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Stiller Tag - geht das tatsächlich online?

Claudia Mißbach bietet immer wieder Stille Tage an – in Präsenz oder online. Was steckt dahinter und wie ist die Resonanz?

Wir sind alle sehr beschäftigt mit unserer Arbeit, unseren ehrenamtlichen Aufgaben. Selbst in der Freizeit sind wir meist ununterbrochen aktiv. Und in christlichen Veranstaltungen? Kommt es tatsächlich mal zu einigen Schweigeminuten, wird es gleich peinlich. Warum? Halten wir die Stille nicht mehr aus? Dabei liegt in der Stille eine große Chance. Gott spricht gerade in die Stille. Ein Stiller Tag ist eine gute Unterbrechung des Alltagsgeschehens.

Seit Jahren leiste ich mir regelmäßig einzelne Stille Tage zu Hause oder mehrere Stille Tage in einem Kloster. Die Corona-Zeit hat mich auf die Idee gebracht, so etwas online anzubieten. Die Teilnehmer treffen sich an einem Samstag. Der Tag ist strukturiert in drei Impulszeiten von je einer Stunde am PC und dazwischen 2 längere Zeiten der persönlichen Stille mit entsprechenden Aufgaben. In den Zeiten am PC gibt es biblische Impulse, Textmeditationen, Bildbetrachtungen, Körperübungen, liturgische Gebete, Lieder.

In den Zeiten dazwischen bekommen die Teilnehmer eine Aufgabe, z.B. persönliche Fragen zum Nachdenken, kreative Aufgaben wie malen, basteln, Natur beobachten, Bibeltexte meditieren, kreative Gebete. Ziel ist, dass wir uns durch das Schweigen auf Wesentliches konzentrieren und wir durch den Rückzug von anderen Menschen, Gott näher begegnen können, damit er in unser Leben hineinsprechen kann.

Am Ende des Tages dürfen die Teilnehmer ein Feedback geben, was sie erlebt haben. Total eindrückliche Erfahrungen werden da mitgeteilt.

Claudia Mißbach, Dresden

 

 

Susan Renner aus Izehoe hat bisher an allen angebotenen Stillen Tagen teilgenommen. Was denkt sie über das letzte Online-Treffen?

Susan, was war für dich eine eindrückliche Erfahrung?

Die eindrücklichste Erfahrung war wohl, dass ich trotz der großen Entfernung mit den anderen Teilnehmern verbunden bin und wir zur gleichen Zeit durch die Stille und die         geistlichen Übungen mit Gott in Berührung kommen und ihm an diesem Tag ganz nah sind.“

 

Manche können sich vielleicht gar nicht vorstellen, dass so etwas Klösterliches bei einer Videokonferenz funktioniert. Stört dich eigentlich die Technik oder liegen darin sogar Chancen?

„Ich sehe darin die Chance, trotz der Entfernungen sich als Gruppe zu treffen, gemeinsam zu schweigen und mich auf Gott auszurichten. Das wäre ohne die Technik in der Corona-Zeit gar nicht möglich gewesen. Ich hoffe sehr, dass diese Möglichkeit, Stille Tage online durchzuführen, auch nach Corona erhalten bleibt.“

 

Beim nächsten Stillen Tag am 26. November wollen wir einen Zugang zum Advent finden. Susan, wirst du wieder dabei sein?

„Natürlich,ich freue ich mich, neue geistliche Ansätze kennenzulernen, mich auf den Advent auszurichten und in die Zeit der Ankunft Jesu in dieser Welt einzutauchen.“

 

Also: Wir laden ein, ganz bewusst einen Stopp in den „alle Jahre wieder Stress“ einzulegen, sich einen Stillen Tag zu gönnen, Jesus zu begegnen, Neues und Hoffnungsvolles zu entdecken.