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PFLEGE DER ELTERN – SPAGAT UND SEGEN

Myriam Wahr ist mit Leib und Seele Missionarin. Aber dann wurden ihre Eltern pflegebedürftig. Wie lebt es sich im Spagat zwischen hier und dort?

Das Leben von Myriam Wahr (45) als Missionarin hat sich sehr verändert, seit ihre Eltern pflegebedürftig sind. Wie lebt es sich im Spagat zwischen hier und dort?Seit über einem Jahr benötigen meine Eltern – beide sind 86 – rund um die Uhr Pflege. Mein Papa leidet an Demenz und Darmproblemen, meine Mama hat Alzheimer. Wie bekomme ich das alles unter einen Hut?!

Davor hatte ich eine klare Berufung als Missionarin und arbeitete zunächst bei Globe Mission secounded, dann bei World Outreach – und seit 2004 als Missionarin in Mosambik. Seit 2009 gibt es unseren dortigen Verein „O bom samaritano“ (Der gute Samariter). Um diese Arbeit mit aufzubauen, hatte ich  als Single Kraft und Zeit. Es entstehen Gesundheitshäuser mit natürlicher Medizin, wir bilden Gesundheitshelfer aus und haben ein Programm für unterernährte und Waisenkinder. Außerdem gibt es einen Radiodienst und wir machen Gefängnisbesuche sowie „Gottes Wort-Seminare“ (mehr unter www.obomsamaritano.org).

Aber jetzt? Seit ein paar Monaten ist Dienen auf eine ganz andere Art dran – in Tübingen statt in Mosambik. Ich empfinde es als Segen, für meine Eltern da sein zu dürfen, auch wenn es manchmal sehr schwer ist. Wenn ich daran denke, was sie in mein Leben investiert und Opfer gebracht haben… dann darf ich es jetzt zurückgeben, auch wenn mich das mitunter persönliche Freiheit kostet und ich mich manchmal isoliert fühle. Freunde habe ich zwar, aber oft fehlt die Kraft oder Motivation, sich aufzumachen.

Die Herausforderung ist oft mehr psychischer Natur: Wenn es den Eltern nicht gut geht, dann leide ich mit und überlege, was ich sonst noch machen kann. Oft tut es mir selber leid, wenn mir die Geduld ausgeht. Wie wertvoll ist es, dann zu wissen, dass ich am Kreuz abladen und um Vergebung bitten darf und mich auch bei meinen Eltern entschuldigen kann.

Eine wunderbare Erfahrung durfte ich vor einiger Zeit im Schlaflabor mit meinem Vater machen: Da er eine Demenz hat, durfte ich mit ihm im gleichen Zimmer übernachten. Er war mit Schläuchen und Maske versorgt, als ich aus dem Schlaf heraus auf einmal eine Stimme hörte: „Steh auf!“ Ich schaute mich im Raum um, aber da war niemand, der zu mir hätte sprechen können. Es war nicht die Stimme meines Vaters, doch ich bemerkte seine Unruhe und es stellte sich heraus, dass er zur Toilette musste. Wie sehr hat es mein Herz berührt, dass Jesus in diesem Moment die Hilfsbedürftigkeit meines Papas sah und mich aufmerksam gemacht hat! Selbst um solche Details kümmert er sich!

Ja, und Jesus kümmert sich auch um Mosambik: Vor ein paar Wochen konnte ich für ein paar Tage dorthin reisen, und es tat meiner Seele gut, all die wertvollen Menschen und den Dienst wiederzusehen. Es begeistert mich zu sehen, dass die aufgebaute Arbeit vor Ort gut läuft, und durch die modernen Medien kann ich mit den Leitern vor Ort im Kontakt bleiben. Das hilft ungemein, denn ich erlebe oft ein geteiltes Herz zwischen Elternpflege und Mission. Aber es freut mich sehr, dass der Dienst an Selbstständigkeit zugenommen hat, gerade jetzt, wo ich nicht vor Ort bin – da kann räumliche Abwesenheit auch zur Chance für die Einheimischen werden!

Mein Fazit: Jesus kennt unser Herz, begleitet uns durch jede Lebensphase, und es ist gut, auf ihn zu hören. Zugleich ist es ein Segen, dass ich trotzdem von Deutschland aus weltmissionarisch tätig sein kann – Jesus und die moderne Technik machen es möglich. Und immer, wenn meine Eltern „stabil sind“, will ich nach Mosambik reisen…

Myriam Wahr (Mosambik/Deutschland)