Weltweit: In all dem Wandel bleibt ER

Unsere Arbeit besteht darin, Kindern aus den Armenvierteln Nachhilfe in Englisch, Mathematik und Lesen/Schreiben zu geben. In Zukunft hoffen wir, auch Eltern-Kurse anbieten zu können – denn Bildung wirkt am stärksten, wenn sie die ganze Familie erreicht. Zurzeit unterrichten wir an vier verschiedenen Orten und können so viele Kinder erreichen. Ein weiterer Teil unserer Arbeit ist das Evangelisieren – manchmal direkt vor einer Unterrichtseinheit, manchmal auf der Straße oder im Gefängnis. Wir bereiten kurze Andachten, Spiele, kleine Theaterstücke und Unterrichtseinheiten vor und führen sie gemeinsam durch.
„Wie ist es eigentlich für dich, jedes Jahr neue Freiwillige zu haben?“ Diese Frage stellte mir im letzten Jahr eine Volontärin, die gekommen war, um Gott ein Jahr ihres Lebens zu geben. Ihre Frage hat mich länger beschäftigt, denn unsere Missionsarbeit in San Jose in Costa Rica, wo ich schon seit sieben Jahren arbeite, lebt nicht nur von Programmen oder Strukturen, sondern vor allem von Menschen, die kommen, bleiben, wachsen und – sobald sie vieles können – weiterziehen.
In diesem Artikel möchte ich teilen, wie sich dieses Leben mit ständig wechselnden Freiwilligen wirklich anfühlt, gerade für mich als Single in einer so ganz anderen Kultur: in Momenten, die tragen, in Situationen, die herausfordern, und in den kleinen Augenblicken, in denen ich spüre, warum der Einsatz all das wert ist.
Jedes Jahr verändert sich das Gesicht unserer Lebens- und Dienstgemeinschaft: neue Persönlichkeiten, neue Geschichten, neue Dynamiken, auf die ich mich einstellen und einlassen muss. Jedes Jahr lebe und arbeite ich mit neuen Menschen zusammen. Für mich bedeutet das eine Mischung aus Vorfreude, Neugier, Überraschungen – und manchmal auch Abschiedsschmerz.
Es ist bereichernd, inspirierend und oft wunderschön, aber es fordert mich auch immer wieder heraus, gerade als ledige Missionarin. Oft wirken Aufgaben sehr überfordernd, sei es Reparaturen am Haus oder mit dem Auto, da wäre es sicher einfacher, sich diese Aufgaben teilen zu können, doch der Herr stellt immer wieder die passenden Helfer zur rechten Zeit bereit. Singlesein ermöglicht mir vieles, das in einer Ehe oft nicht so leicht umzusetzen ist.
Besonders dankbar bin ich dieses Jahr für unsere Freiwilligengruppe: Sie arbeitet unglaublich selbständig, denkt mit und ist zielstrebig. Es wird über alles diskutiert und gesprochen. Das erleichtert vieles – und macht die gemeinsame Arbeit richtig schön.
Doch das ist nicht jedes Jahr selbstverständlich. Es gab auch Zeiten, in denen vieles nicht so lief, wie es hätte sein sollen. Dann lag mehr auf meinen Schultern, als ich tragen konnte. Aber gerade in diesen Momenten durfte ich lernen, dass der Herr der Einzige ist, der all meine Lasten trägt und mich wirklich versteht. Vor allem dann, wenn die Kinder angelaufen kommen, mich voller Freude begrüßen und umarmen, werden all die Schwierigkeiten nebensächlich. Auch die kleinen Veränderungen, die im Laufe der Jahre in ihrem Leben sichtbar werden, zeigen mir, dass diese Arbeit all die Mühe wert ist.
In all dem Kommen und Gehen, in all den Veränderungen, Herausforderungen und Neubeginnen habe ich eines gelernt: Nicht die Stabilität äußerer Umstände trägt diesen Dienst, sondern die Treue Gottes mitten darin. Menschen wechseln, Aufgaben verändern sich, und jedes Jahr schreibt seine ganz eigene Geschichte – doch ER bleibt derselbe. Ein dankbares Herz für jedes Jahr, jede Begegnung und jeden Moment, in dem ich erleben darf, dass Gottes Wirken größer ist als meine Möglichkeiten. Und genau deshalb wage ich auch das nächste Jahr wieder neu: voller Vertrauen, dass ER bleibt, auch wenn alles andere sich verändert.
Estera Damsa


