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Im Ruhrgebiet: Kein Raum für den Stammtisch

Passend in der Weihnachtszeit erlebte die Solo&Co-Gruppe Ruhrgebiet, dass für sie kein Raum in der Herberge war...

„Am letzten Freitag haben wir beim Stammtisch eine Premiere erlebt“, erzählt Ulle Stede. „Leider keine schöne Premiere.“ Was war passiert? „Obwohl wir drei Mal Kontakt mit dem Lokal hatten und am Mittwoch noch alles in Ordnung war, hatten sie am Freitag keinen Platz mehr für uns. Wir waren doch angemeldet! Etwas war schiefgegangen. Der zuständige Mitarbeiter sei inzwischen gefeuert worden, teilte man uns entschuldigend mit.“

Kein Platz? Maria und Josef waren in Bethlehem auch nicht willkommen!

Ärger, Wut! Wie kann das sein? Ich fühlte mich... naja.

Welche Gefühle hatten wohl Maria und Josef? Josef: "Ihr seht doch, dass Maria schwanger ist, dass wir dringend eine Unterkunft brauchen!" Wut? Enttäuschung? Frust?

Was sollten wir tun? Schnell in die Gruppe schreiben: "Bitte bleibt zu Hause!" Einige kamen zum Lokal, weil sie die Nachricht nicht gelesen hatten.

Maria und Josef? Keine Chance, irgendjemanden zu informieren, ein Zelt oder Wohnmobil zu ordern. Sie waren der Situation ausgeliefert.

Das waren wir für 30 Minuten auch, in denen es hin- und herging, was wir tun sollten. Wie gut, dass die Stimmung nicht kippte. Alle, die nach und nach eintrudelten, zeigten Verständnis, dass man diese Situation nicht mit Meckern, Schuldzuweisungen und Wut lösen konnte. Gehen wir woanders hin? Niemand hatte Platz für uns! Alle Restaurants in der Nähe belegt. Freitagabend in der Vorweihnachtszeit ist es überall voll.

Maria und Josef ahnten wohl auch, dass es voll werden würde wegen der Volkszählung. Ob sie es persönlich nahmen? Jedenfalls muss ihre Verzweiflung eine ganz andere Dimension gehabt haben! Da ging es um weit mehr als bei uns. Dranbleiben! Maria und Josef nahmen schließlich den Stall...

Durch das Fenster des Lokals sahen wir, dass ein großer Tisch nicht besetzt war. Hartnäckig sein! Eine von uns ging rein und fragte danach. Hatte der Besitzer des Lokals Mitleid mit uns? Ja, dieser Tisch sei frei. Wir könnten ihn mit bis zu 10 Personen besetzen. Unruhe draußen! Wie viele sind wir? Zu elft ging es gut an dem Tisch. Später kam noch eine Frau, die von allem nichts mitbekommen hatte. Sie war froh, endlich bei uns zu sein nach 1,5 Std. Autofahrt mit viel Stau. Das Essen schmeckte prima. Die Gemeinschaft war entspannt. Überhaupt hat mir sehr gutgetan, dass alle so relaxt waren. Traurigkeit bleibt, weil manche nicht dabei waren...

Und Maria und Josef? Es wurde sicher ruhig im Stall, als die äußeren Herbergsprobleme gelöst waren. Trotzdem war es nicht optimal, dass der Herr der Welt auf diese Art zur Welt kommen musste... oder doch? Seine Geburt war jedenfalls der Anfang von etwas ganz Wunderbarem!

Astrid Eichler sagte einmal: "Eine der größten Aufgaben im geistlichen Leben ist der Umgang mit Enttäuschungen. Der wichtigste Ort der Welt ist mein Herz. Deshalb ist es meine größte Aufgabe, auf mein Herz (meine Gefühle) achtzuhaben."

Ulle Stede