Zum Hauptinhalt springen

(Un)erfüllte Träume – aber auf Gott ist Verlass

Estera Damsa stammt aus einer christlichen Familie in Rumänien. Nach der Ausreise nach Österreich kamen Fragen nach Ehemann, Arbeit, Mission…

Als ich als Kind darüber nachdachte, was ich einmal werden wollte, kam mir die Idee, eine Nonne zu werden, um Gott mit meinem ganzen Leben anzubeten. Als ich zehn Jahre alt war, floh mein Vater aus religiösen Gründen aus dem damals kommunistischen Rumänien, acht Monate später folgte ihm meine Mutter nach Österreich. Sie ließen uns bei unseren Großeltern zurück, bis wir ein Jahr später auch ausreisen durften.

Ich erinnere mich, dass ich als Kind gerne in die Gemeinde gegangen bin. Mein Großvater veranstaltete dort Wettbewerbe für die Kinder mit Bibelversen und ich wollte unbedingt den ersten Preis gewinnen – eine Bibel!

In Österreich bekam ich in der Gemeinde eine Bibel, so wie ich es mir sehnsüchtig gewünscht hatte. Ich fing an, jeden Tag in Gottes Wort zu lesen. Als ich zum Johannes-Evangelium Kapitel 8 kam – die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde – prüfte mich der Herr. In dieser Stelle sah ich die Pharisäer, die vorgaben, keine Fehler zu machen, und ich sah die Frau, die in Unzucht gefangen wurde, angeklagt. Alle standen vor Jesus. Aber Jesus sagte ihnen: „Wenn jemand ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Ich war immer meinen Eltern gegenüber gehorsam, aber in diesem Moment erinnerte ich mich an eine Lüge, zu der mich ein Mädchen angestachelt hatte. Ich sah mich wie einen Pharisäer, der behauptete, sündlos zu sein…

Gleichzeitig sah ich Jesus, der keine Sünde hatte und die Frau nicht verurteilte. Er, der ein Recht hatte, einen Stein zu werfen, verurteilte die Ehebrecherin nicht. In diesem Moment fiel ich auf meine Knie und unter Tränen bat ich Jesus um Vergebung und der Herr über mein Leben zu sein. Im gleichen Moment spürte ich einen tiefen Frieden, wie ich es noch nie zuvor gefühlt hatte.

Lange habe ich nicht verstanden, warum ich mich taufen lassen musste, aber der Herr half mir zu begreifen, dass es ein Akt des Gehorsams und Zeugnisses vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt ist. So ließ ich mich im Alter von 17 Jahren taufen.

In meiner Jugend habe ich viele Biographien gelesen. Ich war sehr beeindruckt vom Glaubensleben der Missionare und von ihrer Beziehung zu Gott. Ich wünschte mir, dass der Herr mich auch eines Tages als Missionarin berufen würde. Die Jahre vergingen, aber nichts passierte. Während meiner Studienjahre organisierte ich viele Missionseinsätze in Moldawien, wo wir mit Jugendlichen aus Wiener Gemeinden Waisenhäuser besuchten.

Mit 19 sagte mir meine Mutter, dass es wichtig wäre, für meinen Ehemann zu beten. Aber warum soll ich um etwas bitten, was ich gar nicht möchte? In der rumänischen Kultur ist es wichtig, dass die Mädchen so bald wie möglich heiraten. Aber ich wollte nicht heiraten, ich wollte mich nicht binden lassen, sondern die Welt bereisen und frei sein. Mit 18 hatte ich zwar einen Freund, aber nach zwei Jahren trennten wir uns. Die Trennung tat so weh, dass ich dem Herrn sagte, ich möchte keinen Freund mehr haben, bis er mir den Richtigen bringt.

Als ich 25 Jahre alt war, las ich ein Buch von John Ortberg „Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst”. Hier schreibt der Autor: Wenn man für eine Sache sechs Monate betet, sei es unmöglich, dass Gott einem nicht antwortet. Um auf mein Gebet für (m)einen möglichen Ehemann zu antworten, wollte ich Gott ein Jahr Zeit geben. Nach viel Gebet und Fasten hat der Herr mir geantwortet: „WARTE.” Das war nicht das, was ich erwartet hatte.

Zwei Wochen lang habe ich gerungen und dann sprach der Herr zu mir mit sanfter Stimme: „Estera, du hast mich gebeten, dass ich dir antworte, und das habe ich getan. Alles, was du tun sollst, ist zu warten. Du brauchst nichts zu tun, ich werde alles für dich tun.” Ich war überwältigt und Friede kehrte in mein Herz ein. Klar: Weiß der Herr nicht besser, was für mich gut ist? Sollte ich ihm dann nicht vollkommen vertrauen?

Nach meinem Studium wurde mir in Deutschland ein Job angeboten, genauso, wie ich es mir in meiner Studienzeit erträumt hatte. Sofort suchte ich mir eine christliche Gemeinde, wo ich in die Teeniearbeit einstieg war und auch bei den Royal Rangers eine Gruppe leitete.

Ein Gedanke blieb: Vielleicht würde Gott mich in die Mission berufen… Nach sieben Jahren kam dieser Moment: Mein Arbeitgeber entließ mich und ich fing an, den Herrn zu fragen, ob jetzt die Zeit da wäre, in die Mission zu gehen. Dann gab mir der Herr nach Gebet einen neuen Job. Doch die Umstände führten bei mir zu dem Gedanken, zurück nach Österreich zu gehen.

Aber der Herr hatte andere Pläne für mich. Einer der Ältesten der Gemeinde sagte: „Estera, vielleicht ist es jetzt an der Zeit, in die Mission zu gehen." Ich schauderte, weil ich diesmal gar nicht den Herrn gefragt hatte. Das Kapitel Mission war für mich abgeschlossen. Also bat ich an diesem Sonntag die Gemeinde, für meine Situation um Klarheit zu beten. Es begann für mich eine Zeit des Betens und Fastens.

Kurz darauf zeigte mir der Herr in einer Vision die Arbeit mit Kindern in Costa Rica, wo ich 2012 für drei Wochen eine Missionarin aus meiner Gemeinde besucht hatte. So wurde im November 2018 der Traum, Missionarin zu werden, wahr: Ich verließ meine Komfortzone und schlug neue Wege ein in ein Land, dessen Sprache ich nicht kannte, weit weg von all meinen Lieben.

Wenn ich heute auf die Jahre auf dem Missionsfeld zurückblicke, sind es die traurigsten Jahre meines Lebens. Dennoch sehe ich Gottes Treue, obwohl es dreieinhalb Jahre mit vielen Herausforderungen und Enttäuschungen waren. In all dem habe ich aber Gottes Gegenwart erleben dürfen, bin Ihm nähergekommen und ich weiß, dass er mich hier haben möchte und dass ich hier richtig bin.

Jetzt bin ich dabei, eine eigene Mission aufzubauen, um am Rande stehenden Menschen in den Armenvierteln von San José zu helfen, Christus kennenzulernen. Oft habe ich mir gedacht, dass es auch kulturell einfacher wäre, wenn ich einen Mann hätte, da die costaricanische Kultur der rumänischen ähnelt. Aber der Herr lehrt mich, Ihm weiter zu vertrauen und nicht den Menschen.

Estera Damsa, Costa Rica

 

Kontakt: weltweit@soloundco.net