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Ruf mich an - und was draus wurde

Sie wohnen 600 km auseinander und sind über die Solo&Co-Telefonaktion zusammengekommen. Was haben sie dabei erlebt?

Annette und Ute haben sich auf das Solo&Co-Experiment eingelassen, miteinander per Telefon Leben zu teilen. Was sie dabei erlebt haben?

Annette:

Im Frühjahr 2018 nahm ich am Singletag in Bremen teil, lernte so Solo&Co kennen. Ich ließ mich registrieren und so bekam ich im März 2020, als Corona unser Land lahmgelegt hatte, das Angebot von Solo&Co, in diesen schwierigen Zeiten einen Telefonkontakt zugelost zu bekommen. Ich, ein Nordlicht aus Bremen, meldete mich zur Telefon-Aktion an, denn ich lerne immer gerne nette Leute kennen. Zur Telefonaktion bekam ich Ute aus dem Raum Stuttgart vermittelt. Das erste Telefonat dauerte gleich über eine Stunde, und wir waren uns einig, weiter telefonisch in Kontakt bleiben zu wollen. Wir telefonierten jeden Monat miteinander, lernten einander immer mehr kennen, und so entwickelte sich ein vertrauensvoller Kontakt.

Wir nahmen Anteil am Leben der anderen, schickten uns zwischendurch auch Nachrichten per WhatsApp. So auch Anfang Januar 2021. Ute schrieb mir, dass sie sich zum Single-Urlaub auf Rügen angemeldet hatte, die Solo&Co in Kooperation mit der Liebenzeller Mission durchführen wollte. Während Ute noch voll im Berufsleben steht, begann für mich ein neuer Lebensabschnitt als Rentnerin. Ich hatte noch keine Ideen und Pläne, musste und wollte erst mal in meinem neuen Leben ankommen. Doch die Idee vom Urlaub im Sommer am Meer weckte neue Lebensgeister und so meldete ich mich dazu an und informierte Ute. Wir telefonierten weiter, überlegten, wie das Kennenlernen wohl werden würde. Im April war ich eine Woche in Karlsruhe – eine Chance, sich vorab schon mal kennenzulernen. Aber unsere Terminkalender passten nicht zueinander. So warteten wir beide gespannt auf unsere erste persönliche Begegnung auf Rügen.

Wir genossen die Zeit dort mit Ausflügen und in netter Gemeinschaft und gönnten uns einen Abend zu zweit, der sehr gesprächsintensiv war. Wir freuen uns, dass wir uns über Solo&Co kennengelernt haben und werden weiterhin in Kontakt bleiben.


Ute:
„Verlieren kannst du nichts“, sagte ich mir, als das Angebot von Solo&Co kam, einen Telefonpartner zu bekommen. Unter „normalen Umständen“ ständig unterwegs und im Ort gut vernetzt, konnte ich mir ein Telefonat mit einer unbekannten Person durchaus vorstellen – und Zeit war definitiv dafür frei während des ersten Lockdowns. Annette war schneller mit dem Anrufen. Und es blieb nicht bei dem einen Telefonat. Anfangs wöchentlich, später, als das Leben wieder etwas Fahrt aufnahm und auch unterbrochen durch Reha und Urlaub etwas seltener, hielten wir Kontakt. Die Aussicht, uns jemals persönlich zu treffen, war gering. Über 600 km liegen zwischen unseren Wohnorten.

Und auch unsere Interessen sind durchaus unterschiedlich: Annette ist viel mit dem Fahrrad unterwegs, ich schnüre gern die Wanderstiefel. Aber so gab es immer viel zu erzählen! Angespornt durch das Solo&Co-Festival im Herbst 2020 habe ich mich bereits früh für den Rügen-Urlaub angemeldet – auch das wegen Corona; sonst bin ich lieber im Ausland unterwegs und schlafe auch eher nicht zwei Wochen am Stück im selben fremden Bett. Aber so ergab sich nun tatsächlich die Chance, sich persönlich zu begegnen…

Spannend! Wie Annette wohl aussieht? Mit Internet-Suche hatte ich mich zurückgehalten – und mich amüsiert, dass Annette die „falsche“ Ute ergooglet hatte und so auch überrascht war, wer da vor ihr stand. Den Abend für uns beide auf Rügen mussten wir uns bewusst reservieren, da wir tagsüber meist mit unterschiedlichen Gruppen unterwegs waren. Aber von Angesicht zu Angesicht redet es sich nochmal ganz anders als am Telefon.

 

Ohne Corona und das Solo&Co-Angebot hätten wir uns vermutlich nie kennengelernt!