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ERST SELBSTVERSORGUNG – DANN KÜMMERN?!

Von Peru aus loggte sich Birgit Ufermann beim Seminar „Wenn Eltern älter werden“ ein. Und sie bekam „nächtliche“ Erkenntnisse.

„Ein Thema, dass wir gerne vermeiden“ das ging mir durch den Kopf, als ich mich Mitte März beim Online-Solo&Co-Tagesseminar zum Thema „Wenn die Eltern älter werden – was nun?“ einloggte. Sehr früh war es für mich, weil ich mit sechsstündiger Zeitverschiebung von Peru aus teilnahm. Im Zoom waren wir eine sehr überschaubare Runde, die wir von Uta Bornscheins Sachkompetenz und Erfahrung profitieren wollten, manche aus akuter Betroffenheit oder vergangener Erfahrung heraus, eine andere Frau und ich eher präventiv. Dass ich da zu nächtlicher Stunde nach nur wenigen Minuten hellwach war, das lag nicht zuerst an meinem heißen Kaffee…

„Was würdet ihr antworten auf die Frage nach der größten Herausforderung bei der Pflege Angehöriger oder nach dem wichtigsten Element von Selbstfürsorge? Und wie würdet ihr Pflege in einem Satz beschreiben?“ Uta hat uns schnell mit einbezogen und an diesem Tag ein gutes Gleichgewicht hinbekommen: zwischen der Vermittlung nützlicher Informationen einerseits und Freiraum für Erfahrungsaustausch und persönliche Fragen andererseits. Im ersten Teil ging es um Pflegebedürftigkeit, damit verbundene innere und äußere Herausforderungen sowie Selbstfürsorge für die Angehörigen.

Nach der Mittags- (für mich Frühstücks-) pause gab es dann eine theoretische, visuelle und auch motorisch praktische Einführung in die Kinästhetik. In was, bitte?!?

Hinter diesem Begriff verbirgt sich die „Lehre von der Bewegungsempfindung“ oder – in diesem Kontext – die Kunst, einen Menschen so zu unterstützen, dass er das, was ihm noch möglich ist, auch selbst machen kann. Selbständigkeit, Würde, Freiheit und Sinn… das ist doch uns allen wichtig, oder? Und so kann und will Kinästhetik allen Beteiligten das Leben erleichtern.

Mir fiel ein, dass ich dazu von Uta schon einmal eine private Mini-Einführung genossen hatte, ganz spontan bei einem zweistündigen Treffen in einem Café am Stuttgarter Hauptbahnhof, sozusagen „zwischen zwei Zügen“. Ihre Begeisterung für diesen noch wenig bekannten Pflegezugang war ihr schon damals anzumerken – und die wurde auch jetzt in unserem Seminar wieder spürbar.

Neben allen handfesten Infos bzgl. Literatur, Finanzquellen, Hilfsmitteln, sozialen und institutionellen Unterstützungsmöglichkeiten ging es doch immer wieder um den würdevollen Umgang mit den Einschränkungen eines bedürftigen Anderen, aber eben auch um den pfleglichen Umgang mit sich selbst. „Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht“ und „Soziales Unterstützungsnetz statt einsamem Einzelkampf“ - das waren vielleicht die wichtigsten Impulse zu diesem Thema, das sich keiner aktiv sucht, das uns aber mitunter sehr unvermittelt betreffen und dann kräftig herausfordern kann.

Ich persönlich ziehe bei solchen „schweren“ Themen die aktive Vorbereitung dem Überrumpelt-werden vor. Sie steigert die Chance, dass selbst eine belastende Pflegesituation doch auch zu einer bereichernden und würdevollen Lebensetappe werden kann. Und mir wurde erneut wichtig, was jedem Flugreisenden als lebenswichtige Grundregel für den Krisenfall eingeschärft wird: bei Luftdruckabfall zuerst mich selbst mit der Sauerstoffmaske zu versorgen, bevor ich andere unterstütze! Alles andere wirkt zwar heroisch, wird aber nicht von langer Dauer sein – ein Grundsatz, der sicher auch auf die Pflege Angehöriger übertragbar ist.

Herzlichen Dank, Uta, für die lebendige, vielseitige und (buchstäblich) bewegende Ausrüstung mit viel gutem Handwerkszeug. Und danke an euch andere in der Gruppe für das ehrliche Anteilgeben an z.T. sehr persönlichen Erfahrungen. Dem nächsten Seminar wünsche ich noch mehr Beteiligung und Nutzung dieser wertvollen „Fundgrube“ – es lohnt sich.

Birgit Ufermann, Peru