Generation X, an der Sprachschule war ich zeitenweise die einzige Deutsche und wurde nicht so schnell warm mit den Lehrerinnen – trotz gleicher Gesinnung. In der chinesischen Gesellschaft fühlte ich mich als glückliche ledige Frau oft exotisch und musste immer wieder Fragen zu diesem ungehörten Umstand beantworten.

An dieser Stelle möchte ich aber nicht übersehen, dass ich ein Jahr lang eine gleichaltrige Mitbewohnerin hatte, mit der mich einiges verband und es gleichzeitig anderes gab, worin wir uns ergänzten. Auch unter anderen Expats gab es viele nette, freundliche Bekanntschaften auf Zeit.

Nach ein paar Monaten dämmerte es mir, dass ich mich viel bewusster um Freundschaften zu Einheimischen bemühen musste, wenn ich Gemeinschaft mit ihnen wollte. Außerdem merkte ich, dass dies gar nicht so einfach werden und vor allem länger dauern würde, als ich mir vorgestellt hatte: Die Frauen, mit denen ich im Park Gymnastik machte, waren alle älter als ich. Die meisten hatten Berufe und/oder Enkel. Die Mitschülerinnen und Mitschüler an der Kalligraphie-Schule waren einzelne Teenies.

Wo waren eigentlich die Single-Frauen meiner Generation? Ich musste feststellen, dass sie in Familie und Beruf eingespannt waren. Die Freiräume oder Orte, an denen sie sich trafen, kannte ich nicht. Dazu kam eine Zerrissenheit wegen meiner Sprachkenntnisse. Ich wollte mich gerne über tiefe Themen unterhalten, über das, was die Frauen meines Alters beschäftigt… aber mein Chinesisch auf Grundschulniveau reichte dazu nicht.

Es dauerte Monate und sogar Jahre, bis ich zwei, drei festere Bezugspersonen kennengelernt und Freundschaft zu ihnen aufgebaut hatte bzw. Vertrauen entstehen durfte. Ich habe in jener Zeit neu gelernt, wie sich Einsamkeit anfühlt. Insgeheim war ich in jener Zeit sogar auch ein wenig dankbar, dass ich dieses Gefühl noch einmal spüren konnte. Ich hatte schon vergessen, wie sich das anfühlt – nun habe ich wieder mehr Empathie mit Einsamen.

Eine Freundschaft fiel mir zuletzt doch zu: Eine ältere Sprachlehrerin, von der ich schon lange dachte, dass wir auf einer Wellenlänge lägen, sagte plötzlich kurz vor der Winterpause: „Im nächsten Semester können wir Freundinnen sein“.

Corona machte aus einem kurzen Deutschland-Besuch einen längeren Heimataufenthalt mit Warten auf die Möglichkeit der Rückkehr nach China. Ich bin gespannt, wann ich wieder ausreisen kann und welche Beziehungen zu Einheimischen mir geschenkt werden.

Sabine* (Name von der Redaktion geändert)

COSTBARE MOMENTE SIND AUCH MANCHMAL COSTSPIELIG - VIELEN DANK FÜR DEINE UNTERSTÜTZUNG!

 

UNTERSTÜTZE SOLO&CO DURCH EINKÄUFE. OHNE MEHRKOSTEN FÜR DICH! 

Solo&Co unterstützen, ohne dafür Geld auszugeben? Geht ganz einfach!

Denn unser Trägerverein EmwAg e.V. ist beim Charity-Portal Gooding angemeldet. Jeder, der über Gooding.de bei einem der mehr als 1.500 dort gelisteten Online-Händler einkauft, verschafft damit EmwAg eine kleine Prämie. 
Der Einkauf kostet keinen Cent mehr. Denn die Händler zahlen die Prämien. Coole Idee oder? Ein Kurz-Film erklärt die Gooding-Idee kurz und knapp. Jeder Cent zählt.

 

||   ACHTUNG: Zum Einkaufen und Gutes tun bei Amazon gehe nicht über gooding, sondern nutze den Link zu  smile.amazon.de   ||

WERDE TEIL DER COMMUNITY Stöbere auf unserer Homepage und entdecke wertvolle Infos. Schau auf der Landkarte nach, wo du Anschluss in deiner Nähe finden kannst. Melde dich zu einer Veranstaltung an. Abonniere unseren Newsletter. Also: Werde aktiv!