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Weltweit – Mit Gott über Mauern springen…

Früher nie gereist, fand sich Esther Rauen plötzlich alleine in Uganda, später in Laos. Gerade als Singlefrau in anderen Kulturen erlebte sie dabei die Hilfe Gottes.

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen – dieser Satz aus dem Kinderlied (bzw. aus Psalm 18) ist sicherlich vielen von euch bekannt. Immer wieder hatte ich in meinem Leben den Eindruck, vor einer hohen Mauer zu stehen, vor Aufgaben, die mir eine Nummer zu groß erschienen. So ging es mir z.B. als ich 2005 vor meinen ersten Auslandseinsatz stand.

Meine Familie war nie viel gereist, ich bin nur ein einziges Mal selbst im Ausland gewesen. Und nun hatte ich mir vorgenommen, mit 26 Jahren ganz alleine nach Uganda zu gehen und mich dort um Kinder mit schwerer Mangelernährung zu kümmern. Würde ich das schaffen? Habe ich Gottes Ruf richtig gehört? Ein Jahr erschien mir damals so unendlich lang. Doch am Ende wurden daraus 2,5 Jahre und der starke Wunsch war gewachsen, nach einem Aufbaustudium für länger zurück nach Afrika zu gehen. Es war keine einfache Zeit in Uganda – viel zu viele Begegnung mit schwerem Leid und Tod für eine junge Single-Frau – aber Gott hat mich durchgetragen und ich durfte unheimlich viel lernen und im Glauben wachsen.

Dann stand die nächste „Mauer“ vor mir: Ich hatte mich für ein Masterstudium in International Health entschieden, nur hatte ich weder das nötige Geld noch die Gewissheit, ob ich als Diätassistentin mit Pädagogik-Fernstudium mit den vielen Ärzten und anderen Kommilitonen mit viel höheren Abschlüssen mithalten könnte. Und auch diesmal durfte ich wieder erleben: Gott versorgt, wenn wir uns ihm hingeben und er befähigt, wenn er uns in Aufgaben stellt.

Auf der Suche nach einer neuen Stelle im Ausland, kam ich schließlich zu Coworkers Fachkräfte (damals noch Christliche Fachkräfte International). Im Vorstellungsgespräch wurde mir aber nicht die erhoffte Stelle in Afrika angeboten, sondern mir wurde Laos vorgeschlagen. Ein kleines Binnenland in Südost-Asien. Streng kommunistisch. Starke Christenverfolgung. Zwei neue Sprachen lernen (ich bin schwerhörig!). Die Leitung von einem Dorfentwicklungsprojekt mit ca. 10 einheimischen Mitarbeitern übernehmen. Alleine für 3 bis 6 Jahre in einer Stadt am „Ende der Welt“ leben.

Kann das Gottes Auftrag für mich sein? Wie soll ich das schaffen? Aber Gott sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Vertraust du mir?“ Also habe ich den Schritt gewagt – und habe es nie bereut. Es waren wieder keine einfachen Jahre, aber es sind Erfahrungen und Begegnungen, die mich tief geprägt und verändert haben. Ich bin heute so dankbar dafür, dass ich das alles erleben durfte! Was für ein unglaublicher Schatz!

Und schließlich stand ich noch einmal vor einer hohen Mauer: Kurz vor Ende meiner Einsatzzeit kam die Anfrage von Coworkers Fachkräfte, ob ich ins Heimatbüro wechseln und dort als Projektmanagerin einsteigen könnte. Hauptaufgabe würde die Betreuung und Beratung der Mitarbeiter im Ausland sein sowie die Entwicklung von neuen Einsatzstellen in verschiedenen Ländern Afrikas und Südost-Asiens.

Eigentlich hatte ich geplant, weiter im Ausland zu bleiben, aber je mehr ich diese Frage im Gebet bewegte, desto klarer wurde mir, dass dies der nächste Schritt für mich sein sollte. So darf ich nun seit Mai 2016 in einem tollen Team in Stuttgart arbeiten und jeden Tag erfahren, was es bedeutet, Teil der weltweiten Gemeinde Gottes zu sein.

In unseren Vorbereitungsseminaren für neue Auslandsmitarbeiter leite ich eine Gesprächsrunde für Singles. Unsere Herausforderungen sind oft ganz andere als die von Familien, aber es gibt auch echte Chancen. Wichtig finde ich, dass wir uns beides bewusst machen und dadurch einen guten Umgang mit den Herausforderungen finden. Dabei merke ich immer wieder, wie wertvoll es ist, aus eigener Erfahrung sprechen zu können.

Was sind die größten Herausforderungen von Singles im Auslandseinsatz – gerade bei den großen kulturellen Unterschieden?

Das Thema Einsamkeit steht auch im Ausland oft an erster Stelle. In den meisten Entwicklungsländern gibt es viel weniger Unverheiratete als in Deutschland und durch die oft traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist es schwer, Zeit mit gleichaltrigen Frauen zu verbringen. Für Männer ist es da etwas einfacher.

Ein anderes Thema ist gesellschaftliche Stellung als unverheiratete Person: In manchen Kulturen wird man gar nicht für voll genommen oder muss man sich seine Stellung mühsam erarbeiten (graue Haare sind da übrigens ein großer Vorteil!).

Auf der anderen Seite haben wir als Singles die Chance, richtig tief in die fremde Sprache und Kultur einzutauchen und Dinge zu wagen oder an Orte zu gehen, die man Familien mit Kindern nicht zumuten würde.

Was die Zukunft wohl für mich bringen wird? Vielleicht ist es gut, das noch nicht zu wissen. Hätte mir 2005 jemand gesagt, was ich heute mache, hätte ich wahrscheinlich nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Aber Gottes Wege sind höher als unsere und erst im Rückblick erkenne ich, wie wunderbar Gott alles vorbereitet und geführt hat.

Esther Rauen, Stuttgart-Leinfelden